Nach Todesfall Bayer muss bei Iberogast auf mögliche Leberschädigungen hinweisen

Künftig wird der  Beipackzettel des pflanzliches Magen-Darm-Mittels um neue Warnhinweise ergänzt. Ausschlaggebend ist ein im Juli publik gewordener Todesfall, der auf die Einnahme von Iberogast zurückzuführen ist.

imago/Arnulf Hettrich


Der Pharmakonzern Bayer muss auf dem Beipackzettel für sein rezeptfreies Magenmittel Iberogast künftig auch vor sehr seltenen, aber schwerwiegenden Leberschäden warnen. Das Unternehmen habe zugesichert, die angeordneten Änderungen innerhalb von vier Wochen umzusetzen, teilte das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Verursacht werden die Schäden von dem in Iberogast enthaltenen Schöllkraut.

Hintergrund der Entscheidung seien neue Meldungen von Leberschädigungen im Zusammenhang mit der Anwendung der Arznei, hieß es von der Behörde. Darunter befinde sich ein im Juli 2018 bekanntgewordener zweiter Fall von Leberversagen mit Lebertransplantation, der letztlich tödlich endete.

Im Beipackzettel wird künftig der Hinweis zu lesen sein, dass das Mittel nicht von Schwangeren oder Stillenden eingenommen werden dürfe. Zudem dürfe es nicht bei Lebererkrankungen oder vorherigen Leiden angewendet werden. Bei den Nebenwirkungen müsse ergänzt werden, dass bei schöllkrauthaltigen Produkten Fälle von Leberschädigungen aufgetreten sind.

Bislang heißt es in der Packungsbeilage nur, dass sich aus vorliegenden Daten keine Hinweise für Bedenken hinsichtlich der Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit ableiten ließen, eine Einnahme aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen sollte. Als sehr seltene Nebenwirkungen werden lediglich Überempfindlichkeitsreaktionen wie etwa Hautausschlag, Juckreiz und Atembeschwerden genannt.

Der nun angekündigten Ergänzung des Warnhinweises war ein zehnjähriger Disput vorausgegangen. Schon 2008 hatten dem BfArM rund 50 Fallberichte aus Deutschland vorgelegen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Leberschäden und Schöllkraut in konsumierten Präparaten vermutet wurde. Die Behörde forderte in der Folge Hersteller von Produkten mit mindestens 2,5 Mikrogramm Schöllkraut pro Tagesdosis auf, ihre Beipackzettel um entsprechende Hinweise zu ergänzen.

Der Iberogast-Hersteller, zu jener Zeit noch Steigerwald, legte jedoch Widerspruch ein. Inzwischen ist Bayer der Produzent des Mittels - auch dieses Unternehmen hatte eine Ergänzung des Beipackzettels lange verweigert.

"Wir stehen unverändert zu dem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis von Iberogast in den zugelassenen Indikationen", hieß es in einer aktuellen Stellungnahme von Bayer.

Iberogast ist ein pflanzliches Arzneimittel, dass bei Magen-Darm-Erkrankungen mit Beschwerden wie Krämpfe, Übelkeit oder Sodbrennen eingesetzt wird. Es ist in über 40 Ländern zugelassen.

mah/dpa/reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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hileute 14.09.2018
1. ????
Gefährlich für die Leber nur bei Vorerkrankungen? und wenn nein, ab wie viel iberogast ist es denn leberschädigend? muss man da ein Fläschchen am Tag trinken das es schädlich ist oder schaden dann auch die 2-3 Tropfen, die ja eigentlich jeder ab und an bei Magenbeschwerden nimmt, hilft ja auch. Das wird mir jetzt nicht klar aus dem Artikel.
kiefera 14.09.2018
2. Augenmaß
Dieses Mittel ist für mich seit Jahrzehnten ein treuer Begleiter wenn ich ab und zu (3-4 x im Jahr) Magenprobleme habe. Auch meine ganze Familie schätzt dieses. Haben so viele Menschen den ein gesundes Augenmaß verloren im Umgang mit diesen im Grunde genommen guten Helfern, die bei kleinen Wehwehchen einen Arztbesuch vermeiden lassen. Das Wissen um den eigenen Körper ist so verloren gegangen, das sehe ich auch wenn junge Leute keine Ahnung haben, dass auch mal eine Wärmflasche oder eine Tasse Tee helfen kann.... oder mal ein paar Tropfen Iberogast ;-)Ein Versuch ist es allemal wert, bei längeren Beschwerden geht man natürlich zum Arzt.
hansdampfabcdefgh 14.09.2018
3.
Man nimmt "ab und an" mal 2-3 Tropfen? Oder auch gut: "seit Jahrzehnten mein treuer Begleiter". Na, wer es braucht.... Bayer wird sich freuen.... AUTSCH!
permissiveactionlink 14.09.2018
4. Ein reines Naturprodukt.....,
aber deshalb alles andere als gesund ! Schöllkraut ist eine, nun ja, Giftpflanze aus der Familie der Mohngewächse. Sie enthält vorwiegend in dem orangegelben giftigen Milchsaft bis zu zwanzig verschiedene Alkaloide, die im Winter im unterirdischen Rhizom gespeichert werden, das dann hoch(!)giftig ist. Diese Alkaloide sind es, deren Metabolisierung, sprich Verstoffwechselung in der Leber enorme Probleme machen, da Abbauprodukte vermutlich noch toxischer sind. Schöllkraut wirkt auch leicht zytotoxisch, also zellschädigend. Es ist ja nicht so, dass Iberogast aus dem Verkehr gezogen wird. Es wird nun nur eine Pflicht zu Warnhinweisen im Beipackzettel geben, die sich an Schwangere, Stillende und Patienten mit Leberschäden richten. Das ist keinesfalls Hysterie, sondern Information. Unbelehrbare dürfen sich das Zeug nach wie vor auch als Einlauf rektal gönnen, da gibt es keinerlei Einschränkungen. ;-)
willibaldus 14.09.2018
5.
Ich stehe mehr auf Underberg(tm) sind auch viele Kräuter drin. Natürlich aus kleinen Fläschchen nicht in Massen.
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