Mit Geldern der Ice Bucket Challenge Neues ALS-Gen entdeckt

Mit der Ice Bucket Challenge sammelten Prominente viele Millionen Euro für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS. Jetzt berichten Forscher von einem Gen, das bei einigen Betroffen mit der Entstehung zusammenhängt.

Der Hamburger Ehrenbürger Michael Otto bei der Eisdusche
picture alliance/ dpa/ Daniel Bockwoldt

Der Hamburger Ehrenbürger Michael Otto bei der Eisdusche


Erinnern Sie sich noch an die Ice Bucket Challenge? Im Sommer 2014 ließen sich reihenweise Menschen dabei filmen, wie sie sich Kübel mit Eiswasser über den Kopf schütteten. Damit wollten sie auf die neurologische Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen und Spenden sammeln. Die Aktion brachte damals rund 190 Millionen Euro ein, virale Videos von Prominenten gingen um die Welt.

Wie im deutlich weniger erfolgreichen Nachfolgejahr 2015 soll es auch im kommenden August 2016 eine Neuauflage der Ice Bucket Challenge geben. Pünktlich zum Start berichten Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" jetzt von einem neu entdeckten Gen, das bei der Entstehung der ALS eine Rolle spielt. Es sind bereits mehrere Gene bekannt, die mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden.

Bei dem jetzt identifizierten Gen handelt es sich um das sogenannte NEK1, das bei einigen Betroffenen nicht mehr richtig funktioniert. Diese beschädigte Variante kommt sowohl bei Patienten vor, die unter einer genetisch bedingten ALS leiden (in weniger als zehn Prozent der Fälle gibt es eine familiäre Häufung), als auch bei der sogenannten sporadischen Form, bei der keine einzelne Ursache erkennbar ist. Insgesamt entdeckten die Forscher diese Variante bei drei Prozent der von ihnen untersuchten Patienten.

Hier landet das Geld

Ein Durchbruch ist das zwar nicht, aber doch ein wichtiger Schritt, um die Krankheit besser zu verstehen - und irgendwann, so die Hoffnung, auch behandeln zu können. Denn bislang gibt es keine Therapie. An ALS erkranken jedes Jahr etwa zwei von 100.000 Menschen.

Bei der Krankheit gehen Neuronen zugrunde, die für die Bewegung der Muskulatur zuständig sind. Die Muskeln werden zunehmend schwächer, bis sie irgendwann ganz gelähmt sind und auch die Atemmuskulatur versagt. Das Bewusstsein ist dabei intakt. Die Betroffenen sterben meist innerhalb der ersten zwei bis fünf Jahre.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler unter anderem die Gendatenbank "Project MinE". Das auch von den Geldern der Ice Bucket Challenge finanzierte Projekt will das Genom von 15.000 ALS-Patienten und 7500 Kontrollpersonen untersuchen.

An der Ice Bucket Challenge wurde auch Kritik laut, weil zum einen manche Teilnehmer in ihren Videos gar nicht auf die Krankheit hinwiesen. Zum anderen gab es den Vorwurf gegen die US-amerikanische ALS-Association (Alsa), dass sie zu wenig Spendengelder in die Forschung stecke. Die Alsa ist seither um Transparenz bemüht und dokumentiert die Ausgaben auf ihrer Internetseite.

hei

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
z._de_la_rocha 27.07.2016
1. Was wurde doch damals gezetert....
...Wieviel Wasser dabei teuer verschwendet werden würde und was für ein Blödsinn so ein Mist doch sei und wie viele andere Probleme es doch auf der Welt gäbe und überhaupt sei es ja eine Frechheit, wenn Menschen Spaß an etwas hätten...
naklar261 27.07.2016
2. gute sache
je mehr forschung umso besser...
Das Pferd 28.07.2016
3.
gut gemacht, Aufmerksamkeit erzeugt. alles richtig gemacht.
DieButter 02.08.2016
4.
Das neu entdeckte Gen könnte dafür sorgen, dass man die Krankheit eventuell früher erkennen kann. Das ist allerdings allein für sich relativ nutzlos, solange man dadurch weder den Krankheitsverlauf beeinflussen, noch die fürchterliche Prognose ändern kann. Fazit: Eine Menge Wasserverschwendung.
Chaosfee 05.08.2016
5.
Zitat von DieButterDas neu entdeckte Gen könnte dafür sorgen, dass man die Krankheit eventuell früher erkennen kann. Das ist allerdings allein für sich relativ nutzlos, solange man dadurch weder den Krankheitsverlauf beeinflussen, noch die fürchterliche Prognose ändern kann. Fazit: Eine Menge Wasserverschwendung.
Und eines Tages wird man anhand dieses Gens vielleicht eine Behandlungsmethode finden können. Denn: je früher man eine Krankheit erkennt, desto eher kann man eingreifen! Nicht immer gleich "Nützt nix!" oder "Verschwendung!" schreien, wenn man noch gar nicht weiß, welche Möglichkeiten eine neue Entdeckung wie diese bringen können.
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