Impfung: Experten fordern HPV-Schutz auch für Jungen

Impfspritze: Deutsche Mediziner zweifelten in der Vergangenheit am Nutzen der Impfung gegen humane Papillomaviren Zur Großansicht
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Impfspritze: Deutsche Mediziner zweifelten in der Vergangenheit am Nutzen der Impfung gegen humane Papillomaviren

Gegen die Infektion mit humanen Papillomaviren sollen sich Mädchen seit einigen Jahren impfen lassen. Jetzt fordern Experten, die HPV-Impfung auch für Jungen anzubieten, um sie vor Krebs zu schützen. Dabei ist schon die bisherige Empfehlung unter deutschen Medizinern umstritten.

London/Heidelberg - Die Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV) soll Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Allerdings ist die Immunisierung seit der Empfehlung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren durch die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Insituts (RKI) im März 2007 unter Ärzten umstritten. Kritiker bemängeln, nur der Schutz vor Krebsvorstufen sei gesichert, ob die Impfung auch vor dem eigentlichen Tumor schütze, sei unklar. Die Wirksamkeit der HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sei damit nur teilweise belegt, und geimpfte junge Frauen würden in trügerischer Sicherheit gewogen. Es bestehe die Gefahr, dass sie die weiterhin notwendigen Früherkennungsuntersuchungen nicht mehr wahrnehmen.

Jetzt legen die Befürworter der HPV-Impfung nach: Im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" hat die Pathologin Margaret Stanley von der britischen Cambridge University gefordert, nicht mehr nur Mädchen gegen humane Papillomaviren zu impfen, sondern auch Jungen. Auch Männer seien durch die Erreger gefährdet, so Stanley.

Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, der sich im Streit um die Stiko-Empfehlung bereits für die Impfung eingesetzt hatte, pflichtet der britischen Forscherin bei: "Wenn wir wirklich die Viren in einem vorhersehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden", sagt zur Hausen. Der Wissenschaftler hatte 2008 für seine Entdeckung, dass Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs verursachen können, den Nobelpreis bekommen.

Der Herdenschutz der HPV-Impfung reicht nicht

Die Viren seien auch die Hauptursache für Tumoren der Zunge, der Mandeln und im Analbereich, schreibt die britische Forscherin Stanley. Außerdem hätten sie oft wesentlichen Anteil an der Entstehung bösartiger Krebsformen an Penis und Kehlkopf. "Man vermutet, dass sie der Haupterreger von fünf Prozent aller menschlichen Krebserkrankungen sind." Die Viren können beim Sex zwischen den Geschlechtern übertragen werden.

Stanley warnt in ihrem Beitrag vor allem vor bösartigen Analtumoren. Diese Krebsart sei selten, doch die Zahl der Betroffenen steige vor allem bei den 20- bis 49-jährigen Männern. Am höchsten sei das Risiko für homosexuelle Männer. Bislang befürworteten jedoch nur die USA, Kanada und Australien die Impfung von Jungen.

Der deutsche Krebsforscher zur Hausen weist auf eine weitere mögliche Folge der Viren hin: "Genitalwarzen, vor denen zumindest einer der Impfstoffe schützt, sind eine äußerst unangenehme und unerfreuliche Infektion."

Es gebe die Annahme, der sogenannte Herdenschutz - der Schutz auch ungeimpfter Menschen durch die weitestgehend geimpfte Bevölkerung - reiche aus, meinte zur Hausen. Das sei aber wegen der zu geringen Impfraten bei Mädchen "etwas naiv". "In Deutschland sind wir mit etwas unter 40 Prozent von der notwendigen Rate entfernt, in Österreich liegt sie bei knapp 5 Prozent." Außerdem seien die Kosten sehr hoch - zu hoch, wie zur Hausen findet. "Die sollten eigentlich durch Verhandlungen der Gesundheitsministerien oder Krankenkassen mit den Firmen reduziert werden können." In Ländern wie Großbritannien oder Vietnam sei das schon erfolgreich passiert.

Frühe Impfung für beide Geschlechter

Bisher kamen Modellrechnungen zu dem Schluss, eine Impfung der Jungen sei nicht kosteneffektiv, wenn ausreichend viele Mädchen gegen HPV geimpft würden. Diese Rechnung greift nach Stanleys Ansicht zu kurz: Einerseits seien die Imfpraten in vielen Ländern zu niedrig, als dass die Jungen mitgeschützt würden, andererseits werde so die Gruppe homosexueller Männer überhaupt nicht erfasst. Eine Möglichkeit, die HPV-Impfung für Jungen kosteneffektiv zu gestalten, wäre dann noch, nur homosexuelle Männer zu impfen. Doch diese Impfung müsste in einem Alter geschehen, in dem viele Heranwachsende sich über ihre sexuelle Orientierung noch nicht im Klaren seien, eine Befragung ethisch kaum vertretbar wäre - und damit die Impfung in den meisten Fällen wohl erst zu spät möglich wäre. Studien zur HPV-Impfung hatten gezeigt, dass die Impfung am effektivsten ist, wenn sie vor Beginn der sexuellen Aktivität geschieht.

Stanley betont: "Alle Männer, unabhängig von der sexuellen Orientierung, begegnen einem erheblichen und steigenden Risiko HPV-assoziierter Krankheiten." Es sei nicht ethisch, fair oder sozial verantwortungsvoll, Männer dazu zu zwingen, sich auf einen Herdenschutz zu verlassen, der in den kommenden Jahrzehnten noch nicht erreicht werde.

Funktionieren würde die Impfung für Jungen genau wie bei den Mädchen: Sie bekommen drei Spritzen mit einem der beiden zugelassenen Impfstoffe. "Jungen reagieren völlig gleich darauf, mir sind keine Besonderheiten bekannt", sagte zur Hausen. Die aktuellen Empfehlungen der Stiko sehen nach wie vor die HPV-Impfung für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren vor.

Impfkalender von zwei bis 17 Jahren
Impfung 2-4 Jahre 5-6 Jahre 9-11 Jahre 12-17 Jahre
Tetanus nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Diphtherie nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Keuchhusten (Pertussis) nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Haemophilus influenzae Typ b nachholen
Kinderlähmung (Poliomyelitis) nachholen nachholen (auffrischen) (auffrischen)
Hepatitis B nachholen nachholen nachholen
Meningokokken C nachholen nachholen nachholen nachholen
Masern nachholen nachholen nachholen nachholen
Mumps, Röteln nachholen nachholen nachholen nachholen
Windpocken (Varizellen) nachholen nachholen nachholen nachholen
Humanes Papillomvirus Mädchen/Frauen
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2013, 26. August 2013. (x): Impfung im dritten Monat nur bei bestimmten Impfstoffen. Nachholimpfung: Grundimmunisierung aller noch nicht Geimpften bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie. (Auffrischen): nur einmal in zwei Altersspannen notwendig.

dba/dpa

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insgesamt 87 Beiträge
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1. Jetzt fordern Experten
fragel 29.08.2012
Schon diese drei Worte reichen bei mir, umd zu wissen Vorsicht, hier wollen wieder welche abkassieren. Bisher war es fast immer so, das Spon irgend welche Experten Genannt haben , nur nicht beim Namen, es aber immer auf eines hinaus lief , die Experten sollen für geld sorgen. Diese Impfung ist in verruf und damit es weiter in den Kassen klingelt , sollen nun auch noch Jungen dran glauben. Impfungen sind fragwürdig und diese ganz besonders.
2. Die einzige Chance...
Bowie 29.08.2012
...auf wirkliche Elimination der nachgewiesenen Risiken für HPV-induzierte Tumore des Gebärmutterhalses (betrifft Frauen) und bestimmter Tumore im HNO-Bereich (betrifft Männer und Frauen) besteht darin, die Impfung möglichst großflächig einzusetzen. Dies umso mehr, als dass es sich eindeutig um eine sexuell übertragbare Erkrankung handelt. So ist es genauso schlüssig, hier beide Geschlechter zu impfen, wie man das beispielsweise auch mit einem potentiellen Impfstoff gegen Aids tun würde...
3. Ganz sicher
aretana 29.08.2012
sind es die Experten der Pharmaindustrie.
4. ...........
Sasapi 29.08.2012
Zitat von fragelSchon diese drei Worte reichen bei mir, umd zu wissen Vorsicht, hier wollen wieder welche abkassieren. Bisher war es fast immer so, das Spon irgend welche Experten Genannt haben , nur nicht beim Namen, es aber immer auf eines hinaus lief , die Experten sollen für geld sorgen. Diese Impfung ist in verruf und damit es weiter in den Kassen klingelt , sollen nun auch noch Jungen dran glauben. Impfungen sind fragwürdig und diese ganz besonders.
Ach, es gibt fast keine Impfung, die nicht irgendwie "in Verrruf" ist. Da gibt es die wildesten Spekulationen, gerade im Netz. Wir haben es bisher so gehalten: Tochter Nr. 1 war 16 bei Einführung der Impfung, informierte sich einigermaßen gründlich, und lehnte sie für sich ab. Tochter Nr. 2 besprach mit nicht ganz 14 bei der J1 die Impfung mit dem Kinderarzt und sagte dann- ich will die Impfung ( eine Nachbarin von uns war zu dem Zeitpunkt gerade an Gebärmutterhalskrebs erkrankt. Sie führte das als Begründung an). Und Tochter Nr. 3 hat noch ein Jahr zum Überlegen. Tochter Nr. 2 hat die drei Impfungen übrigens gut und ohne jegliche Nebenwirkungen überstanden. Und die Bemerkung - durch die Impfung würde die jungen Frauen evtl. die Vorsorgeuntersuchungen nicht regelmäßig wahrnehmen ist etwas ....naja. Ebenso könnte man erklären- die (von den Kassen bezahlte ) Versiegelung einiger Backenzähne bei Kindern ist eher ungünstig, weil sie sich durch die Versiegelung in falscher Sicherheit wiegen und schlampiger putzen.
5. optional
ichtester 29.08.2012
"Impfungen sind fragwürdig": Was für ein wahnwitzig uninformierter Schwachsinn. Impfungen sind lebensrettend für Millionen Menschen. Esoterische anderslautende Behauptungen sind einfach nur dumm. Der Urheber dieser deutschen Impf-Panik wurde als Hochstapler übrigens verurteilt, er hat auch zugegeben, diese Erfindungen, dass Impfungen generell schädlich seien, frei erfunden zu haben.
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IMPFEN: DIE EMPFEHLUNGEN IM ÜBERBLICK
Impfen
Die Grundimmunisierung gegen Infektionskrankheiten beginnt bei Säuglingen bereits im zweiten Lebensmonat. Lebenslang sollten Eltern und Kinderarzt, später dann Patient und Hausarzt, darauf achten, dass der Impfschutz ausreicht. Impfungen schützen vor allem die Menschen, deren Immunsystem am wenigsten mit Infektionskrankheiten umgehen kann: Kleinkinder, Immungeschwächte und alte Menschen.
Mumps
Wer in Gesundheitsberufen, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene arbeitet, nach 1970 geboren ist und nicht weiß, ob er gegen Mumps geimpft wurde oder nur einmal in der Kindheit geimpft worden ist, der sollte noch einmal geimpft werden. Außerdem jeder, der mit einem Mumpskranken Kontakt hatte und nicht oder nur einmal in der Kindheit geimpft wurde. Dann sollte es schnell gehen: Drei Tage nach dem Kontakt wäre eine Impfung wünschenswert.
Hirnhautentzündung
Zum Schutz vor einer sogenannten Meningitis wird gegen Meningokokken C-Bakterien geimpft. Dafür gibt es im zweiten Lebensjahr einmal eine Impfdosis. Fehlt diese, sollte sie bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Stiko empfiehlt außerdem, einen sogenannten viervalenten Impfstoff gegen bestimmte Meningokokken-Stämme (Typen A, C, W-135 und Y) bei Risikopatienten und Reisenden in Länder mit besonders hohem Infektionsrisiko anzuwenden. Der Impfstoff wird jetzt auch für Kinder ab einem Jahr empfohlen.
Windpocken
Auslöser der Windpocken sind Varizellen. Gegen sie gibt es zwischen dem elften und 14. Lebensmonat eine Impfung, entweder gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder frühestens vier Wochen danach.

Die Stiko empfiehlt, die gleichzeitige Impfung gegen Varizellen und Masern, Mumps und Röteln mit zwei verschiedenen Impfstoffen an verschiedenen Körperteilen vorzunehmen. Verwendet man einen Impfstoff, der alle vier Komponenten auf einmal enthält, steigt nämlich das Risiko für Fieberkrämpfe fünf bis zwölf Tage nach der Gabe leicht an.

Die Vorsichtsmaßnahme gilt aber nur für die erste Impfung, bei der zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten kann der Vierfachwirkstoff verwendet werden.

Sind Kinder oder Jugendliche nur einmal geimpft worden, sollten sie noch einmal geimpft werden.
FSME
Für die Menschen, die wegen beruflicher Risiken gegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) geimpft werden sollten, ist 2012 ein neues Risikogebiet hinzugekommen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.
Nachholimpfungen
Erwachsene sollten nachgeimpft werden, wenn ihr Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung nicht ausreicht. Muss sowieso gegen Tetanus geimpft werden, etwa bei einer Verletzung, sollte gleich der Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verwendet werden.

Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft worden ist oder nicht mehr weiß, ob er geimpft wurde, der sollte noch einmal geimpft werden - am besten gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig.
Impfkalender
Den Stiko-Impfkalender gibt es jetzt in 15 Sprachen, die Dokumente sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und Ständige Impfkommission beim RKI, Stand: 30. Juli 2012.

GESUNDHEITSVORSORGE
DPA

Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse:

  • Untersuchung auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (halbjährlich)

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