Fernreisen: Hin mit Reise-, zurück mit Gelbfieber

Viele fiese Krankheiten lauern ausgerechnet an den Orten, die als Traumziele gelten. Wer sich davor schützen will, muss sich rechtzeitig vorbereiten. Christina Frank und Ole Wichmann vom Robert Koch-Institut (RKI) erklären, worauf man achten sollte.

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Kleiner Feind: Wo es warm ist, drohen Malaria, Dengue- und Gelbfieber

SPIEGEL ONLINE: Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er sich impfen lasen: Aber sind wir auch so vernünftig?

Wichmann: Es gibt eine etwas ältere Erhebung vom Tropeninstitut München. Die 2001 veröffentlichte Studie wurde unter 3776 Reisenden mit Reiseziel Subtropen und Tropen durchgeführt. Von diesen waren nur 59 Prozent gegen Hepatitis A und nur 42 Prozent gegen Tetanus, Diphtherie und Polio geimpft.

SPIEGEL ONLINE: Was für Risiken setzt man sich damit denn aus?

Frank: Häufig reiseassoziiert sind unter den in Deutschland diagnostizierten meldepflichtigen Infektionskrankheiten vor allem die Malaria, Denguefieber, Typhus und Paratyphus, Shigellose und die Hepatitis A. 2012 wurden dem Robert Koch-Institut knapp 550 Fälle von Malaria und über 600 Fälle von Dengue-Fieber in Deutschland übermittelt, wobei alle diese Infektionen auf Reisen erworben wurden. Unter den an Typhus und Paratyphus Erkrankten haben sich circa 90 Prozent im Ausland infiziert, bei den über 500 Fällen von Shigellose circa 60 Prozent und bei den über 800 Hepatitis-A-Erkrankungen um die 30 Prozent. Leichte Erkrankungsfälle durch diese Erreger werden darüber hinaus vielleicht gar nicht als solche diagnostiziert und somit auch nicht gemeldet.

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Fernreisen einmal anders: Die Gesundheitsrisiken unserer Traumziele
SPIEGEL ONLINE: Welchen Impfschutz sollte man als Reisender denn grundsätzlich haben?

Frank: Eine Impfung, die schon bei einigen Pauschalreisezielen rund ums Mittelmeer sinnvoll sein kann, ist die gegen Hepatitis A. Bei weiter entfernten Zielen ist möglicherweise auch ein Impfschutz gegen Typhus sinnvoll, und bei Reisen in Malaria-Endemieländer auf jeden Fall die geeignete Malaria-Prophylaxe.

Wichmann: Erwähnen sollte man auch die Gelbfieber-Impfung. Für einige Länder ist die sogar Pflicht, in vielen Ländern besteht aber ein Risiko ohne Impfpflicht. Das individuelle Risiko hängt hier von Art der Reise und der besuchten Region im Reiseland ab. Im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung sollte der Impfschutz geprüft werden, um auch mögliche Lücken bei Standardimpfungen schließen zu können, zum Beispiel gegen Masern, Diphtherie, Poliomyelitis oder Influenza. Für eine reisemedizinische Beratung stehen neben spezialisierten niedergelassenen Ärzten insbesondere Tropeninstitute und teilweise Gesundheitsämter zur Verfügung.

SPIEGEL ONLINE: Und welche Impfungen sollte man bei Reisen in sub- und tropische Länder auf jeden Fall vornehmen lassen?

Wichmann: Hierzu sind pauschale Aussagen schwierig. Das hängt vom jeweiligen Reiseland ab, der Saison und möglichen aktuellen Krankheitsausbrüchen im Reiseland, aber auch vom individuellen Reisestil, der Reisedauer, und Vorerkrankungen des Reisenden.

Frank: Vor Reisen ins außereuropäische Ausland, insbesondere in wärmere Klimazonen, wird eine reisemedizinische Beratung bei Ärzten oder den Tropeninstituten empfohlen - möglichst schon ein paar Wochen vor Abreise, denn einige möglicherweise sinnvolle Impfungen brauchen etwas Zeit, bis eine Immunität aufgebaut werden kann. Bei Reisen in Malaria-Endemieländer sollte unbedingt eine reisezielspezifische Beratung zur Malaria-Prophylaxe in Anspruch genommen werden.

Fernreise-Präventionsplan: Impfungen und Schutzmaßnahmen
Grundsätzliches zum Impf- und Zeitplan
Vor der Reise sollte die reisemedizinische Beratung stehen (Arzt, Tropeninstitute). Hier wird festgelegt, was nötig ist: Je nach Impfung muss das einige Wochen bis Monate vor Reiseantritt geschehen, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen. Die Impfungen sollten spätestens zwei Wochen vor Reiseantritt erledigt sein.
Standardimpfungen (Tetanus/Diphterie/Polio/Keuchhusten)
Erwachsene haben durch Vorimpfungen oft eine Grundimmunität: Hier ist sogar noch eine kurzfristige Booster-Impfung möglich. Die Impfungen aus Kindertagen wirken aber nicht ewig: Man sollte grundsätzlich auffrischen, denn die Krankheiten, die durch die Standardimpfungen verhütet werden, gibt es weltweit. Fragen Sie Ihren Arzt, was für Sie sinnvoll ist.
Hepatitis A/B
Typ A: Für den mehr als zehn Jahre wirkenden Impfschutz braucht mein zwei Injektionen in einem Abstand von mehreren Monaten (mindestens sechs Monate, Herstellerabhängig). Einen Grundschutz erreicht man aber circa zwei Wochen nach der ersten Dosis: Daraus ergibt sich der Vorlauf vor der Reise.

Typ B: Mindestens drei Injektionen: Zweite Impfung ein Monat, zweite sechs Monate nach Erstinjektion. Grundschutz wird circa zwei Wochen nach Erstinjektion erreicht - Impfung muss folglich mindestens sechs Wochen vor Reiseantritt erfolgen.

Typhus
Eine Impfung, die man in akuten Risikogebieten mit niedrigen Hygienestandards oder Krankheitswellen braucht: Sie wirkt nur ein bis drei Jahre. Schutz wird nach sieben bis zehn Tagen nach Impfung erreicht, Risiken sollten auch danach gemieden werden: eine völlige Immunisierung wird oft nicht erreicht.
Dengue
Klingt exotisch, ist es aber nicht - Dengue kommt inzwischen in den warmen Breiten aller Kontinente vor, mehr als 100 Länder sind betroffen. Es ist eine Boomkrankheit mit ständig steigenden Fallzahlen (mehr als 50 Millionen Kranke im Jahr). Einen Impfschutz gibt es nicht: Vor Dengue schützt nur eine anständige Mückenprophylaxe.
Malaria
Es gibt über 100 Millionen Kranke im Jahr, trotz zuletzt etwas sinkender Verbreitung. Die ist vor allem der zunehmenden Bekämpfung der krankheitsübertragenden Mücken geschuldet: Auch bei der Malaria ist Mückenprophylaxe absolute Pflicht. Eine Impfung gibt es noch nicht, der Ansteckung kann man aber mit Hilfe einer medikamentösen Prophylaxe (auch: Chemoprophylaxe) mit verschiedenen Mitteln entgegenwirken. Dabei werden im Prinzip die Medikamente, die man auch in der Therapie bei Erkrankung anwenden würde, vorab eingenommen. Bei kurzfristen Reisen und geringerem Risiko wird mitunter geraten, ein Malariamittel als Übergangs- und Soforthilfe mitzuführen. Was hier anzuraten ist (Nebenwirkungen!) ist abhängig von Reiseziel und Person: Geht eine Reise in ein akut malariagefährdetes Land, sollte man mit dem Arzt sprechen.
Gelbfieber
Gelbfieber ist vor allem in Afrika verbreitet, aber auch in Süd- und Mittelamerika. Die Virenerkrankung wird durch Mücken übertragen und führt im schlimmsten Fall zum Tod (ca. 15 Prozent aller Fälle). In zahlreichen sub- und tropischen Ländern ist die Impfung Pflicht, in vielen weiteren eine Bedingung für die Einreise, um die Einschleppung zu verhindern. Die Impfung muss mehr als zehn Tage vor Reiseantritt erfolgen und schützt dann für circa zehn Jahre. Vorgenommen werden darf sie allerdings nur von Tropenmedizinern und staatlich zugelassenen Impfstellen (relativ hohes Impfrisiko, deshalb Impfung nur im Pflicht- und akuten Gefährdungsfall): siehe www.frm-web.de
Cholera
Ist bei Reisen in Gebiete mit akuten Ausbrüchen empfehlenswert, wenn das Risiko einer Exposition absehbar ist - und darunter finden sich immer wieder einmal Traumziele (zurzeit zum Beispiel Haiti und die Dominikanische Republik). Schluckimpfung mit zwei Dosen im Abstand von einer bis sechs Wochen (Herstellerabhängig), Impfschutz ab circa sieben Tagen nach der zweiten Dosis. Vorlauf vor der Reise: zwei bis acht Wochen.
HIV/Aids
Stellt in vielen armen Weltgegenden, in denen HIV-Medikamente kaum verbreitet sind, ein erhebliches Risiko dar (vor allem Südostasien, Afrika). Die beste Prophylaxe ist Risikovermeidung: Verzicht auf Sex, vor allem mit Prostituierten (und wenn, dann nie ungeschützt!), auf Tätowierungen und Piercings, auf Drogenkonsum unter Nadeleinsatz. In schwachen Volkswirtschaften mit schlechter medizinischer Versorgung und unzureichenden Hygienestandards ist auch dies ein Krankheitsrisiko (Blutkonserven, Injektionsnadeln etc.). Einen Impfschutz gibt es nicht.
Tollwut
Ohne Behandlung ist Tollwut absolut tödlich. Übertragen wird sie durch Bisse oder Speichel infizierter Wirtstiere, denkbar ist da vom Eichhörnchen bis zum Tiger alles. Eine Impfung kann auch noch nach einem Biss erfolgen, bei Reisen in akute Risikogebiete mit schlechter medizinischer Versorgung ist sie vorab anzuraten: Nötig sind drei Einzelimpfungen in einem Zeitfenster von circa drei bis vier Wochen.
Mückenprophylaxe
Mücken gehören zu den häufigsten Überträgern ernsthafter Krankheiten in warmen Weltgegenden. Alle Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, den Kontakt mit ihnen zu vermeiden:

  • Lange Hosen, lange Ärmel: Im Urlaub nicht das, was man sich wünscht, aber wirksam. Auch Knöchel schützen! In Gegenden mit hoher Krankheitsgefahr durch Mückenübetragung helle Kleidung tragen (bessere Erkennung), Stoff mit speziellem Insektizid imprägnieren.
  • Mückenabweisende Mittel (Repellentien) auf alle unbedeckten Stellen der Haut auftragen. Wichtig: Es gibt viele auch tagaktive Mückenarten, Repellentien sind in manchen Regionen auch am Strand angeraten.
  • Imprägnierte Moskitonetze über dem Bett nicht vergessen! Wer nicht weiß, ob das Hotel eines bereithält, nimmt sich eines mit.
  • Schlafräume mückenfrei machen. Nach Möglichkeit Fenster geschlossen halten, Klimaanlage nutzen. Im Extremfall (oder für "Grundreinigung") Insektizid einsetzen. Verstecke nicht vergessen: gezielt unter und hinter Möbel sprühen, versteckte Ecken nicht aussparen.
  • SPIEGEL ONLINE: Wie wirksam sind Last-Minute-Impfungen, bringen sie überhaupt etwas?

    Frank: Nach manchen Impfungen baut der Körper schneller einen Impfschutz auf als bei anderen. Hierzu sind pauschale Aussagen schwierig. Wenn man sich circa einen Monat vor Reiseantritt über nötige Impfungen informiert, sollten die meisten Impfungen noch Zeit zum Wirken haben. Bei längeren Reisen ist zu spätes Impfen häufig immer noch besser als gar nicht geimpft zu sein, weil der Impfschutz sich dann wenigstens im Laufe der Reise aufbaut.

    Wichmann: Manche Impfungen wie beispielsweise gegen Tollwut, Hepatitis B oder Japanische Encephalitis bedürfen mehrerer Impfdosen in einem gewissen Mindestabstand, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen. Hier ist es bei einer Vorstellung beim Arzt wenige Tage vor Abreise zu spät.

    SPIEGEL ONLINE: Was sind die größten Fehler, die man als Fernreisender in sub- oder tropischen Ländern vermeiden sollte?

    Frank: In Malaria-Endemiegebieten sollte man unbedingt eine geeignete Malaria-Prophylaxe betreiben, sowie Mückenschutz, der auch gegen viele andere Infektionen, wie beispielsweise das Denguefieber helfen kann. Lebensmittelübertragene Infektionen meidet man am ehesten, indem man die alte Regel "koch es, schäle es oder verzichte darauf" befolgt. Denn viele Erreger werden durch Erhitzen abgetötet, und zubereitetes Obst und Salat können durch die Hände des Küchenpersonals oder unreines Waschwasser kontaminiert sein.

    Fernreise-Impfungen und Schutzmassnahmen
    Lesen Sie hier, wie Sie sich bei Fernreisen durch rechtzeitige Impfungen und Schutzmaßnahmen vor den häufigsten Infektionskrankheiten schützen können.

    Das Interview führte Frank Patalong

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    1. Einfach ignorieren...
    Bowie 11.03.2013
    ...denn wie man ja weiß, sind Impfungen und Prophylaxemaßnahmen komplett unnötig und werden nur durch die Pharmaindustrie verantwortungslos aufgebauscht. Auch hier reicht, wie von den Impfskeptikern so oft empfohlen, eine gute Ernährung und Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems aus. (Ironie aus) Gute Reise!
    2. Nur rücksichtslose...
    susuki 11.03.2013
    ... gehen ohne Impfung auf Reisen. Was bei uns eine harmlose, behandelbare Masern-Erkrankung ist kann in einigen Ländern Tote verursachen. Impfung schützt Leben!
    3.
    nageva 11.03.2013
    Ich habe mich vor meiner Rucksackweltreise gegen absolut alle potentiellen Gefahren impfen lassen (vorher habe ich gar keine Impfungen gehabt, aber bei diversen Hochrisikogebieten war ich dann doch motiviert). Malarone gegen Malaria im Gepäck, perfekt präpariert gegen alles und jedes... ....und womit ende ich dann im 3. Welt-Dorf-Krankenhaus?? DENGUE-Fieber (dagegen gibt es noch keine Impfung). DANKE, liebes Schicksal! Es war leider einer der fieseren Virentypen.
    4. Dengue @Nageva
    lafrench 11.03.2013
    Dann geht es Ihnen heute aber gut, wenn Sie hier schreiben können .) Eine Bekannte von mir ist mit Dengue nun ein Pflegefall. Manche Stunden am Tag ist sie klar im Kopf, dann tickt sie wieder aus. Laufen kann sie schon lange nicht mehr. Sie haben also wirklich Glück gehabt :D Reisen ist also immer auch ein Risiko. Nur das erzählt einem das Reisebüro nicht so gern :)
    5. Christina Frank erwähnt redundant...
    michaelkaloff 11.03.2013
    ...die Malaria-Prophylaxe. Tatsache ist, dass diese Strategie in der Vergangenheit durch Resistenzbildung schon Wirkstoffe wie Resochin und Paludrin unwirksam gemacht hat. Präparate wie Lariam/Mefloquin haben darüber hinaus ernsthafte psychische Nebenwirkungen (die physischen sind in der Erforschung). Bis dahin würde ich mit dem Thema Autifahren und Maschinenbedienung höchst vorsichtig sein- ich spreche aus Erfahrung. Bei Malarone ist es nicht ganz so schlimm, aber da gilt immer noch das Problem der Resistenzbildung. Schade, dass Mediziner offensichtlich immer noch nach dem Sankt-Florians-Prinzip ausgebildet werden. Die Möglichkeit, o.g. Medikamente als Notfallmedikamente einzusetzen, wurde leider nicht erwähnt. Das Wichtigste zum Schluss: Lebensmittel und Wasserhygiene (koch es, schäl es, oder vergiss es- durch Ruhramöben und andere Erreger ergeben sich oft lebenslange Dauerschäden) und ein wirksamer chemischer und mechanischer Mückenschutz sind absolut unabdingbar. Gegen Dengue und viele andere Krankheiten gibt es weder Prophylaxe noch Impfung....
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    • Montag, 11.03.2013 – 16:41 Uhr
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    Dr. Christina Frank und Dr. Ole Wichmann
    Christina Frank ist stellvertretende Leiterin des Fachgebiets Gastrointestinale Infektionen, Zoonosen und tropische Infektionen am Robert Koch-Institut (RKI). Ole Wichmann leitet dort das Fachgebiet Impfprävention.

    Das RKI, ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Gesundheitsministeriums, ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention.

    Denguefieber
    Die Krankheit
    Denguefieber ist eine Vireninfektion, die von Mücken auf den Menschen übertragen wird. Die Krankheit wird auch als Knochenbrecherfieber bezeichnet und kann bis zu zehn Tage nach dem Mückenstich auftreten. In schweren Fällen kann die Vireninfektion zum Tod führen. Jährlich erkranken weltweit bis zu hundert Millionen Menschen. Die Zahl der Todesfälle ist dank Früherkennung und medizinischer Versorgung relativ gering. Etwa 2,5 Prozent der schweren Fälle (etwa 500.000 im Jahr) enden tödlich.
    Symptome
    Die Erkrankung beginnt wie eine Grippe mit hohem Fieber. Dazu kommen mindestens zwei dieser Symptome: Starke Schmerzen im Kopf, hinter den Augen, in den Muskeln oder in den Gelenken. Betroffene klagen häufig auch über Übelkeit, Erbrechen, geschwollene Lymphknoten und Ausschlag. Die Symptome dauern meist zwei bis sieben Tage lang an. In schweren Fällen ist der Krankheitsverlauf anders. Hier geht das Fieber zwar nach drei bis sieben Tagen etwas zurück. Dafür kommen aber Symptome wie starke Bauchschmerzen, andauerndes Erbrechen, Kurzatmigkeit, Zahnfleischbluten sowie Blut im Erbrochenen, Erschöpfung und Ruhelosigkeit dazu. Betroffene müssen in diesen Fällen unbedingt im Krankenhaus behandelt werden.
    Übertragung
    Denguefieber wird nur von den Weibchen der beiden Mückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus auf den Menschen übertragen. Nicht alle Weibchen tragen das Virus in sich, sie müssen sich erst selbst anstecken. Das geschieht, wenn sie einen Menschen stechen, der Denguefieber hat. Nach einer Inkubationszeit von vier bis zehn Tagen kann eine Mücke das Denguevirus für den Rest ihres Lebens auf Menschen übertragen. Für die Infektionen im Mittelmeerraum ist Aedes alboptictus verantwortlich. Diese Mückenart stammt ursprünglich aus Asien, ist aber sehr anpassungsfähig. Deshalb kann sie auch kälteren Temperaturen trotzen. Von Mensch zu Mensch kann die Krankheit nicht übertragen werden.
    Verbreitungsgebiet
    Mehr als 2,5 Milliarden Menschen - über 40 Prozent der Weltbevölkerung - leben in Risikogebieten. Denguefieber ist besonders im westlichen Pazifik, in Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika verbreitet. Im Jahr 2010 sind aber auch Menschen in Frankreich und Kroatien am Knochenbrecherfieber erkrankt. Der Mittelmeerraum gehört also inzwischen auch zu den Risikogebieten.
    Virus
    Denguefieber wird durch Arboviren ausgelöst. Es gibt vier Untergattungen des Virus (DEN-1 bis DEN-4), die eng miteinander verwandt sind. Die gute Nachricht: Wer einmal Denguefieber hatte, ist für den Rest seines Lebens gegen das Virus immun. Die schlechte Nachricht: Betroffene sind nur gegen die entsprechende Untergattung, also DEN-1 oder DEN-3 dauerhaft gewappnet. Bei den anderen drei Virustypen währt die Immunität nicht lange. Hinzu kommt: Menschen, die mehrmals an Denguefieber erkranken, sind anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf.
    Behandlung
    Eine Impfung oder eine spezialisierte Behandlung gibt es nicht. Ärzte können nur die Symptome der Erkrankung behandeln, also zum Beispiel das Fieber senken und die Schmerzen lindern. Wichtig ist auch, den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. In schweren Fällen haben viele Betroffene nämlich mehr als 20 Prozent weniger Blutplasma im Körper als gesunde Menschen.
    Epidemien
    Denguefieber kann immer und überall dann zur Epidemie werden, wenn infizierte Menschen immer wieder von Mücken gestochen werden. Die Insekten verbreiten die Krankheit dann in der umliegenden Bevölkerung. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Epidemien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge rasant zugenommen. In Asien und Südamerika ist Denguefieber die Hauptursache für Krankenhausaufenthalte und den Tod von Kindern. 2010 kam es zum Beispiel auf den französischen Karibikinseln Guadeloupe und Martinique zur Epidemie. In sechs Monaten gab es 60.000 Infektionen und 17 Todesfälle. In Argentinien meldeten die Gesundheitsbehörden im April 2009 7700 Fälle der Erkrankung. Die Dunkelziffer wurde auf bis zu 14.000 geschätzt. Erst kürzlich hat das Knochenbrecherfieber die brasilianische Stadt Rio de Janeiro erfasst. Im Januar und Februar 2012, also kurz vor dem Karneval, wurden 3500 Denguefälle gemeldet, gestorben ist aber keiner. Der berühmte Karneval fand trotzdem statt.
    Prävention
    Aktuell ist Prävention das beste Mittel gegen Denguefieber. In Singapur und Malaysia ist es verboten, Wasser in offenen Gefäßen zu lagern. Der Grund ist, dass Mücken in solchen Behältern brüten. Wichtig ist auch, Müll so zu entsorgen, so dass dort keine Wasserpfützen entstehen. Autoreifen sind bei den Mücken zum Beispiel besonders beliebt. Die Behörden besprühen sie deshalb oft mit Insektengift. Wenn Denguefieber bereits ausgebrochen ist, werden ganze Wohnviertel mit Insektiziden besprüht. Nur so können die infizierten Mücken getötet werden. Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)

    Fotostrecke
    Dengue-Fieber: Die geflügelte Epidemie
    Malaria
    Die Krankheit
    AP
    Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
    Schutzmaßnahmen
    Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
    Chemische Vorbeugung
    Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").