Mangeldurchblutung: Implantat warnt vor drohendem Herzinfarkt

In die Brust eingesetzt: Implantat schlägt visuell und akustisch bei einer schlechten Durchblutung des Herzen Alarm Zur Großansicht
Universitätsklinikum Freiburg

In die Brust eingesetzt: Implantat schlägt visuell und akustisch bei einer schlechten Durchblutung des Herzen Alarm

Rund 95 Prozent der Herzinfarktpatienten könnten gerettet werden - wenn sie rechtzeitig ins Krankenhaus kämen. Viele ignorieren jedoch die Symptome. Ein kleines Gerät könnte helfen: In die Brust eingesetzt warnt es bei den ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt.

Jeden Tag sterben sterben in Deutschland etwa 160 Menschen an einem Herzinfarkt. Das sind zwar rund die Hälfte weniger als noch vor 30 Jahren. Dennoch müsste jeder Fünfte, der eine tödliche Verengung der Herzkranzgefäße erleidet, auch heute nicht sterben - wenn er rechtzeitig den Notarzt rufen würde. Doch viele Menschen zögern, oft, weil sie die Symptome entweder ignoriereren oder nicht richtig spüren. Dabei können heutzutage rund 95 Prozent aller Betroffenen, die es rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen, gerettet werden.

Ärzte vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen haben jetzt erstmals in Europa ein Gerät implantiert, das bei der Früherkennung von Herzinfarkten helfen soll. Die Technologie mit dem Namen "Guardian" sei in der Lage, einen Herzinfarkt noch vor den ersten Symptomen zu erkennen, heißt es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums.

Das Implantat werde wie ein Herzschrittmacher in den Brustraum eingesetzt, sei über einen dünnen Draht mit dem Herzen verbunden und warne die Patienten visuell und akustisch vor der drohenden Gefahr. In einem Herzkatheterlabor könnten die verschlossenen Herzkranzgefäße dann rechtzeitig wieder geöffnet werden, so dass es gar nicht erst zu einem Herzinfarkt komme.

"Unser Ziel ist es, die Zeit vom ersten Auftreten von Symptomen bis zum Beginn der medizinischen Betreuung zu verkürzen, um noch rechtzeitig eingreifen zu können", sagt Manfred Zehnder, Professor am Herzzentrum. "Guardian" soll vor allem bei Menschen mit besonders hohem Risiko für einen Gefäßverschluss zum Einsatz kommen. Patienten, die bereits einen Infarkt hatten und einen weiteren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben würden, gehören zur Zielgruppe.

Bisher war das Behandlungsverfahren nur unter streng kontrollierten Bedingungen in den USA möglich. Das Gerät kann daher in Deutschland vorerst nur bei ausgewählten Patienten im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie angewendet werden und muss seine Wirkung noch beweisen. In den USA wurde "Guardian" bisher bei knapp 500 Patienten eingepflanzt. In mehr als 20 Fällen habe ein Infarkt durch eine entsprechend frühzeitige Intervention rückgängig gemacht oder verhindert werden können, heißt es.

cib/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. schon seit Jahrzehnten...
Emil Peisker 02.11.2012
Zitat von sysopRund 95 Prozent der Herzinfarkt-Patienten könnten gerettet werden - wenn sie rechtzeitig ins Krankenhaus kämen. Viele ignorieren jedoch die Symptome. Ein kleines Gerät könnte helfen: In die Brust eingesetzt warnt es bei den ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt. Implantat erkennt Herzinfarkt vor den ersten Symptomen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/implantat-erkennt-herzinfarkt-vor-den-ersten-symptomen-a-864886.html)
So ein Teil habe ich schon seit Jahrzehnten. Meine Frau.
2. Und
großvisionaer 02.11.2012
die Daten gehen auch direkt an die Krankasse, die dann automatisch den Beitrag erhöht. Wenn man Raucht oder Glas Wein trinkt, gibt es eine Warn SMS: "...Achtung Risikoaufschlag von 15 % droht..."
3. Als ob...
A.Lias 02.11.2012
... so eine OP ohne Risiko für die Risiko-Patienten wäre. Was soll das? Voll-Kasko ohne Selbstbeteiligung? Also - weitermachen wie bisher, das Gerät warnt dann ja schon? Und was ist mit Fehlalarmen, z.B. durch Herzrhythmusstörungen? Was passiert bei Angina Pectoris-Anfällen oder stummen Infarkten? Nee, danke.
4.
hollens 02.11.2012
Kann mir schon gut die Schlangen vor den internistischen Notaufnahmen vorstellen, wenn das flächendeckende Verwendung findet. Weiß eigentlich jemand, wie viele falsch-positive Befunde die Dinger produzieren? Das ist das alte Problem: bloß nichts an den schlechten Gewohnheiten ändern, man braucht nur früh genug merken, daß es krank macht, damit man es wieder "reparieren" kann. Um dann mit dem schlechten Verhalten weiter zu machen. Unser Gesundheitssystem setzt hier die völlig falschen Anreize.
5. Klein
inhabitant001 02.11.2012
Klein? Das ist wohl relativ! Ich hoffe mal das die Miniaturisierung noch Fortschritte macht bis es für mich ein Thema wird... ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Herzinfarkt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: