Masernausbruch Italien beschließt Impfpflicht gegen zehn Krankheiten

Masern, Mumps, Polio, Keuchhusten: In Italien werden insgesamt zehn Impfungen für Kinder verpflichtend. Weigern sich Eltern, dürfen die Kleinen nicht in den Kindergarten und es drohen Geldbußen.

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Italien hat nach einem Masernausbruch Pflichtimpfungen für alle Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren beschlossen. Das Parlament in Rom stimmte am Freitag mit 296 zu 92 Stimmen dafür. Impfgegner hatten vor dem Beschluss in ganz Italien zu Tausenden gegen das Gesetz demonstriert.

Bereits im Mai hatte die Regierung das Gesetz erlassen, nun folgte die nötige Abstimmung im Parlament.

Eltern müssen ihre Kinder nun gegen zehn Krankheiten impfen lassen. Laut einem Bericht von "Il Post" gilt dies für sechs Impfungen unbegrenzt: Diphterie, Hepatitis B, Haemophilus influenzae b (Hib), Keuchhusten, Polio und Tetanus. Weitere vier Impfungen sind bis zu einer Überprüfung in drei Jahren Pflicht - und zwar jene gegen Masern, Mumps, Röteln sowie Windpocken. Zwei weitere - gegen Meningokokken B und C - sind nun doch nicht wie zunächst geplant verpflichtend.

Weigern sich Eltern, dürfen sie ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten bringen und können mit einem Bußgeld von 500 bis 1000 Euro belegt werden. Die Impfungen dürfen nur verschoben oder ausgelassen werden, wenn medizinische Gründe vorliegen, die ein Arzt attestiert.

Die Masern-Epidemie hat seit Jahresbeginn in Italien bereits zu drei Toten geführt. 3672 Menschen steckten sich offiziellen Daten zufolge bis Mitte Juli an. Lediglich 87 Prozent der Italiener sind gegen Masern geimpft. Um eine Ausbreitung der hochansteckenden Erreger effektiv zu unterbinden, ist eine Impfquote von 95 Prozent nötig.

Kritiker befürchten Nebenwirkungen von Impfungen, die zu einem großen Teil nicht belegt sind. Italiens mittlerweile größte Oppositionspartei, die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, machte sich die Kritik teilweise zu eigen.

wbr/dpa

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insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
DieHappy 28.07.2017
1.
Und wie recht die italienische Politik mit so einem Schritt hat, zeigt jaa gerade Rumänien, wo schon 32 Menschen dran gestorben und 8200 erkrankt sind. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/rumaenien-kaempft-gegen-masern-ausbruch-a-1159925.html Und wenn die Eltern eben zu den vernagelten Impfgegnern gehören, ist halt Essig mit einem Kindergartenplatz.
Schlüsselerlebnis 28.07.2017
2. Heureka
So geht das, Herr Gröhe. Bitte Nachmachen!
IvicaMarkovic 28.07.2017
3.
Wenn die Menschen keine Vernunft mehr haben, muss man sie eben dazu verpflichten. Traurig, aber notwendig.
kunibertus 28.07.2017
4. Diejenigen, die hier so
vehement gegen eine Impfpflicht votieren, sollten sich einmal überlegen ob sie überhaupt auf der Welt wären, wenn ihre Eltern und Großeltern nicht zwangsweise gegen Pocken geimpft worden wären.
wk1603 28.07.2017
5. wieder ein Sieg der Pharmaindustrie
Ja, man sollte seine Kinder impfen lassen, speziell wenn die Schwere der Krankheit gegenüber der Wahrscheinlichkeit eines Impfschadens gering ist. Aber dies geht nur, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und (mögliche) Impfschäden nicht perse ignoriert würden. In Frankreich wurde (ob der Nebenwirkungen) nach vielen Jahren die Impfpflicht für Hepatitis B nach jahrelanger Diskussion aufgehoben (aber sie bleibt trotzdem empfohlen !).
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