Cholera-Epidemie im Jemen Mehr als 300.000 Verdachtsfälle - 1700 Tote

Die Cholera breitet sich im Jemen unkontrolliert aus: Hunderttausende sind laut Rotem Kreuz bereits erkrankt. Dabei lässt sich die Krankheit eigentlich leicht behandeln.

Jemenitische Frauen mit Verdacht auf Cholera
DPA

Jemenitische Frauen mit Verdacht auf Cholera


Die Zahl der Cholera-Verdachtsfälle im Jemen ist auf mehr als 300.000 gestiegen. Das teilte das Rote Kreuz mit und warnte davor, dass die Epidemie "außer Kontrolle" gerate. Mehr als 1700 Menschen seien bereits an der Krankheit gestorben.

Cholera ist eine hochansteckende, durch Bakterien übertragene Krankheit. Sie wird durch verschmutztes Wasser oder Nahrungsmittel übertragen. Die Erkrankten leiden unter starkem Brechdurchfall, der zum Tod führen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im Oktober 2016 von den ersten Cholera-Fällen im Jemen berichtet. Im Mai wurde in der Hauptstadt Sanaa der Notstand ausgerufen.

"Die Choleraepidemie breitet sich weiter auf unkontrollierte Weise aus", erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Es gebe bereits mehr als 1700 Tote. Zunächst hatte die Hilfsorganisation am Montag von 1600 Todesopfern gesprochen.

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen rief zu mehr internationaler Hilfe im Kampf gegen die leicht übertragbare Krankheit auf. Die Region Abs im Nordwesten des Jemen sei am stärksten betroffen. Die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen sei extrem schlecht, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Schon vor dem aktuellen Cholera-Ausbruch sei das ein großes Problem gewesen - nun sei es die Hauptursache für die Ausbreitung der Krankheit.

"Entweder es passiert jetzt etwas, oder in den nächsten Wochen und Monaten werden noch mehr Menschen erkranken", mahnte der zuständige Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen, Gabriel Sánchez. Die Logistik-Koordinatorin der Organisation, Christina Imaz, erläuterte, es müssten nicht nur Patienten behandelt, sondern auch Häuser desinfiziert und Wasserquellen mit Chlor behandelt werden.

Im Jemen kämpfen schiitische Huthi-Rebellen seit Anfang 2015 gegen Truppen des Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Rebellen. Durch den Konflikt gab es rund 8000 Tote und 45.000 Verletzte.

Wegen der Kämpfe ist das Gesundheitssystem im Jemen teilweise zusammengebrochen. Mehr als die Hälfte der medizinischen Einrichtungen ist geschlossen. So kann sich die eigentlich leicht zu behandelnde Cholera rasch ausbreiten.

kry/AFP

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