Epidemie Jemen droht weltweit schlimmster Cholera-Ausbruch

Die Cholera-Epidemie breitet sich im Jemen immer weiter aus. Die Uno rechnet bis Ende August mit bis zu 300.000 Fällen - viele Menschen im Bürgerkriegsland sind bereits gestorben.

Mutter mit ihrem kranken Kind
AFP

Mutter mit ihrem kranken Kind


Im Jemen erkranken immer mehr Menschen an Cholera. In den vergangenen Wochen sind nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef und der Weltgesundheitsorganisation WHO jeden Tag 5000 neue Fälle registriert worden.

Die Hilfsorganisationen schlagen deshalb Alarm: Wenn sich nichts ändere, drohe die Zahl der Infizierten bis Ende August auf 300.000 zu steigen. "Wir stehen vor dem weltweit schlimmsten Cholera-Ausbruch", teilten Unicef-Direktor Anthony Lake und WHO-Chefin Margaret Chan mit.

Cholera verursacht starken Durchfall und Erbrechen und ist besonders für Kinder, Alte und Kranke lebensbedrohlich. Schon jetzt sind laut Kinderhilfswerk Unicef insgesamt mehr als 193.000 Menschen erkrankt. Bislang seien knapp 1300 Menschen an der Epidemie gestorben, darunter etwa 320 Kinder.

Dabei lässt sich Krankheit eigentlich gut behandeln. Doch nach drei Jahren Bürgerkrieg ist das Gesundheitssystem im Jemen in einem katastrophalen Zustand. Mehr als die Hälfte der medizinischen Einrichtungen ist geschlossen. Die verbliebenen haben laut UNHCR Probleme, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. "Die Bedingungen verschlechtern sich", sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks.

Hinzu kommen die schlechten hygienischen Zustände: 14,5 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Das begünstigt den Ausbruch von Cholera weiter. Die WHO hatte im Oktober 2016 von den ersten Cholera-Fällen im Jemen berichtet. Im Mai wurde in der Hauptstadt Sanaa der Notstand ausgerufen.

Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe

Eine anhaltende Dürre verschärft die Situation zusätzlich: "Millionen Menschen im ganzen Land leiden unter Nahrungsmittelunsicherheit und stehen vor einer Vertreibung", sagte die UNHCR-Sprecherin. (Lesen Sie hier mehr zur Hungerkatastrophe). Insgesamt sind im Jemen nach Uno-Angaben 19 Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen - 10,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder brauchen schnelle, lebensrettende Hilfe.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, hatte die internationale Staatengemeinschaft dringend zu mehr Hilfe für die notleidende Bevölkerung im Jemen und am Horn von Afrika aufgerufen. Die Helfer von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond seien bereits rund um die Uhr im Einsatz. "Doch das reicht bei weitem nicht aus", warnte Seiters.

Im Jemen kämpfen seit 2015 die schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi. Sanaa wird von den Rebellen kontrolliert. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabienangeführte Militärkoalition Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Rebellen. Durch den Konflikt gab es rund 8000 Tote und 45.000 Verletzte.Terrorgruppen wie al-Qaida und der "Islamische Staat" machen sich den Konflikt zunutze, um ihre Macht in dem Land auszuweiten. Die WHO spricht mit Blick auf den Jemen von einer der schwersten humanitären Krisen weltweit.

brk/dpa/AFP



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