Johanniskraut-Präparate Wildwuchs im Kräutergarten

Von

dapd

2. Teil: Sind Supermarkt-Johanniskrautpillen so gut wie Apotheken-Präparate?


Was aber ist mit den Johanniskraut-Präparaten, die man in Drogerien und Supermärkten kaufen kann? Zunächst einmal: "Diese sind viel weniger konzentriert, dementsprechend geringer ist ihre Wirkung", sagt Klaus Linde. Die Wirkstoffmengen für die nicht apothekenpflichtigen Kapseln sind gesetzlich begrenzt auf ein Viertel der wissenschaftlich belegten wirksamen Dosis.

Sind die Supermarkt-Johanniskrautpillen auch genauso gut wie die Apotheken-Präparate? 2011 untersuchte das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker elf frei verkäufliche Johanniskraut-Präparate und vier apothekenpflichtige. Das Ergebnis: Die apothekenpflichtigen Johanniskrautpillen entsprachen den Vorgaben, ebenso einige der frei verkäuflichen Präparate. Das Inhaltsstoffspektrum einiger anderer Supermarktpräparate mit chinesischem Johanniskrautextrakt aber unterschied sich von den Arzneibuchvorgaben (siehe Tabelle) und enthielt nicht näher identifizierte Inhaltsstoffe. Von diesen Präparaten, so die Forscher, gehe daher ein nicht kalkulierbares Risiko aus.

Produkte mit Ramschextrakten aus China

"Die vielen Johanniskrautpräparate, die als traditionelle pflanzliche Arzneimittel außerhalb der Apotheke in Drogerien und Supermärkten vertrieben werden, müssen als überflüssig und schädlich für hilfesuchende Menschen angesehen werden", kritisieren die Forscher. "Sie unterscheiden sich von den klinisch geprüften und apothekenpflichtigen Johanniskrautpräparaten nicht nur durch das Fehlen von belastbaren Studiendaten und eine wesentlich niedrigere Dosierung, sondern im Einzelfall - wie es die aktuelle ZL-Studie zeigt - auch in der pharmazeutischen Qualität der eingesetzten Extrakte." Daher sei es "inakzeptabel" und "skandalös", dass es in Deutschland Produkte mit Ramschextrakten aus China gebe.

Doch wie valide ist diese Untersuchung, wenn doch zum einen die wirksamen Stoffe des Johanniskrauts noch gar nicht vollends identifiziert sind und zum anderen Apotheker naturgemäß ein Interesse daran haben dürften, apothekenpflichtige Mittel frei verkäuflichen zu bevorzugen?

"Ich halte die Apotheker-Studie für bedeutsam und die Ergebnisse für valide", sagt Edzard Ernst. "Am besten wäre es wohl, diejenigen Präparate zu kaufen, die in klinischen Studien geprüft wurden", empfiehlt Edzard Ernst. "Und als Faustregel gilt sicher, dass der Preis mit der Qualität korreliert."

Produktvergleich von Johanniskraut-Präparaten

Produkt Hersteller apotheken-
pflichtig
Preis (Stückzahl) Studienlage Inhaltsstoffe
Neuroplant aktiv Schwabe X 52 Euro (100 Stück) ++ ++
Neuroplant 1x1 Schwabe X k.A. ++
Neuroplant 300 Schwabe X 32 Euro (100) k.A. ++
Laif 600 Steigerwald X 52 Euro (100) +/- ++
Laif 900 Steigerwald X 58 Euro (100) ++ ++
Felis (425) Hexal X 24 Euro (100) k.A. +
Jarsin 300 Lichtwer X 28 Euro (100) ++++ ++
Esbericum forte Schaper X 30 Euro (100) + k.A.
Aristo Steiner X + k.A.
Dysto-lux Loges X 27 Euro (200)
Remotiv Madaus + -
Tetesept Johanniskraut Merz Consumer Care 6 Euro (100) k.A. +
Zirkulin Johanniskraut Dragees H Zirkulin Naturheilmittel GmbH 7 Euro (120) k.A. +
Altapharma Johanniskraut Dragees SN Rossmann 4 Euro (120) k.A. +
Kneipp Johanniskraut Dragees SN Kneipp 4 Euro (30) k.A. -/+
St. Benedikt Johanniskraut Dragees SN Pharma Aldenhoven (Aldi Süd) 4 Euro (120) k.A. -
Optisana Johanniskraut Dragees SN Lidl 4 Euro (120) k.A. -
Dm Das gesunde Plus Swiss Caps GmbH 4 Euro (120) k.A. +

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Spiegelleserin57 17.06.2012
1. Studien???
Wer hat diese Studien gesponsert? Erst wenn man die Studien wirklich kennt kann man die Ergebnisse beurteilen. Wollte jemand die Ergebnisse zu seinen Vorteilen auslegen? Man sollte als Leser solcher artikel sehr sehr vorsichtig sein den Inhalt zu glauben solange man die Details nicht kennt. Apotheken kämpfen um ihre Existenz und auch da gibt es diverse Seilschaften, wie schon oft beschrieben. Es wäre sinnvoll nicht nur eine Tabelle ins Interent zu setzen sondern genauer zu recherchieren. Ich selbst bin an Studien beteiligt und kenne etwas die Scene daher betrachten ich die Ergebnisse immer mit großer Vorsicht.
Lochblech.19 17.06.2012
2. Netter Artikel,
Zitat von sysopdapdBei Depressionen greifen viele Menschen zu Johanniskraut. Das pflanzliche Mittel gilt als harmlose Alternative zu Antidepressiva, im Supermarkt oder in der Drogerie ist es frei verkäuflich. Doch Vorsicht bei Billig-Produkten - die Qualität vieler Präparate ist umstritten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,823206,00.html
nur nicht vollständig. Bei gründlichem Journalismus sollten bei einem solchen Thema auch die der Randfelder beleuchtet werden, denn es ist zu befürchten das unkritischen Leser nun eine gute Begründung zur Selbstmedikation haben. Bei Medikation sollte immer der persönliche Rat der Fachleute eingeholt werden, denn dann wird auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Präparaten geachtet. Auch fehlt im Artikel der deutliche Hinweis, dass ein Wirkstoffspiegel erreicht werden muss, dauert bei Johanniskraut schon ein paar Wochen, alles andere vorher ist Placeboeffekt.
Bernd.Brincken 17.06.2012
3. Ramsch mit China
Nach "China-Schrott" für Autoersatzteile und Werkzeuge etc. ist offenbar "Ramschextrakte aus China" nun die neue Formel, das allgemein beliebte China-Bashing auf weitere Branchen auszudehnen. Absehbar kommt dann bald die Strategie, wirksame Substanzen nur mehr exklusiv via Apotheken - und natürlich geprüft und zertifiziert von der Pharmaindustrie - zuzulassen. Und als nächstes soll dann wahrscheinlich die chinesische Kräutermedizin (TCM) verboten werden - ist ja auch alles nach hiesiger Pharmakologie nicht "richtig" durchgetestet. Oder wie darf man die Stoßrichtung dieses Artikels deuten?
drhibbert 17.06.2012
4.
Aufgrund der beschriebenen Wechselwirkungen von Johanniskrautpräparaten mit dem Cytochrom-P450-Enzymkomlex und den daraus resultierenden Interaktionen mit anderen, z.T. lebenswichtigen Arzeneimitteln sind solche Präparate in Apotheken meiner Meinung ganz gut aufgehoben. ZYTOCHROM P 450: VIELE INTERAKTIONEN, WENIGE GRUNDREGELN- arznei telegramm (http://www.arznei-telegramm.de/html/2001_09/0109089_01.html)
joppo 17.06.2012
5. Hysterie
Zitat von sysopdapdBei Depressionen greifen viele Menschen zu Johanniskraut. Das pflanzliche Mittel gilt als harmlose Alternative zu Antidepressiva, im Supermarkt oder in der Drogerie ist es frei verkäuflich. Doch Vorsicht bei Billig-Produkten - die Qualität vieler Präparate ist umstritten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,823206,00.html
Hypericum ist ursprunglich kein Depressionskaut sondern ein Hysterie mittel. Es ist genau wie bei den Echincea werbe unsinn, mann schriet was herum, und jeden trottel glaubt es, wie die politik.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.