Ein rätselhafter Patient: Das Geheimnis des dritten Hodens

Von Dennis Ballwieser

Schmerzen an den Genitalien führen einen jungen Mann in eine Hamburger Klinik. Bei der Untersuchung fällt den Ärzten auf, dass seine Hoden ungewöhnlich von der Norm abweichen. Erst eine Operation kann das Rätsel aufklären.

Sonografie: Illusionäre Manneskraft Fotos
Albertinen Krankenhaus

Dem Mann geht es nicht gut, er hat abgenommen. Doch ins Hamburger Albertinen-Krankenhaus kommt er wegen seiner Schmerzen. Seit vier Wochen schon spürt er sie. Es zieht im Hodensack, den Mediziner vornehm mit Skrotum umschreiben.

Ihrem Patienten sehen die Ärzte seine 36 Jahre nicht an. Allerdings nicht im positiven Sinne: Er wirke deutlich vorgealtert, berichten Friederike Helmich und ihre Kollegen im "Hamburger Ärzteblatt". Das könnte an den Krankheiten liegen, unter denen der Patient neben seinen Schmerzen leidet. Die Ärzte wissen von seiner Leberzirrhose wegen einer chronischen Hepatitis, außerdem ist er alkoholabhängig.

Als sie ihn untersuchen, können die Ärzte die Leber unterhalb der letzten Rippe auf der rechten Seite spüren, ein Hinweis auf ein vergrößertes Organ. Außerdem machen die Mediziner eine unerwartete Entdeckung: Ihr Patient hat nicht zwei, sondern scheinbar drei Hoden - einen auf der linken Seite, gleich zwei auf der rechten.

Unwahrscheinlich, nicht unmöglich

Jetzt wollen Helmich und ihre Kollegen es genau wissen: Sie untersuchen die Hoden mit einem Ultraschallgerät. Die Bilder zeigen den normal wirkenden linken Hoden, ebenso einen unauffälligen rechten. Neben diesem erkennen die Internisten allerdings auch den vermeintlichen zweiten rechten Hoden, der einem normalen Hoden auf den ersten Blick zumindest gleicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei diesem Gebilde tatsächlich um einen dritten Hoden handelt, ist gering - aber es ist auch nicht unmöglich. Häufiger entpuppen sich solche Erscheinungen allerdings als gutartige oder bösartige Tumoren. Um auszuschließen, dass die Geschwulst im Skrotum ihres Patienten ein bösartiger Tumor ist, operieren die Ärzte ihn. Der Gewichtsverlust des Patienten könnte auch auf eine Krebserkrankung hindeuten.

Prominentes Beispiel

Die Urologen finden einen Tumor, den sie ohne Probleme aus dem Hodensack entfernen können. Sie schneiden hinein - die Geschwulst enthält eine zähe, weißliche Flüssigkeit. Anschließend wird der Tumor in der Pathologie untersucht: Es handelt sich um eine Zyste, einen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum. Zysten können nach Verletzungen entstehen, sie sind normalerweise harmlos. Ob der Hamburger Patient sich einmal am Skrotum verletzt hatte, wissen die Ärzte allerdings nicht. Nachdem die Zyste entfernt ist, hat der Mann keine Schmerzen mehr. Dass ihr Patient abgenommen hat und in einem schlechten Allgemeinzustand ist, schreiben die Ärzte des Albertinen-Krankenhauses seiner Leberzirrhose zu.

Die Hamburger Ärzte berichten, es seien insgesamt knapp 200 Fälle weltweit beschrieben, in denen Männer mehr als zwei echte Hoden trugen. Falsche dritte Hoden dürften deutlich häufiger sein. Einen prominenten Fall nennt Friederike Helmich in ihrem Bericht: Landgraf Philipp von Hessen, der im 16. Jahrhundert die Universität Marburg gründete, soll nach einer Verletzung seines Hodensacks in der Jugend einen falschen dritten Hoden entwickelt haben. Dem Landgrafen mag es recht gewesen sein: In der Bevölkerung galt sein vermeintlicher dritter Hoden als Zeichen seiner Potenz - Philipp zeugte 19 Kinder.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Teratom
euerallerkoenig 06.04.2013
Nennt man übrigens ein Teratom für alle die es interessiert.
2. Für alle blutigen Laien....
norbert.fischer 06.04.2013
...so was nennt man Spermatozele und ist gar nicht so selten. Kommt nach Entzüngungen und Traumata vor. Für Urologen Alltagsgeschäft - folglich keinen Artikel wert. Dislike.
3.
der_diskutant 06.04.2013
Zitat von norbert.fischerFür Urologen Alltagsgeschäft - folglich keinen Artikel wert. Dislike.
Was war das denn, mein lieber #Hippster? Spiegel ist keine Fachseite für Urologen. Und die Allgemeinheit wird sich mit solchen Themen nicht tagtäglich auseinandersetzen. Also vlt. doch einen Artikel wert?
4. teratom?
paps 06.04.2013
nix teratom..(angeboren) zyste..(erworben durch trauma)
5. Besser...
lachplatte 06.04.2013
Zitat von der_diskutantWas war das denn, mein lieber #Hippster? Spiegel ist keine Fachseite für Urologen. Und die Allgemeinheit wird sich mit solchen Themen nicht tagtäglich auseinandersetzen. Also vlt. doch einen Artikel wert?
... jedoch einen unnötigen urologischen Artikel als die vollständig unsäglichen, permamenten Artikel zu allergologischen Themen, auch andere Ärzte sollen endlich einmal leiden dürfen :-).
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  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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