Unfall bei Tour de France: Kann man trotz Kahnbeinbruchs weiter Rad fahren?

Von Dennis Ballwieser

Lage des Kahnbeins im rechten Handgelenk: Der Knochen bricht bei Stürzen auf die Hand am häufigsten Zur Großansicht
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Lage des Kahnbeins im rechten Handgelenk: Der Knochen bricht bei Stürzen auf die Hand am häufigsten

Tour-de-France-Fahrer Tony Martin hat sich im Handgelenk den anfälligsten Knochen gebrochen. Eigentlich müsste er jetzt wochenlang einen Gips tragen - anstatt weiterzufahren. Verheilt der Knochen falsch, droht Gelenkverschleiß.

Es ist ein typischer Knochenbruch junger Sportler. Beim Sturz streckt der Mensch instinktiv die Arme von sich, um nicht mit dem Kopf voran auf dem Asphalt aufzuschlagen. Leider halten die Knochen im Handgelenk den Kräften, die bei einem Fahrradsturz auf die gestreckte Hand wirken, nicht immer stand. Mehr als die Hälfte der Knochenbrüche im Handgelenk betreffen das Kahnbein, das beim Sturz auf der ersten Etappe der Tour de France am Sonntag auch bei Radprofi Tony Martin nachgab.

Der Knochenbruch im Handgelenk ist keine Bagatelle. In bis zu einem Viertel aller Fälle verheilt das Kahnbein nicht so, wie es soll. Mediziner fürchten die Pseudarthrose: Zwischen nicht wieder zusammenwachsenden Knochenteilen entsteht ein falsches Gelenk. Die Arthrose kann später im Leben die Beweglichkeit des Handgelenks einschränken und Schmerzen verursachen.

Bis zu drei Monate Gips oder eine Operation

Handchirurgen behandeln den Kahnbeinbruch entweder mit einem Gips oder durch eine Operation. Je nach Art des Bruchs gipsen sie Hand und Unterarm für sechs bis zwölf Wochen ein. Oder die Chirurgen verbinden die Knochenteile in einer Operation mit Hilfe von Schrauben oder Drähten. In jedem Fall braucht das Gelenk in dieser Phase Ruhe, damit die Knochenteile zusammenheilen können.

"Entsteht ein Falschgelenk, weil der Bruch nicht verheilt, kann es später zum Gelenkverschleiß kommen", sagt der Münchner Handchirurg Martin Jung. "Das dauert meist etliche Jahre." Die Karriere von Radprofi Tony Martin sei dadurch vermutlich akut nicht bedroht, später könne die Arthrose im Handgelenk aber durchaus Probleme bereiten.

Um sich für Gips oder Operation zu entscheiden, müssen Ärzte die Kahnbeinfraktur mit Hilfe von Röntgen- und eventuell Kernspinaufnahmen analysieren. Wichtig ist, ob die Knochenteile so stabil sind, dass sie in einem Gips von alleine wieder in der richtigen Anordnung zusammenwachsen.

Außerdem müssen alle Knochenteile ausreichend mit Blut versorgt sein, da sie sonst nicht heilen. Dies spielt beim Kahnbein eine besondere Rolle, weil der nah am Unterarm liegende Knochenteil keine eigenen Blutgefäße hat, die ihn versorgen. Fehlt der Anschluss an die Blutversorgung ganz, nimmt der Chirurg ein Stück Knochen inklusive eines kleines Blutgefäßes aus dem Becken des Patienten und schließt es im Handgelenk an eine Arterie an.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Wieso Zwangspause?
Mannheimer011 02.07.2012
Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels sitzt Herr Martin noch im Sattel...offenbar momentan keine Zwangspause. Die Überschrift ist irreführend. Ob das Weiterfahren unter diesen Umständen sinnvoll ist, bleibt die Entscheidung des Fahrers selbst.
2. Nä ünd?
Stelzi 02.07.2012
Die meisten Radprofis zerstören ihren Körper vorsätzlich durch Medikamentenmissbrauch. Ein knirschendes, kaputtes Handgelenk ist da doch nichts aussergewöhnliches.
3.
sIggy Pop 02.07.2012
Zitat von StelziDie meisten Radprofis zerstören ihren Körper vorsätzlich durch Medikamentenmissbrauch. Ein knirschendes, kaputtes Handgelenk ist da doch nichts aussergewöhnliches.
Wenn Sie Ihre Behauptung auf den gesamten Profisport ausweiten, bin ich ganz bei Ihnen...
4. Gut versichert?
Altesocke 02.07.2012
Zitat von StelziDie meisten Radprofis zerstören ihren Körper vorsätzlich durch Medikamentenmissbrauch. Ein knirschendes, kaputtes Handgelenk ist da doch nichts aussergewöhnliches.
Und kann, wenn er die 'Berufsunfaehigkeit' bei der Lebensversicherung mit abgeschlossen hat, sogar Geld bedeuten, dann, wenn er im Grunde sowieso nicht mehr Profi-erfolgreich fahren koennte.
5. apostel der moral
hallo-ich 02.07.2012
stimmt - konsequenterweise müsste ich auch meine klappe halten. dennoch die bemerkung: "vorsätzlich zerstören" finde ich als kommentar nicht sehr intelligent. alle glotzen, wenn der wettbewerb läuft und meckern hinterher, wenn nachgeholfen wird. empfehlung: billard oder mikado - da wird nicht gedopt.
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Zum Autor
  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.