Wetterfolgen Kälte wird Menschen gefährlicher als Wärme

Forscher haben in 74 Millionen Fällen und 13 Ländern das Wetter zum Zeitpunkt des Todes ausgewertet. An kälteren Tagen starben 20-mal mehr Menschen als an wärmeren.

Eis und Schnee am Genfer See (5. Februar 2012): Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich
AFP

Eis und Schnee am Genfer See (5. Februar 2012): Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich


Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Kälteperioden fordern weltweit immer wieder viele Todesopfer. Kein Wunder, dass der Mensch automatisch annimmt, dass bei extremem Wetter auch die meisten Menschen sterben. Aber stimmt das überhaupt?

Forscher um den Biologen Antonio Gasparrini haben 74 Millionen Todesfälle zwischen 1985 und 2012 in 13 Staaten quer über den Erdball ausgewertet. Ergebnis: "Die meisten wetterbedingten Todesfälle ereigneten sich an mäßig heißen und vor allem an etwas zu kalten Tagen", sagt Gasparrini.

Madrid: 22 Grad sind ideal

Das Team von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Großbritannien sammelte Daten zu Sterblichkeit und der Temperatur zum jeweiligen Todeszeitpunkt. Im Anschluss setzten sie die in der Analyse ermittelten Daten in Verbindung zu einer für jedes Land einzeln berechneten Idealtemperatur.

Daraus ergab sich, dass bei Kälte etwa 20-mal mehr Todesfälle zu verzeichnen waren als bei Wärme, schreiben die Forscher im Fachmagazin "The Lancet". Es ist den Angaben zufolge die bislang größte Studie zum Zusammenhang zwischen Temperatur und Gesundheit.

Daten aus Deutschland wurden dabei nicht ausgewertet, Europa war aber mit Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien vertreten. Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, Wärme nur für 0,42 Prozent. Aber: Extreme Temperaturen - egal ob eisige Kälte oder große Hitze - waren nur für relativ wenige Todesfälle verantwortlich.

In Madrid zum Beispiel starben die meisten Menschen bei 8 Grad. Den zweithöchsten Ausschlag hatte die Kurve bei 25 Grad. Bei extremeren Temperaturen um die Null und über 30 Grad flachte die Kurve stark ab. Die für die Gesundheit ideale Temperatur läge den Daten zufolge für Spanien um die 22 Grad.

Wichtige Faktoren nicht untersucht

Forscher von der Duke Kunshan University(China) bezweifelten die Aussagekraft der Studie. Wichtige Faktoren für die Analyse von Todesursachen wie Alter, Gesundheitszustand, Armut oder Reichtum oder Luftverschmutzung seien nicht berücksichtigt worden, schreiben Keith Dear und Zhang Wang in einem Kommentar, der ebenfalls im "Lancet" veröffentlicht wurde.

Gasparrini und seine Mitautoren betonen hingegen, die Studie sollte die öffentlichen Gesundheitssysteme zum Nachdenken bringen. Sie dürften nicht nur extreme Wetterereignisse als Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung im Visier haben. Klimaforscher warnen vor einer Zunahme von Wetterextremen, besonders vor tödlichen Hitzewellen. 2003 waren bei einer Hitzewelle europaweit Zehntausende Menschen gestorben.

nik/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Reg Schuh 21.05.2015
1. Falsch
"Kälte wird Menschen gefährlicher als Wärme." Es muß heißen: An sehr kalten Tagen starben in 13 Ländern mehr Menschen als an sehr warmen Tagen. Selbst wenn es um "lebensgefährlich" ging, wäre dieser Titel irreführend, falsch, unzulässig zusammengefaßt. Könnte zur BILD passen in dieser Verkürzung. Wenigstens steht weiter unten in Fettdruck "Wichtige Faktoren wurden nicht untersucht". Langfristige Gefahr sowieso nicht. "Wetterfolgen:" als Titelbestandteil gibt dann auch noch fälschlicherweise einen direkten ursächlichen Zusammenhang vor. Hier gibt es aber nur Statistik.
Delago 21.05.2015
2. Nix neues
Das ist ja schon früher festgestellt worden, beispielsweise in dem Buch Cool it! von Bjørn Lomborg. Da dies aber nicht in das Konzept der Klimaalarmisten passt, wird es auch nicht gerne propagiert.
Puri 21.05.2015
3. Sinnlose Studie
Wieder mal eine Studie die doch das Papier nicht wert ist. Hier werden nicht die Tode verglichen die während der Wetterextrema zusätzlich anfallen - das wäre auch gar nicht möglich. Hier werden die absoluten Tode verglichen, gruppiert nach Temperatur. Aber dass man z.B. während extremer Hitze das Haus nur noch zum Nötigsten verläßt, und man viele verhältnismäßig gefährliche sportliche Freizeitaktivitäten sein läßt und seine Zeit lieber im Haus oder auf dem Balkon verbringt bleibt bei dieser Betrachtung aussen vor. Bei kälteren Tagen hingegen sind andere Faktoren als direkt die Kälte für die Tode verantwortlich - z.B. glatte Fahrbahnen.
ing.mark 21.05.2015
4. wo ich lebe ...
Steigen die Prämien für Lebensversicherungen jetzt in den Gegenden, wo kälteres Klima herrscht ??? Muss ich umziehen? Kann ich den Umzug von der Steuer absetzen? ;-)
rudolf.kipp 21.05.2015
5. Schon interessant...
Es ist schon interessant, dass eine eigentliche Binsenweisheit, nämlich dass Kaltzeiten eher schlecht für die Menschen sind und waren, noch einer wissenschaftlichen Untermauerung bedarf. Grund dafür ist natürlich, das uns seit Jahren immer wieder aufs neue eingetrichtert wird, dass vor allem eine Erwärmung gefährlich für uns wäre. Positive Auswirkung einer wärmeren Welt passen da nicht ins Bild.
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