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Alltagsdroge Koffein: Kann denn Cola tödlich sein?

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Eine Neuseeländerin soll bis zu acht Liter Cola am Tag getrunken haben - und starb. Jetzt flammt im Internet eine alte Debatte erneut auf: Wie gefährlich ist Koffein? Die Antwort ist etwas knifflig. Es kommt darauf an, wer es schluckt.

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AFP

Coca-Cola: Welche Menge Koffein ist riskant?

Natasha Harris war 30 Jahre jung, als sie im Februar 2010 starb. Schlagzeilen machte das erst zwei Jahre später, als ihr Tod vor Gericht verhandelt wurde: Ihr Lebenspartner behauptete, dass Natasha sich mit Coca-Cola zu Tode getrunken habe. In der vergangenen Woche fiel im neuseeländischen Wellington das Urteil und lieferte ein letztes Mal Stoff für weltweite Berichterstattung. Coca-Cola, befand das Gericht, sei für Harris' Tod nicht ursächlich gewesen, habe aber womöglich dazu beigetragen.

Das ist frisches Futter für eine uralte Diskussion. Und so wird seit dem Urteil in Neuseeland eine Frage im Internet erneut heiß diskutiert: Kann man sich mit koffeinhaltigen Getränken tatsächlich zu Tode trinken?

Prinzipiell kann man das, wenn man genug davon zu sich nimmt oder nicht gesund ist. Man muss nur sehr viel davon konsumieren. Im Falle eines gesunden, erwachsenen Menschen sogar unwahrscheinlich viel: Als definitiv tödliche Dosis gelten dann etwa zehn Gramm Koffein. Eine kräftige Tasse Kaffee enthält rund 80 mg davon (plus/minus 40 mg je nach Stärke). Die Mengen, die man konsumieren müsste, um eine tödliche Dosis zu erreichen, sind also absurd hoch, liegen für einen erwachsenen, gesunden Mann im Bereich zwischen zehn und 31 Liter Kaffee, je nach Stärke.

Tödliche Koffeindosis für einen gesunden Erwachsenen
Getränk Frau (60 Kg) Mann (85 kg)
Kaffee 84 Tassen 119 Tassen
Tee 192 Tassen 272 Tassen
Coca-Cola 87 Liter 112 Liter
Red Bull 28 Liter 40 Liter
Espresso 3 Liter (117 Tässchen) 4 Liter (166 Tässchen)
Tödliche Dosis beim Verzehr innerhalb von 24 Stunden.
Cola, Kaffee, Tee und Co. enthalten das in geringen Konzentrationen aufputschend wirkende Alkaloid Koffein also in nur geringen Dosen, die normalerweise nicht als gesundheitsgefährdend gelten. Eine Überdosierung ist da normalerweise sehr unwahrscheinlich, nicht nur wegen der großen Flüssigkeitsmengen, die dafür nötig wären. Denn deutlich spürbare negative Effekte des Koffeins setzen schon ab etwa einem Zehntel der tödlichen Dosis ein: Herzrasen, deutliche Erhöhung des Blutdrucks, Herzrythmusstörungen ("Stolperer"), massive Kreislaufprobleme.

So etwas ignoriert man selbst als gesunder Mensch nicht, es ist extrem unangenehm und - vor allem für Menschen mit Vorschädigungen - natürlich auch in erheblichem Maße gefährlich. Ab einem gewissen Punkt beginnt der Körper darum meist, sich des zugeführten Koffeins auf die natürliche Weise zu entledigen: Was unser Metabolismus als giftig identifiziert, versucht er durch Erbrechen loszuwerden - Signale des Körpers, die normalerweise als Selbstschutzmechanismen wirken.

Ist also alles im Lot und Tod durch Koffein nur eine Legende?

Natürlich nicht. Es gibt tatsächlich immer wieder Todesfälle durch Koffein, wenn auch selten. Betroffen sind meist Menschen, die an organischen Störungen leiden, oft ohne das zu wissen. Insofern bedeutet die Aufnahme stark koffeinhaltiger Getränke in größerer Menge durchaus ein Risiko, selbst wenn man weit unter den als tödlich bezeichneten Quantitäten bleibt. In den vergangenen Jahren entfielen die meisten Fälle, in denen Menschen wegen Koffeinaufnahme ärztliche Hilfe brauchten oder sogar starben, allerdings nicht auf Getränke.

Gefährlich sind vor allem Konzentrate

Gefährlich ist vor allem die direkte Aufnahme des konzentrierten Stoffes: Der ist reines Gift, wenn man so will. So starb im Spätsommer 2010 ein 23-jähriger Brite, nachdem er - betrunken - auf einer Party zwei Löffel konzentriertes Koffeinpulver einnahm, das er mit einem Energydrink hinabspülte. Im November 2006 starb ein 19 Jahre alte US-Schüler, nachdem er sich geschätzt zwei bis drei Gramm reines Koffein in Form von Wachhaltepillen zugeführt hatte.

Solche "Push"-Produkte sind in vielen Ländern frei verkäuflich, hoch konzentriertes Koffein wird auch in Deutschland in verschiedenen Formen angeboten. In den USA kann man Konzentrate kaufen, die dazu gedacht sind, im Stile eines Koffein-Sirups Mixgetränken den wahren "Kick" zu geben. Der Koffeingehalt des Sirups ist etwa hundertmal höher ist als der eines starken Espresso.

Bei herkömmlichen koffeinhaltigen Getränken ergibt sich eine Schädigung eher aus dem habituellen massenhaften Gebrauch. Möglicherweise war dies auch bei Natasha Harris der Fall. Bis zu unglaubliche acht Liter Coca-Cola, sagte ihr Lebensgefährte aus, habe Harris am Tag zu sich genommen. Eine Sucht sei das gewesen. Vor Gericht wollten Gutachter nicht ausschließen, dass dies - neben Harris' allgemein ungesunder Lebensweise, zu der auch der Konsum von bis zu 30 Zigaretten am Tag sowie eine unzureichende, unregelmäßige Ernährungsweise gehörte - zu ihrem Herztod beigetragen haben könnte.

Jede übermäßige Flüssigkeitsaufnahme ist schlecht

Die Autopsie hatte einen akuten Kaliummangel in ihrem Blut festgestellt, eine bekannte Nebenwirkung von Cola- und Koffeingenuss im krassen Übermaß. Diese Hypokaliämie kann zu Lähmungserscheinungen führen, zu Herzrhythmusstörungen, zum Kammerflimmern und zum Herzstillstand. Auch hier ist aber wieder auf die Quantität zu verweisen: Prinzipiell könnte man sich das Kalium allein schon dadurch aus dem Blut waschen, dass man regelmäßig acht bis zehn Liter Wasser zu sich nimmt.

Dass auch Coca-Cola genau auf dieser Linie argumentierte, weckte Unmut bei Kritikern des Unternehmens. Wegzudiskutieren ist die Tatsache aber nicht. In einer am 21. April veröffentlichten Stellungnahme des Konzerns zum Tode Harris' heißt es:

"Wir stimmen mit der Darstellung der Gerichtsmedizin überein, dass die grob exzessive, innerhalb eines kurzen Zeitraums erfolgende Aufnahme jedweden Lebensmittels einschließlich Wasser, im Verbund mit einer unangemessenen Aufnahme wichtiger Nährstoffe und dem Versäumnis, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn dies angeraten ist, zu dramatischen Symptomen führen kann. (...) Wir glauben, dass alle Nahrungsmittel und Getränke in einer ausgewogenen und vernünftigen Ernährung ihren Platz haben können. Die Grundlage einer guten Ernährung ist Ausgewogenheit, Vielfalt und Mäßigung."

Mäßigung, das einzig richtige Fazit für die alte Streitfrage nach dem Umgang mit dem Koffein. Nicht nur in Bezug auf Kaffee, sondern auch auf Süßgetränke. Ein Symptom, unter dem die angeblich so Cola-süchtige Natasha Harris litt, blieb bis jetzt unerwähnt: Sie litt auch darunter, dass ihr das Gebiss weitgehend weggefault war.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Was ist bei 10 l/Tag nicht schädlich?
DocAndernach 12.02.2013
Die Frage ist, welches Getränk nicht schädlich ist, wenn täglich 10 Liter konsumiert werden. Auf jeden Fall müssen alle Alkoholhaltigen Getränke entsprechend mit einem Warnhinweis versehen werden.
2.
inci2 12.02.2013
Wie oft denn noch? Das hatten wir doch vor ein paar Monaten schon einmal...........
3. Drogen gehören verboten
Moritz_93 12.02.2013
Also man sollte mindestens Bilder mit Trinker sterben früher drauf machen ! Und da die Leute zu dumm sind um ihren Konsum zu kontrollieren sollten sie am besten Kaffe, Tee mit Koffein sofort verbieten ! Das selbe passiert mit Zigaretten und Raucher wollen ne Gleichberechtigung ! Unser Stadt ist ja nen sowas von am Ende ...
4. Vielleicht
Tevje 13.02.2013
Zitat von sysopAFPEine Neuseeländerin soll bis zu acht Liter Cola am Tag getrunken haben - und starb. Jetzt flammt im Internet eine alte Debatte erneut auf: Wie gefährlich ist Koffein? Die Antwort ist etwas knifflig. Es kommt darauf an, wer es schluckt. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,835951,00.html
liegt die Lösung des Problems eher beim Zucker, als beim Koffein? War die Frau süchtig nach Zucker, war Coffein nur nebensächlich?
5. Behörde
berghamburg 13.02.2013
Wir müssen hier unbedingt eine neue Behörde schaffen, die dieses Problem verwaltet und reguliert und diesbezüglich neue Gesetze erlässt. Es wird wohl auf ein Ministerium hinauslaufen. Zunächst sollte eine Arbeitsgruppe mit 10 Professoren (keiner unter EURO 600.000 im Jahr) ins Leben gerufen werden. Jeder Prof hat selbstverständlich Anspruch auf einen Fahrdienst (24 Std), Büro mit zwo Sekretären/Sekretärinnen. Ferner natürlich 5 Dozenten, von denen jeder ein Schreibbüro braucht und desweiteren ...(wird fortgesetzt)
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