Kassen-Umfrage: Jeder Zehnte war im Sommerurlaub krank

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Corbis

Abgeschlagen: Berufliche Herausforderung bei den 30- bis 44-Jährigen besonders groß

Fieber statt Freizeit, das war im Sommerurlaub für nahezu jeden zehnten Deutschen Programm. Statt sich von der Arbeit zu erholen, wurden viele Arbeitnehmer krank. Auffällig sind Altersunterschiede und ein regionales Gefälle.

Hamburg - Urlaub soll der Erholung dienen, damit man sich anschließend wieder mit voller Kraft der Arbeit widmen kann. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt, dass ein bedenklich großer Teil der Berufstätigen in der freien Zeit stattdessen damit beschäftigt ist, seinen Körper überhaupt erst wieder fit zu machen.

Fast jeder Zehnte in Deutschland ist der Befragung der Krankenkasse DAK-Gesundheit zufolge in den Sommerferien krank geworden. "Vor allem jüngere Urlauber und Menschen aus dem Norden erwischte es, während die Bayern im Ländervergleich meist verschont blieben", sagte DAK-Sprecher Rüdiger Scharf.

Ständige Überlastung im Alltag, krank in der Freizeit

Die Krankenkasse hat die repräsentative Forsa-Umfrage für ihren Urlaubsreport 2013 in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1003 Menschen über 18 Jahre, die ihren Sommerurlaub schon hinter sich hatten. Die Kassen erheben nicht, wie oft sich Arbeitnehmer aus dem Urlaub krankmelden. Wissenschaftler bemerken seit Jahren, dass Menschen häufig krank werden, wenn sie sich entspannen. Vermutet wird, dass sie körperliche Probleme wegen ständiger Überlastung erst in Freizeitphasen wahrnehmen.

Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) der 14- bis 29-Jährigen war im Sommerurlaub krank oder verletzt. Im Vergleich zu den anderen Altersgruppen ist das der Spitzenwert: Von den restlichen Befragten im Alter zwischen 30 und über 60 Jahren waren lediglich sechs bis sieben Prozent betroffen. Möglicherweise gingen die jungen Urlauber höhere Risiken ein, erklärte Scharf.

Bei der Umfrage fallen große regionale Unterschiede ins Auge: Während es 14 Prozent der Norddeutschen in den Ferien erwischte, waren es in Bayern nur fünf Prozent der Befragten. Die Umfrage bietet keine Erklärung dafür. In Nordrhein-Westfalen klagten sieben Prozent über Krankheiten oder Verletzungen, in Baden-Württemberg zehn Prozent. Frauen (zehn Prozent) und Männer (neun Prozent) waren etwa gleich häufig betroffen. Auch die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland (zehn beziehungsweise neun Prozent) fallen kaum ins Gewicht.

Warum konnten Sie sich im Sommerurlaub nicht gut erholen?
Grund 2012 2013
Prozent Prozent
Gelang nicht, abzuschalten - 52
Stress mit der Familie oder Freunden 26 26
Krank geworden oder haben verletzt 14 16
Schlechtes Wetter 28 16
Musste erreichbar sein 8 13
Enttäuscht von Urlaubsort, Unterkunft, Essen - 8
Quelle: DAK-Gesundheit, Forsa. Befragte, die sich weniger gut oder überhaupt nicht in ihrem Urlaub erholt haben. Prozentsumme größer als 100, da Mehrfachnennungen möglich. 1003 Befragte, statistische Fehlertoleranz +/- 3 Prozentpunkte.
Am häufigsten fingen sich die Urlauber eine Erkältung ein (31 Prozent), an zweiter Stelle kamen Unfälle oder Stürze (27 Prozent). Fünf Prozent mussten sich in den Sommerferien operieren lassen, und ebenfalls fünf Prozent litten an einem Magen-Darm-Infekt. Vier Prozent klagten über psychische Probleme wie etwa eine Depression. Urlaubstypischer klingt dagegen, dass sieben Prozent der Befragten einen Sonnenbrand hatten.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen, die sich im Urlaub nur schlecht erholt haben, gab an, sie hätten nicht vom Job abschalten können. Immerhin 13 Prozent mussten für ihren Arbeitgeber mobil oder per E-Mail erreichbar sein. Der Urlaubsreport zeige, so DAK-Psychologe Frank Meiners, "dass die Erholung eines Menschen auch stark mit seiner persönlichen Lebensphase zusammenhängt". Die berufliche Herausforderung sei bei den 30- bis 44-Jährigen besonders groß. Die Arbeit an der eigenen Karriere stehe so der Erholung im Urlaub im Weg - was sich anschließend wieder auf die Leistung im Job auswirken könnte.

dpa/dba

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1. Könnte se sein,
welfe 16.09.2013
dass sich der eine oder andere auf diese Weise einen Teil seiner Urlaubstage "zurückholt"?
2. kein Wunder
smartphone 16.09.2013
Im Grunde wäre es besser , kaum Urlaub zu nehmen. Ein Varianz des Lebensstils ist immer eine Belastung für den Körper. Hinzu kommt , daß der sog. Urlaub mit atypischen Bewegungsmustern einhergeht ... Also der Bürohocker mutiert zum Aktivurlauber - Und überschätzt sich hierbei, ohne es zu merken ( dazu ist der "urlaub" wirder zu kurz ) . Hinzu kommen Belastungen der besonderen Art, also schnelle Klimawechsel in Kombination mit ungewohnter Kost usw. Wenn sollte man gleich richtig urlauben ,also einen Sabbatical nehmen (können) ............. Aus betrieblichen Gründen konnte ich quasi keinen Urlaub nehmen ... wurde weitgehend ausbezahlt . Und war praktisch nei krank......
3. Erkältung am häufigsten
noalk 16.09.2013
Waren das diejenigen, die stundenlang im vollklimatisierten Auto gefahren sind? "Die Umfrage bietet keine Erklärung dafür." Aha, dann lasst uns mal kräftig spekulieren. Und wenn die Spekulationen von (scheinbaren) Experten kommt, kann man sie auch für bare Münze nehmen und gleich mit abdrucken. Vielleicht ist es ja nur so, dass Urlauber bevorzugt im Urlaub Dinge tun, die ihrer Gesundheit abträglich sind. Wie gesagt: Vielleicht!
4.
tommit 16.09.2013
Zitat von welfedass sich der eine oder andere auf diese Weise einen Teil seiner Urlaubstage "zurückholt"?
Es kann alles sein, nur muss der Arzt auch mitspielen.. Und da der Patient in Deutschland ja keinerlei Entscheidungskompetenzen auf seiner Person vereint: Ist es auch egal... oder? Was wird bezahlt: bestimmt die Krankenkasse Krankenkasse Was hat man: bestimmt der Arzt Wie teuer darf es sein (Budgetierung): überwachen bestimmen die KV(en) und von dort aus schleift die Logik wieder zurück zum Artzt... Ausserdem will das Arbeitshesetz das auch ausdrücklich so: Wenn man krank geschrieben ist, ist man krank.. Das kann massive Verischerungsfolgen nach sich ziehen wenn man auch nur ein jota von dern Vorschriften abweicht. Was ürden sie im Zweifelsfall den tun A) als Arbeitnehmer B ) als Arbeitgeber
5. optional
Msc 16.09.2013
Kann "2." da nur zustimmen, ich habe in den letzten 3 Jahren von 90 Urlaubstagen nur 15 genommen (der Rest verfällt). Und das auch nur weil mein Vater gestorben ist und, ein Jahr später, meine Mutter zur Chemotherapie musste. Ich dagegen hatte allerhöchstens mal eine laufende Nase für zwei Tage.
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