Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grauer Star: Einmal Linsenwechsel, bitte!

Grauer Star: Die eingetrübte, verhärtete Linse schränkt das Sehvermögen ein Zur Großansicht
Corbis

Grauer Star: Die eingetrübte, verhärtete Linse schränkt das Sehvermögen ein

Die Nachtsicht wird schlechter, das Auge reagiert empfindlicher auf Blendreize, fürs Lesen muss es immer heller sein: Das sind die frühen Anzeichen für einen Grauen Star. Verschlechtert sich das Sehvermögen stark, hilft nur noch eine Operation.

Eigentlich sind die Augenlinsen kristallklar, doch bei manchen Menschen verfärben sie sich im Laufe der Zeit gräulich. Die Betroffenen leiden am Grauen Star, auch bekannt als Katarakt. Meist entwickelt sich das Augenleiden nach dem 60. Lebensjahr. Die Sehschärfe der Betroffenen lässt schleichend nach, weil sich die Augenlinse verhärtet und trübt.

"Zunächst zeigt sich die Sehstörung durch eine schlechtere Nachtsicht, eine erhöhte Blendempfindlichkeit und einen größeren Lichtbedarf beim Lesen", sagt Amir-Mobarez Parasta, Ärztlicher Leiter am Augenzentrum München. Später kann es zu verringertem Kontrastsehen, gestörtem Farbensehen und Doppelsehen von Konturen kommen. Mit der Zeit wird der Grauschleier immer dichter.

"Der verlangsamte Stoffwechsel im Alter und eine dadurch bedingte Veränderung der Linseneiweiße können zu einer verminderten Lichtdurchlässigkeit und einer Streuung statt Bündelung der einfallenden Lichtstrahlen führen", sagt Thomas Kohnen, Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Universität Frankfurt. "Die Eintrübung der Linse verhindert schließlich eine punktgenaue Abbildung auf der Netzhaut."

Künstliche Linsen verschaffen wieder bessere Sicht

Medikamente, die diesen Prozess aufhalten, gibt es bislang nicht. Die einzige Therapieoption ist das Implantieren einer künstlichen Linse. Dabei handelt es sich um eine Routineoperation, rund 800.000 Mal im Jahr wird sie in Deutschland vorgenommen.

"Den Zeitpunkt der Operation machen wir in der Regel davon abhängig, wie sehr der Patient in seiner Sehstärke eingeschränkt ist, wobei die individuellen Ansprüche an die eigene Sehkraft von Patient zu Patient sehr verschieden sind", sagt Kaweh Schayan-Araghi vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Im Frühstadium ließen sich die Beschwerden häufig durch eine veränderte Brillenstärke vorübergehend verbessern. "Da Grauer Star in der Regel kein akuter Notfall ist, wird die Operation nicht risikoreicher, wenn man den Eingriff etwas verzögert, zumindest nicht innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre."

Mit speziellen Augentropfen werde bei der OP eine örtliche Betäubung erreicht, eine Spritze sei in der Regel nicht nötig", sagt Kohnen. Der Eingriff dauert pro Auge etwa 15 Minuten. Meist operieren die Ärzte etwa eine Woche nach dem ersten auch das zweite Auge. In der Regel halten die künstlichen Linsen ein Leben lang.

Meist werden sogenannte Monofokallinsen eingesetzt, dann zahlen auch die gesetzlichen Krankenkassen den Eingriff. "Sie stellen die Sicht nur auf einen Entfernungsbereich ein, so dass noch eine Brille in der Ferne oder Nähe notwendig bleibt", sagt Parasta.

Mit einer Multifokallinse kann es dagegen möglich sein, in Nähe und Ferne scharf zu sehen. Die Brille wird dann überflüssig. Allerdings listet die Seite gesundheitsinformation.de auch Nachteile dieses Linsentyps: Es komme häufiger zu Blendungen, etwa beim nächtlichen Autofahren, und die Sicht sei kontrastärmer. Zudem können demnach manche Sehbereiche verschwommen bleiben.

Schnell handeln, wenn sich das Augeninnere entzündet

Komplikationen bei der Operation sind selten. Es ist allerdings möglich, dass während des Eingriffs die Linsenkapsel, die Iris oder der Augapfel verletzt werden, berichtet gesundheitsinformation.de. Zudem kann die Netzhaut nach der OP anschwellen oder sich ablösen. Das Sehen kann dadurch zeitweise verschlechtert sein. Eine seltene, schwerere Komplikation ist die Entzündung des Augeninneren. Sie muss zeitnah behandelt werden, damit das Auge keinen bleibenden Schaden nimmt.

Seit wenigen Jahren setzten die Ärzte bei dem Eingriff vereinzelt Laser ein. "Der praktische Einsatz von Lasern bei Operationen des Grauen Stars befindet sich aber noch im Anfangsstadium. Deshalb ist auch nicht bewiesen, ob Laser für die Patienten tatsächlich einen messbaren Vorteil bringen", sagt Schayan-Araghi. Nachteile sind eine deutlich längere Operationszeit und höhere Kosten.

Schon einen Tag nach der OP sehen Patienten deutlich klarer, dann wird auch der Augenverband entfernt. "Selbst wenn der Eingriff schmerzlos war, sollten Patienten die Widerstandskraft ihres Auges nicht überschätzen, es nicht reiben oder drücken und Schwimmbäder wegen der Infektionsgefahr für etwa ein bis zwei Wochen meiden", rät Parasta.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Soso
calexico55 21.02.2014
"Zunächst zeigt sich die Sehstörung durch eine schlechtere Nachtsicht, eine erhöhte Blendempfindlichkeit und einen größeren Lichtbedarf beim Lesen" Ich habe genau die gleichen Symptome gehabt, zum Augenarzt gegangen: nichts. Wegen anderer Erkrankung hochdosierte Vitamine + NEMs genommen und nach ca. 1 Jahr als Nebeneffekt die Sehprobleme gelöst. So, und jetzt wieder drauf hauen ;-) ...
2. neue Erkenntnisse?
Mario V. 21.02.2014
Üblicherweise erscheinen solche Artikel, wenn es eine Neuentwicklung oder neue Erkenntnisse gab. Hab ich was übersehen? Was war neu? Da ich diese OP gerade an beiden Augen hinter mir habe, kann ich sagen, dass die Info "Meist operieren die Ärzte etwa eine Woche nach dem ersten auch das zweite Auge" nicht ganz korrekt ist, oder zumindest macht man es nicht überall so schnell. Bei mir gab es erst eine Voruntersuchung, die OP selbst dann eine Woche später, dann 3 Wochen Nachsorge. Der zweite Termin wurde erst angesetzt, als absehbar war, dass die erste OP inkl. Abheilung erfolgreich war. Insgesamt lagen ca. 6 Wochen zwischen beiden OPs.
3. Empfehlenswert
birnstein 21.02.2014
Ich habe mich aufgrund meiner starken Kurzsichtigkeit operieren lassen und habe Multifokallinsen. An einem Donnerstag das erste Auge und am Montag darauf das zweite. Einfach traumhaft, aber sehr teuer, da die Krankenkassen die OP nicht zahlen. Neben der Kurzsichtigkeit ist dank der Multifokallinsen auch die Alterssichtigkeit weg, ein völlig neues Lebensgefühl!
4. 6 Wochen
e-hugo 21.02.2014
Zitat von Mario V.Üblicherweise erscheinen solche Artikel, wenn es eine Neuentwicklung oder neue Erkenntnisse gab. Hab ich was übersehen? Was war neu? Da ich diese OP gerade an beiden Augen hinter mir habe, kann ich sagen, dass die Info "Meist operieren die Ärzte etwa eine Woche nach dem ersten auch das zweite Auge" nicht ganz korrekt ist, oder zumindest macht man es nicht überall so schnell. Bei mir gab es erst eine Voruntersuchung, die OP selbst dann eine Woche später, dann 3 Wochen Nachsorge. Der zweite Termin wurde erst angesetzt, als absehbar war, dass die erste OP inkl. Abheilung erfolgreich war. Insgesamt lagen ca. 6 Wochen zwischen beiden OPs.
Kann ich so bestätigen. Sowohl bei mir als auch bei meinem Schwager. Eine Woche erscheint mir zu kurz, nach dem was mir mein Augenarzt gesagt hat. Er wollte das zweite, bessere, Auge erst operieren, wenn es mit dem ersten keine Komplikationen gegeben hatte. Und die können auch noch nach einer Woche auftreten, sagte er mir. Außerdem gab es Vollnarkose, allerdings auf meinen Wunsch hin.
5. Diese Inovation ist unverzichtbar
bernhard29 21.02.2014
Ich habe mich mit 58 Jahren in der Spezialaugenklinik in Sulzbach /Saarland einer Katarakt OP unterzogen. Super organisiert, super Ärzte alles optimal. Fuer mich begann ein neues Leben. Ich kann nur jedem raten nicht zu lange zu warten. Die Katarakt OP verhindert einen frühen Heimaufenthalt verhindert vermeidbare Stürze im Alter.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:


Seltener Fund

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: