Kiel Experten helfen beim Kampf gegen Klinik-Keim

An der Uniklinik Kiel haben sich 27 Patienten mit einem Erreger angesteckt, der gegen die meisten Antibiotika unempfindlich ist. Jetzt sind Experten angereist, um bei der Eindämmung des Keims zu helfen.

Uniklinik in Kiel: Nachweis gefährlicher Keime auf der Intensivstation
DPA

Uniklinik in Kiel: Nachweis gefährlicher Keime auf der Intensivstation


Kiel - Nach der Entdeckung eines gefährlichen multiresistenten Keims am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sind jetzt externe Hygiene-Experten zur Unterstützung eingetroffen. Die Fachleute führten Gespräche mit Mitarbeitern und machten sich ein gründliches Bild, sagte ein Sprecher des UKSH. Die Spezialisten kommen von der Uniklinik Frankfurt am Main, dessen Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene bei dem Thema als eine bundesweit führende Einrichtung gilt.

Am UKSH waren gegen vier Antibiotika-Gruppen unempfindliche Bakterien des Typs Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden. Nach aktuellen Angaben haben sich 27 schwerstkranke und teils hochbetagte Intensivpatienten angesteckt. Der Erreger kann vor allem bei immungeschwächten Menschen Wundinfektionen oder Lungenentzündungen auslösen.

Elf der Patienten sind gestorben. Nach Angaben der Klinik war die Infektion bei neun der Patienten aber nicht die Todesursache. Bei den zwei übrigen habe dies nicht eindeutig geklärt werden können.

Betroffene Patienten werden strikt isoliert, um eine weitere Verbreitung des Keims zu erschweren. Die befallenen Stationen nehmen keine neuen Patienten mehr auf, außerdem wurden Desinfektionsmaßnahmen eingeleitet.

Gewerkschaft sieht Personalmangel als Ursache

Aus Sicht der Gewerkschaft Ver.di ist der Vorfall nicht so überraschend, wie es die Klinikleitung darstelle. Auf Personalversammlungen sei auf eine dramatische Arbeitsverdichtung gerade auf den betroffenen Stationen hingewiesen worden. Personal- und Zeitmangel führten zu Verstößen gegen Hygienevorschriften. Schleswig-Holsteins Krankenhausgesellschaft hat dagegen nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Hygienefehler oder andere Defizite in diesem Bereich am Klinikum.

Ver.di forderte Konsequenzen. Der geplante Stellenabbau sei unverantwortlich, das Klinikum brauche mehr qualifiziertes Personal. Das gelte nicht nur für die Pflege, sondern auch für die Reinigungskräfte.

Gesellschaft für Hygiene nimmt die Klinik in Schutz

Acinetobacter baumannii ist der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) zufolge als Auslöser von Krankenhausinfektionen bekannt. Demnach sind Ausbrüche generell trotz umfassender Hygienemaßnahmen nicht vollständig auszuschließen und auch bei optimalen Gegenmaßnahmen nur schwer einzudämmen. Im Bezug auf den Verdacht von Fehlern oder Hygienemängeln nahm die DGHM das UKSH in Schutz. Den vorliegenden Informationen zufolge täten die Kollegen alles Erforderliche, erklärte die Fachgesellschaft dazu.

wbr/dpa/AFP



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