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KiGGS-Studie: So gesund sind Deutschlands Kinder

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Kinder beim Fußballspiel: Die meisten Heranwachsenden in Deutschland sind fit und gesund Zur Großansicht
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Kinder beim Fußballspiel: Die meisten Heranwachsenden in Deutschland sind fit und gesund

Wie lange sollte man ein Baby stillen, wogegen lassen Eltern ihre Kinder impfen - und wie wirkt sich das langfristig auf deren Gesundheit aus? Aufschlüsse gibt eine neue Studie, für die ein riesiger Datenschatz ausgewertet wurde.

Berlin - Es ist die größte Datensammlung zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hat am Montag umfangreiche Ergebnisse der sogenannten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) veröffentlicht. In 14 Fachartikeln geht es unter anderem um die Fragen, wie viel sich Heranwachsende bewegen, ob sie rauchen, wie häufig sie Allergien, ADHS oder Alkoholprobleme haben und wie sich ihre Lebensqualität verändert.

"Nach Einschätzung der Eltern weisen 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen sehr guten oder guten allgemeinen Gesundheitszustand auf", sagt Reinhard Burger, Präsident des RKI. Der Großteil der Kinder bewegt sich viel, die meisten leben in stabilen Familienverhältnissen und immer weniger Jugendliche rauchen. Im Detail aber zeigt sich, dass vor allem Kinder aus armen Familien auch gesundheitlich benachteiligt sind, dass die Zahl der Heranwachsenden mit Allergien zunimmt und immerhin jedes fünfte Kind psychisch auffällig ist.

Für ihre aktuellen Untersuchungen verglichen die Forscher Daten einer ersten Erhebungswelle, die von 2003 bis 2006 stattgefunden hatte, mit denen einer zweiten Welle von 2009 bis 2012. Wie hat sich die Gesundheit der Kinder entwickelt?

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Familienverhältnisse: Kinder und Jugendliche sind häufiger chronisch krank, wenn sie nur mit einem Elternteil aufwachsen, und sie verhalten sich öfter auffällig, wenn sie in Eineltern- oder Stieffamilien aufwachsen. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, nachdem sie weitere mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Sozialstatus der Eltern und familiäres Miteinander herausgerechnet hatten. Im Jahr 2011 wuchsen 17 Prozent der 12,9 Millionen in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf.
  • Chronische Erkrankungen: Etwa jeder sechste unter 18-Jährige leidet in Deutschland unter einer chronischen Erkrankung. Dennoch können viele ein normales Leben führen und toben wie ihre Gleichaltrigen. Nur jeder fünfte Betroffene sei durch seine Krankheit eingeschränkt, heißt es in der Studie mit mehr als 12.000 befragten Eltern. Bei den 7- bis 17-Jährigen ist die Migräne die am häufigsten verbreitete Krankheit, fünf Prozent der Kinder klagen über die Kopfschmerzattacken. Bei den Null- bis Sechsjährigen sind Herzkrankheiten mit zwei Prozent Betroffenen am häufigsten, bei den Null- bis Zweijährigen sorgen sich die Eltern vor allem um Fieberkrämpfe.
  • Alkohol und Zigaretten: Die Zahlen zum Alkoholkonsum klingen alarmierend. 11,5 Prozent der 11- bis 17-Jährigen trinken sich mindestens einmal im Monat in den Rausch - mit sechs oder mehr alkoholischen Getränken. Bei den Zigaretten hingegen berichten die Forscher von einer positiven Entwicklung : Die Quote der rauchenden Jugendlichen hat sich zwischen der ersten und der zweiten Erhebung von 20,4 auf 12 Prozent fast halbiert. Allerdings neigen vor allem Jugendliche aus armen Familien dazu, schon in jungen Jahren regelmäßig oder sogar täglich zu rauchen.
  • Stillen: Die Nationale Stillkommission empfiehlt Müttern, im ersten halben Lebensjahr ausschließlich zu stillen. Mit der Beikost sollten Eltern nicht vor Beginn des fünften Monats und nicht später als am Anfang des siebten Lebensmonats beginnen. Die Folgebefragung (2009 bis 2012) stützt sich auf Daten von 4410 Kindern im Alter von null bis sechs Jahren. 82 Prozent dieser Kinder wurden gestillt, die durchschnittliche Dauer lag bei 7,5 Monaten. Im Vergleich zur ersten Befragung hat die Stillquote um vier Prozent leicht zugenommen. Ob Mütter stillen, hängt von ihrem Alter und Bildungsstatus ab und davon, ob sie rauchen, Mehrlinge bekommen haben oder die Kinder zu früh auf die Welt kamen.

  • Erkrankungen, die sich durch Impfungen vermeiden lassen: Die Ergebnisse zeigen, wie veränderte Impfempfehlungen die Zahl der erkrankten Kinder senken können. Seit 2006 wird Eltern geraten, ihre Kleinkinder nicht nur ein-, sondern zweimal gegen Windpocken zu impfen. Passend dazu berichteten 2003 bis 2006 noch 12,8 Prozent der Eltern, dass ihre null- bis zweijährigen Kinder an Windpocken erkrankt waren. Zwischen 2009 und 2012 sank die Zahl auf 2,4 Prozent. Ähnlich rückläufig waren die Zahlen der Keuchhusten-Erkrankungen, bei denen sich die Impfempfehlungen ebenfalls geändert hatten. Bei den Masern hingegen beklagen die Forscher unverändert hohe Zahlen: Von den 14- bis 17-Jährigen mussten 14,1 Prozent die Krankheit irgendwann in ihrem Leben durchmachen.
  • Psychische Auffälligkeiten: Forscher sehen bei vielen Kindern die Gefahr, dass sie irgendwann eine psychische Störung entwickeln könnten. Rund ein Fünftel der 3- bis 17-Jährigen bewerteten sie als psychisch grenzwertig auffällig oder auffällig. Die anhaltend hohe Verbreitung psychischer Auffälligkeiten solle einerseits Anlass sein, sich stärker um die Vorbeugung zu kümmern, schreiben die Autoren der Studie . "Andererseits sollten die Ergebnisse auch Anlass dazu geben, die Versorgungsstrukturen zu überprüfen, da psychische Auffälligkeiten und Störungen bei Kindern und Jugendlichen häufig unbehandelt bleiben."
  • ADHS: Immer wieder zeigen Daten etwa von Krankenkassen, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung) stetig zunimmt. Die aktuellen KiGGS-Analysen spiegeln dieses Bild nicht wider. Zwar sind viele Kinder betroffen: Fünf Prozent aller Heranwachsenden haben nach Auskunft der Eltern der ersten Erhebung zufolge die Diagnose ADHS von einem Arzt oder Psychologen bekommen. Jungen waren mehr als viereinhalbmal häufiger betroffen als Mädchen, Kinder mit niedrigem Sozialstatus mehr als zweieinhalbmal so häufig wie jene aus Familien mit hohem Sozialstatus. Die Folgeuntersuchung ergab im Vergleich zur Ersterhebung keine Veränderung.
  • Sport und Bewegung: Zusätzlich zum Sport in Kita oder Schule treiben 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren Sport. Vier von fünf Kindern sind mindestens zwei Stunden pro Woche aktiv. Ebenfalls 78 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen spielen mehr als fünfmal pro Woche draußen.

Die aktuellen Studien sind in der Juliausgabe des Bundesgesundheitsblatts erschienen. Das RKI hatte bereits Ende 2013 Ergebnisse der KiGGS-Untersuchungen veröffentlicht. Daten unter anderem zur Fitness der Kinder und der Häufigkeit von Allergien finden Sie in folgendem Artikel.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Bei den psychischen Störungen bin ich etwas skeptisch...
flitzpane 23.06.2014
... ob wir nicht eine Überdiagnostizierung haben. Vieles was früher als normaler Wahnsinn durchging ist m.E. heute ein Fall für den Arzt (schöner Elternbericht hier: http://wp.me/p14g2B-iv). In den USA ist der Trend ja auch schon durch drastische Übermedikation ins Extrem getrieben – da wurde nicht mehr Kindergesundheit, sondern ein neuer Pharmamarkt geschaffen...
2. Bewegung
thirdhand 23.06.2014
Zitat von sysopDPAWie lange sollte man ein Baby stillen, wogegen lassen Eltern ihre Kinder impfen - und wie wirkt sich das langfristig auf deren Gesundheit aus? Aufschlüsse gibt eine neue Studie, für die ein riesiger Datenschatz ausgewertet wurde. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kiggs-studie-des-rki-so-gesund-sind-kinder-in-deutschland-a-976816.html
Na das sagt dann schon alles. Kinder brauchen mindestens zwei Stunden Bewegung am Tag, Jungs in der Regel noch einiges mehr. Und das ist wirklich die unterste Grenze. Wenn das nicht gewährleistet ist, soll man sich nicht über "psychische Auffäligkeiten" wie ADHS etc. wundern.
3. ...20% sind psychisch auffällig?
prisma-4d 23.06.2014
Wird da nicht ein "Krankheitsbild" künslich erzeugt? "Mein Kind ist in der Schule nicht so gut weil es hochbegabt ist"... mein Lieblingssatz der alles sagt. Früher (20 Jahre) war es durch aus in Ordnung mit einem Hauptschulabschluß eine Lehrstelle anzutreten.... heute fast unmöglich. Ich sage mal provokativ: mehr als 20% der Eltern sind psychisch auffällig! Wir erziehen unsere Kinder das sie sich zu Individuen entwickeln... und wenn sie dann welche sind... sind sie AUFFÄLLIG!!!
4.
Thomas Schnitzer 23.06.2014
Zitat von flitzpane... ob wir nicht eine Überdiagnostizierung haben. Vieles was früher als normaler Wahnsinn durchging ist m.E. heute ein Fall für den Arzt (schöner Elternbericht hier: http://wp.me/p14g2B-iv). In den USA ist der Trend ja auch schon durch drastische Übermedikation ins Extrem getrieben – da wurde nicht mehr Kindergesundheit, sondern ein neuer Pharmamarkt geschaffen...
Nein, die Gefahr besteht in Deutschland nicht, denn hierzulande halten die Quacksalber, zu denen durchaus auch studierte Mediziner gehören, mit ihren Empfehlungen von homöopathischen Nicht-Medikamenten, wirkungslosen Basenpülverchen, überflüssigen Entschlackungskuren und ihrem Aufruf zur Impfverweigerung zu gut dagegen. Und wenn das nicht hilft, ist einfach die Aura des Indigokindes gestört und kann an Vollmond von einer Menstruationstherapeutin wieder in Einklang mit der kosmischen Energie gebracht werden, wenn man den Cafe Latte mit veganer Sojamilch trinkt.
5. Vielfalt oder Auffallend
wohlstandskoeter 23.06.2014
Die vielgelobte Vielfalt muss der Einfalt der Gleichmacherei weichen mit dem Ergebnis: alle die nicht brav im Gleichschritt mit der Masse traben sind auffällig und brauchen Hilfe. Leidvoll für jene die sich eigene Gedanken leisten aber ein effizienter Weg die Vielfalt im Keime zu ersticken. Ganz besonders wenn man sich schon die Kinder vornimmt. Der Schaden den das hinterlässt kann man ja später wunderbar mit der angeblichen vorher vorhandenen "Auffälligkeit" erklären.
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