Gesundheitsstudie Kinder in Deutschland sind überraschend fit

Sie sind sportlich, aktiv und ständig draußen: Bei Deutschlands Kindern ist gesundheitlich - fast - alles in Ordnung. Das Robert Koch-Institut hat rund 16.000 Kinder und Jugendliche untersucht. Sorgen bereiten den Forschern vor allem soziale Unterschiede.

RKI

Berlin - Für Eltern ist es eine gute Nachricht: Der Mehrheit der Kinder in Deutschland geht es gut. Ihre Gesundheit ist intakt, sie treiben Sport und spielen bis zum Grundschulalter fast täglich draußen. Der erste Eindruck der jetzt vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgestellten Ergebnisse aus der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS ist: alles in Ordnung.

In das positive Bild passt, dass 94 Prozent der befragten Eltern den allgemeinen Gesundheitszustand ihrer Kinder als gut oder sehr gut einschätzen, auch 88 Prozent der untersuchten 11- bis 17-Jährigen geben der eigenen Gesundheit die Bestnoten. Ein erfreulicher Trend: Beide Werte liegen über jenen, die bereits 2003 bis 2006 für die KiGGS-Basiserhebung gewonnen wurden.

Weniger Raucher, Problem Alkohol

Obwohl die KiGGS-Studie der Gesundheit deutscher Kinder ein grundsätzlich positives Zeugnis ausstellt, haben Jungen und Mädchen mitunter auch mit Krankheiten zu kämpfen. Probleme bereiten vor allem Immunerkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis. Schlechte Noten gibt es auch bei der Ernährung: Mehrheitlich essen Jugendliche zu wenig Obst und Gemüse. Zudem verbringen viele befragte Kinder viel Zeit vor Computer und Fernseher. Dafür rauchen Teenager weniger als früher, nur ein Teil von ihnen trinkt regelmäßig viel Alkohol.

Die Daten stammen aus der sogenannten ersten Welle der KiGGS. Die erste bundesweite repräsentative Untersuchung zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen baut auf der umfangreichen KiGGS-Basiserhebung von 2003 bis 2006 auf. Zwischen 2009 und 2012 hat das RKI rund 16.000 Teilnehmer telefonisch befragt, viele der Kinder waren auch bei der Basiserhebung bereits dabei. Ein Teil von ihnen wurde zusätzlich untersucht und detaillierter befragt.

Bei Kindern befragten die Forscher vor allem die Eltern, ab einem Alter von elf Jahren antworteten die Kinder und Jugendlichen selbst auf die Fragen der Wissenschaftler. Die Ergebnisse werden etappenweise veröffentlicht, ein ausführlicher Bericht wird für 2014 erwartet. Dann wird die zweite Welle mit den nächsten Untersuchungen anlaufen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Immunkrankheiten: Nahezu jedes zehnte Kind (neun Prozent) litt in den zwölf Monaten vor der Befragung unter Heuschnupfen, vier Prozent unter Asthma. Der Anteil der Kleinkinder mit diesen beiden Krankheiten ist weiter angestiegen. Von Neurodermitis waren sechs Prozent der Kinder betroffen.
  • HPV-Impfung: Zu der für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlenen Impfung gegen Humane Papillomviren gibt es jetzt erstmals KiGGS-Zahlen: Bei den 14- bis 17-Jährigen sind mehr als die Hälfte (53 Prozent) mindestens einmal geimpft worden. Immerhin 40 Prozent wurden vollständig, also dreimal, geimpft.
  • Sport und Bewegung: Zusätzlich zum Sport in Kita oder Schule treiben 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren Sport. Vier von fünf Kindern sind mindestens zwei Stunden pro Woche aktiv. Ebenfalls 78 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen spielt mehr als fünfmal pro Woche draußen. Nach dem Schulbeginn bewegen sich die Kinder weniger im Freien, Jugendliche treiben Sport eher im Verein.
  • Schwimmen: Regelmäßig warnen Sportverbände, dass in Deutschland immer mehr Kinder nicht richtig schwimmen können. Die KiGGS-Ergebnisse zeigen, dass die heute 11- bis 17-Jährigen im Schnitt mit sechseinhalb Jahren Schwimmen gelernt haben. Sozial benachteiligte Kinder allerdings lernen deutlich später oder gar nicht schwimmen.
  • Soziale Unterschiede: Nicht nur beim Schwimmen, auch bei allen gesundheitlichen Risikofaktoren zeigen sich, wie in der KiGGS-Basiserhebung von 2003 bis 2006, auch jetzt deutliche soziale Unterschiede. Vor allem Mädchen aus sozial benachteiligten Familien bewegen sich in der Freizeit deutlich weniger als der Durchschnitt.
  • Unfälle und Verletzungen: 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen einem und 17 Jahren erleiden im Verlauf eines Jahres eine Unfallverletzung, die vom Arzt behandelt werden muss, das Niveau entspricht dem der KiGGS-Basiserhebung. Kinder bis zu vier Jahren stürzen vor allem, bei älteren Kindern werden Zusammenstöße häufiger. Während die Kleinsten offene Wunden davontragen, geht es bei den Größeren eher um Prellungen, Zerrungen und Brüche.
  • Medien und Computer: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Jugendlichen verbringt mehr als vier Stunden täglich vor Bildschirmen. Vor dem Fernseher verbringen die Teenager dabei mehr Zeit als vor Computer und Spielkonsolen. Mädchen nutzen eher ihr Mobiltelefon, Jungs eher den Fernseher.

Die ersten Studienergebnisse für die Altersgruppe der bis 17-Jährigen hat das RKI in der Broschüre "Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - 2013" zusammengefasst, das PDF gibt es hier.

dba/cib

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
damocles_ 14.11.2013
1. Umfrage?
es sollte heißen: "Eltern meinen : Kinder in Deutschland sind überraschend fit". Wer würde schon sagen: "Mein Kind ist krank und träge durch meine schlechte Erziehung, fehlende Vorbildrolle und Einkaufsverhalten"
catcargerry 14.11.2013
2. Sozial benachteiligt
Zitat von sysopCorbisSie sind sportlich, aktiv und ständig draußen: Bei Deutschlands Kindern ist gesundheitlich - fast - alles in Ordnung. Das Robert-Koch-Institut hat rund 16.000 Kinder und Jugendliche untersucht. Sorgen bereiten den Forschern vor allem soziale Unterschiede. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kiggs-studie-kindern-in-deutschland-geht-es-gut-a-933529.html
Aus den Ausführungen zur sozialen Benachteiligung wird deutlich, dass sie auch hier kein Umverteilungsproblem ist, sondern die Ursache in der Erziehungs- und Sozialverweigerung der Eltern liegt. Deren Opfer sind diese Kinder. Die Reparaturverpflichtung der Gesellschaft bestreite ich nicht.
eine-Meinung-unter-Vielen 14.11.2013
3. Soziale Benachteiligung ...
... und was bedeutet "Mädchen aus sozial benachteiligten Familien bewegen sich weniger häufig" in diesem Zusammenhang? Leider kommen Studien immer wieder mit "Zahlen", die ohne Hintergrund oder Hinterfragung präsentiert werden. Was soll oder kann man mit solch einer "Zahlenaussage" anfangen? Mich würde zum Beispiel eine fachliche Interpretation interessieren, denn dann könnte man über Lösungen nachdenken - so bleibt doch entweder nur Spekulation oder ein "so what?"
nofan 14.11.2013
4. Aha
Welche Kinder wurden denn da untersucht??
annoo 14.11.2013
5. Herzlichen Glückwunsch...
Zitat von catcargerryAus den Ausführungen zur sozialen Benachteiligung wird deutlich, dass sie auch hier kein Umverteilungsproblem ist, sondern die Ursache in der Erziehungs- und Sozialverweigerung der Eltern liegt. Deren Opfer sind diese Kinder. Die Reparaturverpflichtung der Gesellschaft bestreite ich nicht.
...Ihr Weltbild ist erfrischend simpel. Besagte Eltern sind nicht nur Sozialverweigerer, sie riechen auch alle nach Knoblauch, stimmts? (Falls es nicht klar wurde, das war ironisch)
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