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Kinderlähmung im Nahen Osten: Ärzte warnen vor steigender Polio-Gefahr für Europa

Schluckimpfung eines syrischen Kindes in Damaskus gegen Polio: Risiko für Kinderlähmung steigt Zur Großansicht
AP/ UNICEF

Schluckimpfung eines syrischen Kindes in Damaskus gegen Polio: Risiko für Kinderlähmung steigt

Der Polio-Ausbruch im Nahen Osten bereitet Experten Sorgen. Deutsche Ärzte warnen vor einer erhöhten Gefahr für Kinderlähmung in Europa. Nicht nur syrische Flüchtlinge könnten die Viren einschleppen, auch für Israel-Urlauber besteht ein Risiko.

Das Ziel, die Ausrottung von Polio-Viren, schien zum Greifen nah. Doch Meldungen dieser Tage geben der Hoffnung einen Dämpfer: Die Kinderlähmung könnte Jahre nach dem letzten Fall in Europa aus Expertensicht über Syrien wieder zurückkehren. Für Israel-Urlauber bestehe ebenfalls ein verstärktes Infektionsrisiko, schreiben der Epidemiologe Martin Eichner von der Universität Tübingen und Stefan Brockmann vom Reutlinger Kreisgesundheitsamt im Medizinjournal "The Lancet".

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte vor etwa einer Woche vor der Gefahr gewarnt, dass Flüchtlinge aus Syrien Polio-Viren auch nach Deutschland übertragen könnten. "Das gilt es zu vermeiden. Wichtig ist, bei Einreisenden aus betroffenen Ländern den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls zu impfen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger.

Schlechte Impfquote in Syrien

Während in Israel bisher nur vermehrt Infektionen mit dem Polio-Virus aufgetreten seien, habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Syrien bereits einen Ausbruch mit mindestens zehn Krankheitsfällen bestätigt, schreiben die Autoren im "Lancet". Das Problem: Bereits vor dem Bürgerkrieg habe 2011 die Impfquote in Syrien nur bei rund 75 Prozent gelegen, sagte Eichner der dpa.

Auf einen Krankheitsfall kämen zudem häufig Hunderte oft unbemerkt Infizierte. Daher gelte es, das weitere Ausbreiten der Erreger zu verhindern. Wegen einer geringen Impfrate seien in Europa die Länder Bosnien-Herzegowina, die Ukraine und Österreich besonders gefährdet.

Die Forscher wollen ihre Arbeit jedoch nicht als Beitrag in der Debatte um die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen gedeutet wissen. Flüchtlinge werden bei der Ankunft in Deutschland in Aufnahmestellen auf Krankheiten untersucht, und es wird ihnen zu einer Impfung geraten, erklärte Brockmann. In Israel gebe es wieder mehr Schluckimpfungen. Die Forscher raten dennoch, in Gegenden mit vielen syrischen Flüchtlingen verstärkte Kontrollen in Erwägung zu ziehen.

Auch der Bundesverband Polio Selbsthilfe e.V. hatte angesichts des Ausbruchs in Syrien das Bundesgesundheitsministerium und das RKI zu zu einer neuen Impfkampagne aufgefordert: "Wir sind in Deutschland nur dann vor einer Epidemie geschützt, wenn 95 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft sind", sagte die Vorsitzende Karola Rengis in einer Mitteilung. Doch Rengis zufolge belegen Zahlen, zum Beispiel vom Landesgesundheitsamt Niedersachsen, dass für zehn Prozent aller Schulanfänger keine Impfausweise vorgelegt werden. Die Impfmüdigkeit der Eltern sei nicht mehr zu übersehen.

Noch im April dieses Jahres hatte die WHO erklärt, sie wolle Polio bis 2018 weltweit ausrotten. Doch seither hat es mehrere regionale Ausbrüche etwa in Kenia, Südsudan, Somalia, Äthiopien und Kamerun gegeben.

cib/dpa

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1. Na
biddebidde 08.11.2013
wo sind die ganzen schreienden Impfgegner?Oder ist das auch wieder eine Verschwörung der Pharmalobby mmh?
2.
romanpg 08.11.2013
ich seh's schon kommen.. Gleich legen hier die Impfgegner wieder los und erzählen wieder einen für impfschäden. Für die, die es immer noch nicht verstanden haben: Seuchen wie Polio, Pocken, Tetanus u.a. haben über die Jahrhunderte Millionen von Menschen dahin gerafft. Die einzige Möglichkeit diese Seuchen einzudämmen, ist nunmal die flächendeckende Impfung der Bevölkerung. Außerdem stellen nicht geimpfte ein Gesundheitsrisiko dar. Nicht nur für sich selbst, söndern vor allem für die schwächsten in unserer Gesellschaft, die nicht geimpft werden können
3. Gähn ...
rodelaax 08.11.2013
Ich warte jetzt wieder auf die wirren Argumente der esoterischen Impfgegner. Normalerweise müßte jedes deutsche Kind und auch die Erwachsenen doch gut gegen Polio geschützt sein. Die Kinder- und Allgemeinärzte bemühen sich schon, dass jeder geimpft wird. Wer es nicht tut ist selber schuld!
4.
pittiken 08.11.2013
Zitat von sysopAP/ UNICEFDer Polio-Ausbruch im Nahen Osten bereitet Experten Sorgen. Deutsche Ärzte warnen vor einer erhöhten Gefahr für Kinderlähmung in Europa. Nicht nur syrische Flüchtlinge könnten die Viren einschleppen, auch für Israel-Urlauber besteht ein Risiko. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kinderlaehmung-aerzte-warnen-vor-steigender-polio-gefahr-in-europa-a-932443.html
Wer geimpft ist und seinen Impfstatus immer wieder auf dem laufenden hält, sollte doch auf der sicheren Seite sein.
5. Pflicht-Impfung bei Einreise
AndreB 08.11.2013
Ich kann echt nicht verstehen, wie "nur" zu einer Impfung geraten werden kann? Wenn die Flüchtlinge einreisen wollen, dann sollen die auch alle notwendigen Impfungen nachholen und zwar als Pflicht. Ich gehe ja mal davon aus, dass die weit größere Sorgen als eine kleine Spritze haben. Klar wird es, wie überall, auch unter den Flüchtlingen Impfgegner geben, aber was ist hier eher von Bedeutung: das Gemeinwohl oder die Meinung eines Einzelnen?
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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