Zugewanderte Mediziner: Kammerchef beklagt schlechtes Deutsch von Ärzten

Deutschland gehen die Ärzte aus, deshalb werden sie zunehmend aus dem Ausland rekrutiert. Doch jetzt beklagt der Präsident der Berliner Ärztekammer: Die Mediziner könnten oft kaum Deutsch - das Risiko für Patienten steige.

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Corbis

Arzt im Krankenhaus: "Richtig miese Gesundheitspolitik"

Berlin - Nein, es geht nicht um Fachchinesisch, das inzwischen viele Ärzte von ihren Patienten trennt. Es geht schlicht um fehlende Kenntnisse der deutschen Sprache von Medizinern, die nach Ansicht des Präsidenten der Berliner Ärztekammer zu einem ernsthaften Problem im Gesundheitswesen werden. Es häuften sich Beschwerden von Patienten, die sich mit ihrem Arzt nicht mehr verständigen können, sagte Kammerpräsident Günther Jonitz am Montag im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Und Chefärzte berichteten, dass sie sich nur noch mit einem Drittel ihrer Mitarbeiter auf Deutsch unterhalten könnten.

Diese Verständigungsprobleme belasten laut Jonitz die Arzt-Patienten-Beziehung und seien eine der Hauptursachen dafür, wenn in der Behandlung etwas schieflaufe. Auch würden die Ärzte, die gut und fließend Deutsch könnten, mehr und mehr von der unmittelbaren Patientenversorgung abgezogen, um Arztbriefe oder Berichte zu schreiben. "Die Risiken insgesamt steigen", mahnte der Berliner Ärztekammerpräsident.

Wegen des Ärztemangels arbeiten immer mehr Mediziner etwa aus Osteuropa, Griechenland, aber auch aus arabischen Ländern in Deutschland - allerdings häufig ohne gute Sprachkenntnisse zu haben. Früheren Angaben des Verbands der Krankenhausdirektoren zufolge liegt der Anteil ausländischer Assistenzärzte gerade in kleineren Kliniken oft bei mehr als 50 Prozent.

"Richtig miese Gesundheitspolitik"

Der Berliner Ärztekammerpräsident Jonitz sieht die Ökonomisierung des Gesundheitswesens als Ursache der Entwicklung. So lege eine "richtig miese Gesundheitspolitik" zu viel Wert auf Zahlen und wirtschaftliche Erträge und vergesse die Menschen im System. Dies würden sich deutsche Ärzte und Krankenschwestern mittlerweile jedoch nicht mehr bieten lassen: "Wer kann, geht weg, geht in andere Länder und arbeitet dort, wo er als Arzt oder als Krankenschwester angesehen ist - in der Schweiz, in Skandinavien, in England, in Frankreich, in Holland - und diese Lücken werden dann gestopft mit den Ärzten, die aus den Ländern kommen, wo es noch schlimmer ist.

Die Bundesregierung und Gesundheitspolitiker sehen dagegen die Verbände und Kliniken in der Pflicht, sich um eine bessere Integration von zugewanderten Ärzten zu kümmern. Statt sie einzugliedern, würden ausländische Ärzte gern nur als Lückenbüßer eingesetzt, sagte etwa der SPD-Politiker Karl Lauterbach in der Vergangenheit.

yes/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 322 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kann ich nur bestätigen
blaudistel 31.12.2012
Ich wurde innerhalb von 2,5 Jahren dreimal stationär behandelt. Jedesmal war die russische Stationsärztin - sehr nett übrigens - mit von der Partie. Ihr Deutsch jedoch hat sich in 2,5 Jahren sage und schreibe nicht um einen Deut verbessert. Ich habe manchmal raten müssen was sie meint und zur Sicherheit sehr viel nachfragen müssen ...
2. Eins geht nur
schandmaul1000 31.12.2012
Klinik-Chefs mit übervollen Taschen oder auskömmlich bezahlte Mitarbeiter.
3. Endlich
syssifus 31.12.2012
wird das Problem mal beim Namen genannt.Die mangelhaften Deutschkentnisse,sind ein Risiko für den Patienten.Ärzte aus anderen Ländern,werden schlechter bezahlt und dienen als Lohndrücker.Einen Arzt,mit dem man sich nicht verständigen kann,sollte man ablehnen und das gaaa..nz deutlich formulieren.Auch die Ausländerfeindlichkeits-Keule,würde ich ertragen,da mir mein Leben lieber ist,als die P.C.Es gibt auch schon Ärzte in "Leiharbeit",traurig aber wahr !
4. sollen sie einfach
spon-facebook-10000145146 31.12.2012
den leuten links zu ihren krankheiten schicken. dann können die sich selbst informieren.
5. Ja, stimmt ....
Analogkäse 31.12.2012
meine alte Hausärztin hat ihre Praxis einem Mediziner russischer Herkunft vermacht. Da taucht dieses Problem der Sprache natürlich auch auf. Schön isses nicht für die Patienten...
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