Klinik-Skandal in Donauwörth Arzt könnte Patienten mit verunreinigten Spritzen infiziert haben

Ein Anästhesist soll in Bayern mehrere Patienten mit Hepatitis C angesteckt haben, die Zahl der Betroffenen ist auf 23 gestiegen. Möglicherweise nutzte der Arzt dieselben Spritzen für sich und Patienten.

Donau-Ries Klinik in Donauwörth
DPA

Donau-Ries Klinik in Donauwörth


In Donauwörth wird ein ehemaliger Narkosearzt verdächtigt, bei Operationen seine Patienten reihenweise mit Hepatitis C angesteckt zu haben. Bei ihren Ermittlungen stoßen Klinik und Gesundheitsamt auf immer mehr Betroffene. Bis Freitagmittag waren insgesamt 23 Fälle bekannt.

Der Mediziner, der selbst an Hepatitis C litt, arbeitet seit einigen Monaten nicht mehr in Donauwörth. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie untersucht auch, ob der Mann sich selbst Arzneien gespritzt und dieselben Spritzen dann für Patienten verwendet hat. Normalerweise wird die Infektion nur über Blutkontakt übertragen. Eine Ansteckungsgefahr besteht zum Beispiel auch bei unhygienischen Bedingungen während des Tätowierens.

Der Beschuldigte war medikamentenabhängig. Zuletzt hatte er im Oktober etwa zwei Wochen lang in einem Klinikum in Baden-Württemberg gearbeitet. Nach Angaben des Landratsamtes hat man sich von dem Arzt getrennt. Bei Hepatitis C handelt es sich um eine Leberentzündung, die durch Hepatitis-C-Viren verursacht wird.

Bereits mehr als 1000 Patienten kontaktiert

Vergangene Woche berichtete das Landratsamt Donau-Ries zunächst von vier Patienten, die sich im kommunalen Krankenhaus mit Hepatitis C angesteckt haben. Das Gesundheitsamt hatte daraufhin knapp 700 Patienten angeschrieben, bei denen der Arzt zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 der leitende Anästhesist war. Den Betroffenen wird geraten, sich beim Hausarzt auf Hepatitis C testen zu lassen. Von der Liste wurden bisher etwa 320 getestet, davon 23 positiv.

Von einer zweiten Liste mit 500 Patienten, bei denen der Beschuldigte als Ersatz-Narkosearzt eingesetzt war, hat das Gesundheitsamt bisher 330 Personen angeschrieben. Derzeit wird eine dritte Liste mit Personen erstellt, die anderweitig mit dem beschuldigten Mediziner in Kontakt waren. Wie viele Personen auf dieser Liste stehen, ist noch unklar.

"Der Klinik war zum fraglichen Zeitpunkt weder die Hepatitis-C-Infektion noch die Medikamentenabhängigkeit des Anästhesisten bekannt", betonte das Landratsamt.

Infektionen bleiben anfangs oft unbemerkt

Eine Hepatitis-C-Infektion führt laut Deutscher Leberhilfe anfangs nur sehr selten zu Beschwerden, bei 20 bis 50 Prozent heilt sie innerhalb des ersten halben Jahres von alleine wieder aus. Bei den verbleibenden Betroffenen bleibt das Virus jedoch im Körper, sie entwickeln eine chronische Leberentzündung. Ohne Behandlung drohen Spätfolgen wie eine Zirrhose oder Leberkrebs.

Wird eine Infektion mit Hepatitis C erkannt, kann ein Großteil der Patienten geheilt werden. Die Therapien dauern in der Regel zwischen acht und zwölf Wochen, neue Medikamente haben das Risiko für Nebenwirkungen in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt.

In Deutschland sind 400.000 bis 500.000 Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Weltweit leiden etwa 70 Millionen Menschen unter der chronischen Form der Erkrankung.

irb/dpa

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