AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 28/2014

Gutachten Kliniken richten Behandlungsmethoden nach Profit aus

Welche Therapie Krankenhäuser empfehlen, hängt auch davon ab, wie viel Geld sie damit verdienen können. Zu diesem Schluss kommt nach SPIEGEL-Informationen ein unveröffentlichtes Gutachten. Die Autoren empfehlen eine Reform des Fallpauschalensystems.

Wegweiser zu einer Ambulanz: "Nicht gewollte Anreize"
picture alliance / dpa

Wegweiser zu einer Ambulanz: "Nicht gewollte Anreize"


Hamburg - Kliniken entscheiden sich häufiger für eine bestimmte Behandlungsmethode, sobald sie damit mehr Geld verdienen – zu diesem Ergebnis kommen nach SPIEGEL-Informationen der Hamburger Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg und sein Berliner Kollege Reinhard Busse in einem noch unveröffentlichten Gutachten. Im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Krankenkassen ergründeten die Forscher, warum die Zahl der stationären Behandlungsfälle von 2007 bis 2012 um 1,4 Millionen auf 18,6 Millionen gestiegen war.

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Heft 28/2014
Die kühnen Strategien des Joachim Löw

Die Vergütung medizinischer Leistungen wird jedes Jahr neu bewertet. Die Experten stellten fest, dass die danach lukrativeren Behandlungen fortan auch häufiger durchgeführt wurden – insbesondere wenn sie zugleich medizinisch gut planbar waren und der Patient nur kurz in der Klinik bleiben musste.

In den Uni-Kliniken dagegen stieg zugleich die Zahl von Notfallbehandlungen überproportional. Die Autoren empfehlen eine Reform des Fallpauschalensystems. Die Vergütung müsse wieder stärker an Diagnosen als an Prozeduren ausgerichtet werden, um "nicht gewollte Anreize" zu vermeiden – zum Beispiel bei der Entscheidung für Operationen statt anderer Therapien.

Die ganze Meldung zum Klinikgutachten lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
zaphod1965 06.07.2014
1. Na, so eine Überraschung!!!
Jetzt sind wir aber echt überrascht, was? Aber egal. Das System der Fallpauschalen hat zwar Hunderte das Leben gekostet und Tausenden eine schlechtere Lebensqualität verpasst, aber das ist ja scheißegal, wenn man mit den gesparten Krankenkassengeldern den Staatshaushalt aufpeppeln kann (oder wo die Überschuss-Milliarden geblieben, Herr Schäuble? Na?). Und die Krankenhäuser haben diese Perversion der Gesundheitspolitik an die Ärzte weiter gegeben- durch unmoralische Prämienverträge.
petrasha 06.07.2014
2. das ist doch gewollt
das wird nie anders werden, wenn kliniken wie einzelhandelsgeschäfte funktionieren und finanzieren sollen. klaro! dank an die politische klasse.
dani7830 06.07.2014
3.
warum muss ein Krankenhaus profit machen. ein Krankenhaus soll Menschen heilen oder sogar retten. aber scheiß aufs Menschenleben. erst das Geld dann das leben. und wer kein geld hat hat halt pech. schon komisch das leben. man muss immer hoffen das einem es immer gut geht und nie ins Krankenhaus muss. den dirt bist du ein kunde und kein Patient.
Milkshake 06.07.2014
4.
Wow, da bin ich ja totaaal überrascht! In der Medizin hat Profit nichts zu suchen, das gehört in staatliche Hände.
GibtsJaNet 06.07.2014
5. Mir ist nicht klar
, wieso man mit Krankheit, Leid und Tod auch noch Gewinn machen muß. Moral ist anscheinend ein Fremdwort. Hat uns dieser Staat nicht zu Lebzeiten schon genug ausgequetscht?
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