Lange Strecken: Koffein schützt Brummifahrer vor Unfällen

Langes Sitzen, Schichtarbeit, gerade Autobahnen: Fernfahrer müssen häufig mit Müdigkeit kämpfen, dann drohen Unfälle. Eine Studie mit mehr als tausend Lastwagenfahrern zeigt jetzt, dass Koffein helfen kann. Der Konsum senkt das Unfallrisiko stark - Pausen kann er jedoch nicht ersetzen.

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Corbis

Stunden am Steuer: Lange Fahrten fordern den Körper

Wachbleiben kann für Fernfahrer zur Herausforderung werden. Die Landschaft rauscht monoton am Fenster vorbei, sie sitzen die ganze Zeit in einer starren Position. Hinzu kommt die Schichtarbeit, häufig sind die Fahrer auch nachts unterwegs. Die Folge: Die Augenlider werden schwer, der gefürchtete Sekundenschlaf droht. Eine Studie aus Australien zeigt jetzt, dass Koffein Lkw-Fahrer auf langen Strecken schützen kann. Brummifahrer, die sich bei Müdigkeit mit Koffein wachhalten, bauen demnach weniger Unfälle.

Bisher wurde der Effekt von Koffein auf die Konzentration von Lkw-Fahrern nur im Labor oder mit Fahrsimulatoren untersucht, schreiben die Forscher um Mark Stevenson vom Monash Injury Research Institute im "British Medical Journal". Ziel ihrer Studie war es, die Auswirkungen des beliebten, aufputschenden Stoffes nun auch im Alltag der Fernfahrer zu analysieren.

Dafür ließen sich die Wissenschaftler von der Polizei alle Unfälle mit Lkw-Beteiligung melden, die zwischen Dezember 2008 und Mai 2011 auf den Straßen der australischen Staaten New South Wales und Western Australia passierten. Die beteiligten Fahrer bekamen anschließend eine Einladung zur Teilnahme an der Studie. Damit sie die Fragen - unter anderem auch zu illegalen aufputschenden Drogen - ehrlich beantworteten, sicherten ihnen die Forscher Anonymität zu. Zudem passten sie an Raststätten zufällig Lkw-Fahrer ab und befragten diese ebenfalls. Die zufällig ausgewählten Fernfahrer bildeten die sogenannte Kontrollgruppe.

Mehr als 1000 Teilnehmer - die Hälfte kurz nach einem Unfall

Insgesamt konnten die Forscher mehr als 1000 Fahrer für ihre Studie gewinnen - 530 von ihnen in der Unfall-, 517 in der Kontrollgruppe. Alle Teilnehmer fuhren Fahrzeuge mit mindestens zwölf Tonnen Leergewicht und steuerten Ziele an, die sich mehr als 200 Kilometer von ihrer Basis entfernt befinden. Neben dem Koffeinkonsum befragten die Forscher die Teilnehmer unter anderem zu ihrer Schlafqualität, ihrem Drogenkonsum und ihrer körperlichen Aktivität - Faktoren, die neben Fahren und Koffein einen Einfluss auf die Müdigkeit haben könnten.

In der Kontrollgruppe griffen die Fahrer wesentlich häufiger zu Tee, Kaffee und Energydrinks oder nahmen Koffeintabletten, wenn sie müde waren. Mehr als jeder Dritte (rund 37 Prozent) konsumierte regelmäßig große Mengen Koffein mit mehr als 400 Milligramm pro Tag. Das entspricht dem Koffeingehalt von etwa vier Tassen Kaffee, fünf Dosen Energydrink, acht Gläsern koffeinhaltige Limonade oder vier Koffeintabletten. Bei den Unfallfahrern konsumierten nur 13 Prozent regelmäßig eine so große Menge des aufputschenden Stoffes.

Der Koffeinkonsum zahlte sich offenbar aus: Nachdem die Forscher Faktoren wie das Alter, die Schlafdauer oder die gefahrenen Kilometer herausgerechnet hatten, kamen sie zu dem Schluss, das der Konsum von Koffein die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall um 63 Prozent senken kann. Legale Substanzen wie Koffein könnten somit Teil einer Strategie sein, mit der sich Müdigkeit am Steuer und somit das Risiko für Unfälle bei Fernfahrern verringern lasse, schreiben die Forscher. Da das Koffein nur für eine kurze Zeit wirke, könne es aber Pausen, Nickerchen und einen guten Arbeitsplan nicht ersetzen.

Koffein: In großen Mengen auch mit Nebenwirkungen

Da frühere Untersuchungen darauf hingedeutet hatten, dass unter Fernfahrern auch der Konsum illegaler aufputschender Drogen verbreitet ist, befragten die Wissenschaftler ihre Teilnehmer außerdem zur Einnahme von Amphetaminen (Speed), Kokain und Ecstasy. Mit rund drei Prozent der Fahrer gaben nur wenige an, solche Drogen zu konsumieren. Dies könnte damit zusammenhängen, dass in Australien 2008 die Drogentests für Lkw-Fahrer verschärft wurden oder dass die Fahrer aus Angst vor Konsequenzen den Konsum nicht eingestehen wollten, schreiben die Forscher. Aufgrund der geringen Fallzahl konnten sie aus den Daten keinen Schluss zum Einfluss der Drogen auf die Verkehrssicherheit ziehen.

Bei Koffein handelt es sich um ein Alkaloid, das das Zentrale Nervensystem stimuliert. Es gilt als nachgewiesen, dass der Stoff die Aufmerksamkeit bei Schichtarbeitern steigern und die Aufnahmefähigkeit verbessern kann. Konsumieren Menschen viel Koffein, kann es allerdings zu Schlafstörungen kommen. In den USA und Neuseeland wird momentan außerdem über ernsthafte Nebenwirkungen des Konsums von großen Mengen Koffein diskutiert: Haben Menschen eine Vorerkrankung, etwa ein Herz-Kreislauf-Problem, sollten sie vorsichtig sein. Auch Schwangeren und Kindern kann Koffein in großen Mengen schaden. Für einen gesunden Erwachsenen allerdings stellen Kaffee, Tee und Energydrinks kein Risiko dar.

irb

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Ich glaub es nicht ...
TeslaTraX 20.03.2013
Also Koffein schützt Brummifahrer vor Unfällen ?? Ich dachte, es schützt eher vor dem einschlafen. Oder ist der auch geschützt wenn jemand frontal in ihm hineinfährt ? Was für ein Deutsch bekommt man denn heute beigebracht ?!?! Jedenfalls kein gutes ....
2. Klar...
BettyB. 20.03.2013
Da hatte der Tscheche wohl Kaffee getrunken: http://www.spiegel.de/panorama/unfall-auf-a6-lkw-fahrer-faehrt-bewusstlos-auf-der-autobahn-a-889942.html
3. Zucker
noalk 20.03.2013
Wurde auch untersucht, wie's mit dem Zuckerkonsum durch Getränkeaufnahme aussah? Energydrinks und etliche Colagetränke z.B. enthalten große Mengen Zucker, der auch vorübergehend wach macht. Durch erhöhten Insulinausstoß droht dann allerdings noch stärkere Müdigkeit, die sich wiederum durch weitere Zuckerzufuhr überbrücken lässt.
4. Kaugummi
rbwntr 20.03.2013
hilft auch! Das Kauen verbessert die Hirndurchblutung und hält wirklich wach. Der Selbstversuch ist unschädlich! Auf die Dauer hilft aber nur Schlaf!
5. Interessant ist der Schluss des Artikels
freidenker49 21.03.2013
In dem die negativen Nebenwirkungen von viel Coffein angedeuteter werden. Sonst erschiene das ganze eher als eine Auftragsforschung von Red Bull und der Kaffeeindustrie. Viel wichtiger sind gesetzlich vorgeschriebene und flächendeckend kontrollierte Pausen.
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