Komplikationen: Qualität der deutschen Kliniken schwankt stark

Griff zum Skalpell: Nicht in jeder Klinik verlaufen Behandlungen gleich erfolgreich Zur Großansicht
DPA

Griff zum Skalpell: Nicht in jeder Klinik verlaufen Behandlungen gleich erfolgreich

Ob eine Operation glückt, hängt auch von der Wahl des Krankenhauses ab, haben AOK-Wissenschaftler herausgefunden. Sie untersuchten das Risiko für Komplikationen nach einem Eingriff in verschiedenen deutschen Kliniken. Dabei stießen sie auf deutliche Unterschiede.

Kaputte Hüfte? Angeknackstes Knie? Wer auf der Suche nach einer Klinik ist, sollte sich am besten gut informieren und nicht einfach in das nächste Krankenhaus um die Ecke gehen, zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach hängt auch vom Krankenhaus ab, wie häufig oder selten Patienten Opfer von Komplikationen werden.

Die Qualitätsunterschiede zwischen den deutschen Kliniken sind laut der Auswertung deutlich: In den Kliniken, die bei der Bewertung zu den besten 25 Prozent gehören, haben nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks nur rund zwei Prozent der Patienten so große Probleme, dass innerhalb eines Jahres eine neue Prothese eingesetzt werden muss. Bei den schlechtesten 25 Prozent der Kliniken hingegen müssen im Durchschnitt bei mehr als fünf Prozent der Patienten die Gelenke noch einmal ausgetauscht werden.

Auch andere Bereiche sind von den Schwankungen betroffen: Nimmt man chirurgische Komplikationen, Hüftbrüche, Thrombosen und anderes zusammen, liegt beim Viertel der Krankenhäuser mit den geringsten Problemen die Komplikationsquote bei 8,2 Prozent. Bei dem Viertel der Krankenhäuser mit den meisten Problemen sind es fast 15 Prozent.

"Großes Potential an Qualitätsverbesserungen"

Die Ergebnisse zeigten, "dass hier ein großes Potential an Qualitätsverbesserungen von den Kliniken gehoben werden muss", sagt Uwe Deh vom Vorstand des AOK-Verbands. Er forderte eine Debatte über die Gründe für eine schlechte Behandlungsqualität.

Der Krankenkassen-Spitzenverband hatte zuletzt mehr Transparenz verlangt. So müssten Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch nahe dem Hüftgelenk laut einer anderen Studie oft länger als 48 Stunden auf eine Operation warten. Seit Einführung entsprechender Prüfungen 2003 werden immer mehr Klinik-Bereiche von Instituten, die die Klinikdaten auswerten, unter die Lupe genommen. Die Mehrheit der Kliniken erreicht heute vorgegebene Ziele.

2011 haben Ärzte laut den medizinischen Diensten der Krankenversicherung mehr als 4000 Behandlungsfehler begangen. Am häufigsten konfrontierten die Patienten Orthopäden und Chirurgen mit Vorwürfen. Der medizinische Dienst der Krankenkassen erfasst nur einen Teil der Beschwerden, die tatsächliche Zahl der Behandlungsfehler liegt also noch deutlich höher.

irb/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und wie informiert man sich?
chris_42 26.10.2012
Der Artikel kommt zum richtigen Zeitpunkt, weil bei meiner Mutter das Einsetzen einer Hüftprothese ansteht. Nun aber die Frage: Wie findet man denn heraus, welche Krankenhäuser (in diesem Fall im Umkreis Aachen) zu den besagten besten 25% gehören? Auf der weißen Liste (http://www.weisse-liste.de/) habe ich solche Infos jedenfalls nicht gefunden (ansonsten aber eine tolle Sache, soweit ich das beurteilen kann). Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand da einen Hinweis geben würde!
2.
Markenfetischist 26.10.2012
Zitat von chris_42Der Artikel kommt zum richtigen Zeitpunkt, weil bei meiner Mutter das Einsetzen einer Hüftprothese ansteht. Nun aber die Frage: Wie findet man denn heraus, welche Krankenhäuser (in diesem Fall im Umkreis Aachen) zu den besagten besten 25% gehören? Auf der weißen Liste (http://www.weisse-liste.de/) habe ich solche Infos jedenfalls nicht gefunden (ansonsten aber eine tolle Sache, soweit ich das beurteilen kann). Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand da einen Hinweis geben würde!
Ist zwar mit einer Internetrecherche schnell zu finden, aber die Weigerung bei SpOn externe Links in die Artikel einzubetten nimmt manchmal groteske Züge an. Hier die Links: Am wichtigsten, auf Krankenhaus klicken natürlich: AOK-Gesundheitsnavi - Startseite (http://www.aok-gesundheitsnavi.de/) Pressemitteilungen des WIdO: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO): QSR-Ergebnisse im AOK-Krankenhausnavigator (http://www.wido.de/kh-navigator.html) Pressemitteilung der AOK: AOK-Bundesverband - Presse - Pressemitteilung - Neue QSR-Daten zur Behandlungsqualität in Krankenhäusern (25.10.12) (http://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2012/index_09076.html)
3. Hüft-Op
Brigitte V 27.10.2012
Zitat von chris_42Der Artikel kommt zum richtigen Zeitpunkt, weil bei meiner Mutter das Einsetzen einer Hüftprothese ansteht. Nun aber die Frage: Wie findet man denn heraus, welche Krankenhäuser (in diesem Fall im Umkreis Aachen) zu den besagten besten 25% gehören? Auf der weißen Liste (http://www.weisse-liste.de/) habe ich solche Infos jedenfalls nicht gefunden (ansonsten aber eine tolle Sache, soweit ich das beurteilen kann). Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand da einen Hinweis geben würde!
Hallo Chris, die besten Kliniken hier in Deutschland für Hüft-Ops sind in Meerbusch-Lank und Kaiserswerth bei Düsseldorf. Die beiden haben 1er-2er Ränking. Kam vor ein paar Tagen im TV, zufällig gesehen. Meine Mutter war in Meerbusch Lank und sehr zufrieden, der Freund meiner Freundin war in Kaiserswerth und ebenfalls sehr zufrieden. Hoffe, ich kann dir damit ein bisschen weiterhelfen. Gruß Brigitte
4. zeigt her...
Nemetz 27.10.2012
Karten auf den Tisch! WER begeht bei welcher Diagnose wie oft welche Fehler mit welcher Wahrscheinlichkeit? Wie hoch sind genau die Komplikationsraten je Krankenhaus? Wo sind die guten, wo die schlechten Krankenhaeuser (und nicht "Kliniken", wie SPON schreibt) in unserem Lande?
5. Das Problem sind nicht die Ärzte....
Deep Thought 27.10.2012
... Sondern die ausschliesslich an Gewinnmaximierung orientierten Grossen Heuschrecken im Gesundheitswesen, die privaten Kliniksbetreiber. Ein kurzer Hinweis zum Augen öffnen: (Prof. Dr. Schulte-Sasse: Schwesternnarkose (http://medizinrecht-schulte-sasse.de/patientenschaedigung/fallbeispiele/schwesternnarkose.html)) Die gnadenlose Kostensenkung, koste es, was es wolle - und sei es Menschenleben. Ebenso selektieren die privTen Kliniksbeteiber sehr sorgfältig ihre Patienten. wer ein hohes perioperatives Risiko hat, bekommt "zufällig" oftmals keinen OP-Termin oder eine abschckend lange "Wartezeit" Durch das Vermeiden von Hoch-Risikopatienten sparen diese Betriebe nicht nur Geld auf KOSTEN seriöser öffentlicher Krankenhäuser ( und damit auf Kosten der Steuerzahler ) , sondern so werden auch die "Qualitätsberichte" nicht mehr vergleichbar, weil man tendenziell eher gesundere Patienten operiert. Wohlgemerkt: Die Idee der Transparenz ist gut und wichtig ! Aber wer einmal in solchen Privaten Krankenhauskonzernen gearbeitet hat, der weiß nur zu gut zwischen dem schönen Schein r Werbung und der bitteren Realität brutalst personaleinsparungen und Ausbeutung des ärztlichen wie nichtärztlichen Personals zu unterscheiden....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Krankenhäuser
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 16 Kommentare
Spektakuläre Kunstfehler
Verwechselt
Eine 78-Jährige wird im März 2008 im Krankenhaus Münchberg (Bayern) das Opfer einer Verwechslung am OP-Tisch. Statt der erforderlichen Operation am Bein wird der Frau fälschlicherweise ein künstlicher Darmausgang gelegt.
Mangelnde Hygiene
Ein vorbestrafter Schönheitschirurg wird im Dezember 2005 zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sah es als erwiesen an, dass der Mann Frauen bei Brustvergrößerungen und Fettabsaugungen nicht kunstgerecht und mit mangelnder Hygiene operierte. Einer Patientin schnitt er auf dem Wohnzimmerboden in die Brust, um Eiter zu entfernen. Nach dem Tod einer Patientin war der Arzt zuvor bereits vom Amtsgericht Wernigerode zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach der Haftentlassung verlegte er seine Praxis nach Nürnberg.
Übersehene Infektion
Das Landgericht Bielefeld spricht einem früheren Jugendfußballer nach einem Kunstfehler 1,36 Millionen Euro Schadenersatz zu. Er hatte eine Klinik auf entgangene Einnahmen als Profispieler verklagt. Der damals 18-Jährige hatte 1993 einen Meniskusabriss und einen Kreuzbandriss erlitten. Eine Infektion im Knie behandelten die Ärzte zu spät. Das Gericht wertete das als groben Behandlungsfehler.
Misslungene Herz-OP
Sechs Jahre nach dem Tod einer Patientin wird ein 67 Jahre alter Klinikbesitzer aus Straubing (Bayern) im März 2005 wegen Totschlags und Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt. Bei der Herz-OP einer 55-Jährigen wurde eine Schlagader verletzt. Obwohl der Chefarzt Komplikationen bemerkte, ließ er die lebensgefährlich Verletzte erst nach sechs Stunden in eine größere Klinik bringen. Grund für die Verzögerung waren laut Landgericht Regensburg persönliche Differenzen mit einer nahe gelegenen Konkurrenz-Klinik.
Zu später Kaiserschnitt
Die Eltern eines Kindes, das durch einen Kunstfehler behindert zur Welt gekommen ist, erhalten 400.000 Euro Schmerzensgeld. Das sieht ein im Januar 2003 vor dem Landgericht Hannover geschlossener Vergleich vor. Der Junge wurde in der Klinik in Hannover zu spät per Kaiserschnitt geboren. Er ist seither taub, blind, spastisch gelähmt, kann nicht sprechen und muss künstlich ernährt werden.
Vergessenes Operationsbesteck
Ein Chefarzt am Krankenhaus Radolfzell (Baden-Württemberg) vergisst ein Operationsbesteck im Bauch einer Patientin. Das 30 Zentimeter lange Instrument wird erst neun Monate später auf einer Röntgenaufnahme entdeckt. Der Mediziner wird 1999 für seinen Fehler zu einer Geldstrafe von 24.000 Mark (rund 12.300 Euro) verurteilt.

INFORMATIONEN FÜR BETROFFENE
Was ist ein Behandlungsfehler?
Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn ein Arzt einen Patienten nicht ordungsgemäß - das heißt nicht sorgfältig oder entsprechend der anerkannten medizinischen Standards - behandelt hat. Auch eine fehlende, falsche oder lückenhafte Aufklärung des Patienten über die Risiken eines medizinischen Eingriffes gilt als Behandlungsfehler.
An wen wende ich mich?
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit rät dazu, zuerst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder dem leitenden Klinikdirektor zu suchen. In vielen Kliniken existieren auch Beschwerdestellen, an die sich Patienten wenden können.

Weitere wichtige Ansprechpartner sind laut Bundesgesundheitsministerium die Krankenkassen: Viele können eine außergerichtliche Rechtsberatung vermitteln oder ein Gutachten durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung einholen. Dieses ist für Ärzte und Krankenhäuser zwar nicht bindend, kann aber bei einem Gerichtsverfahren nützlich sein.

Ebenfalls Hilfe bieten Verbraucherzentralen, Selbsthilfegruppen oder Patientenberatungsstellen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland betreibt unter der Rufnummer 0800-0117722 ein bundesweites kostenloses Beratungstelefon.
Welche Rolle spielen die Schlichtungsstellen der Ärztekammern?
Die Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Ärztekammern sind neben der Krankenkasse die wichtigsten Anlaufstellen, wenn ein Patient ein Gutachten zu seinem Fall wünscht. Ihr Ziel ist es, Meinungsverschiedenheiten außergerichtlich zu klären. Die Kommissionen behandeln etwa ein Viertel aller vermutlichen Arztfehler.

Die Kommissionen haben für Patienten den Vorteil, dass ihre Arbeit für sie kostenlos ist, allerdings wird ihnen vorgeworfen, dass sie nicht komplett unabhängig sind, da sie zu den Ärztekammern gehören. Vorsitzender der Gutachterkommission ist ein Jurist, der die Befähigung zum Richteramt haben muss, hinzu kommen zwei ärztliche Mitglieder, von denen mindestens einer im gleichen Fachgebiet arbeiten muss wie der betroffene Arzt.

Das Einschalten der Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen ist freiwillig, die Fälle sollten noch nicht Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens sein und dürfen in der Regel nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Sind Patient oder Arzt mit dem Ergebnis nicht einverstanden, können sie anschließend noch vor Gericht ziehen.
Wie läuft ein Gerichtsverfahren ab?
Um den Verdacht eines Behandlungsfehlers zu klären, benötigen die Patienten die Dokumentation ihrer Behandlung. Jeder Patient hat grundsätzlich den Anspruch darauf, in die Akten einzusehen und Kopien zu erhalten.

Zieht der Patient vor Gericht, muss grundsätzlich er beweisen, dass er durch eine fehlerhafte Behandlung einen Gesundheitsschaden davongetragen hat. Das Gericht unterstützt ihn jedoch bei der Aufklärung und geht den Vorwürfen nach.
Weitere Informationen
Liste des Aktionsbündnisses Patientensicherheit mit Einrichtungen, die im Schadensfall helfen: http://www.aktionsbündnis-patientensicherheit.de

Broschüre "Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern - ein Wegweiser der Bundesärztekammer": http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de

Broschüre "Patientenrechte in Deutschland" des Bundesgesundheitsministeriums: http://www.bmg.bund.de