Deutscher Arzt im Kongo Ebola-Epidemie weiter außer Kontrolle

Der deutsche Arzt Christian Kleine kämpft in der Demokratischen Republik Kongo gegen Ebola - einen der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt. Ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht.

Arzt Christian Kleine im Kongo
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Arzt Christian Kleine im Kongo


Die bewaffneten Konflikte im Osten der Demokratischen Republik Kongo machen die gefährliche Ebola-Epidemie in der Region kaum kontrollierbar. Weil die betroffene Provinz Nord-Kivu einer Bürgerkriegsregion gleiche, seien viele Gegenden mit Ebola-Patienten für Helfer nicht zugänglich, sagte der Würzburger Tropenmediziner Christian Kleine von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).

"Wir sehen daher immer wieder neue Infektionsketten, von denen wir nicht wissen, wie sie zustande gekommen sind", sagt der 42-Jährige. Er ist derzeit als klinischer Leiter eines MSF-Transitzentrums für Ebola-Patienten in der Stadt Beni im Einsatz.

Zweitschwerster Ausbruch der Geschichte

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich inzwischen um den zweitschwersten Ebola-Ausbruch der Geschichte. Seit August haben sich nach Behördenangaben vom Freitag rund um Beni mehr als 426 Menschen mit Ebola infiziert, mehr als 245 Menschen starben an den Folgen der Erkrankung. Das leicht übertragbare Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt.

Bei einer Epidemie 2014/2015 starben in Westafrika mehr als 11.000 Menschen. Infizierte können das Virus über Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß oder Erbrochenes übertragen. In Nord-Kivu haben den Behörden zufolge inzwischen gut 37.000 Menschen einen experimentellen Ebola-Impfstoff erhalten. Der WHO zufolge besteht weiter das Risiko, dass die Epidemie auf Nachbarländer übergreifen könnte - etwa Uganda oder Ruanda.

Bis wann die Epidemie unter Kontrolle gebracht werden kann, sei wegen der Sicherheitslage kaum vorherzusagen, sagt Kleine. Das Transitzentrum ist provisorisch auf einem Fußballfeld errichtet worden, um die Ebola-Behandlungszentren zu entlasten. "Wir haben Mitte November angefangen mit 16 Betten, dann 32, jetzt haben wir aktuell 48 Betten", sagt der Arzt. Die Ärzte arbeiten unter strengen Schutzvorkehrungen. "Das Tragen des Schutzanzugs ist in der prallen Hitze des Kongos nicht länger auszuhalten als eine Stunde", sagt Kleine.

"Immer wieder traurig"

Einer der härtesten Momente der Arbeit sei es, wenn erkrankte Patienten von ihren Familienmitgliedern getrennt werden müssten. "Das ist immer wieder traurig mitanzusehen. Aber die Isolation der Patienten gehört einfach dazu, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden."

In der rohstoffreichen Provinz Nord-Kivu kommt es immer wieder zu Kämpfen, weil dort mehrere Milizen und Rebellengruppen aktiv sind. Mehr dazu lesen Sie hier. Den Gruppen geht es meist um die Kontrolle über die Bodenschätze. Der Ebola-Ausbruch ist die zehnte Epidemie im zentralafrikanischen Kongo.

Im Video: Unser Kampf gegen Ebola - An der Front in Westafrika (dbate 2014)

dbate.de

koe/dpa



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