Kongo Impfstoff soll Ebola-Ausbruch eindämmen

Die Weltgesundheitsorganisation hofft, den Ebola-Ausbruch im Kongo mit einem neuen Impfstoff zu stoppen. Problem: Das Mittel muss bei mindestens minus 60 Grad aufbewahrt werden.

Ebola-Erreger im Elektronenmikroskop
AP/ Frederick Murphy/ CDC

Ebola-Erreger im Elektronenmikroskop


Wegen des Ausbruchs von Ebola im Kongo ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehr besorgt. "Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor, auch auf das Schlimmste", sagte Peter Salama, WHO-Direktor für Katastropheneinsätze, am Freitag in Genf.

Die Demokratische Republik Kongo hatte den Ausbruch am Dienstag gemeldet. Seit dem 4. April gibt es 32 vermutete, wahrscheinliche oder bestätigte Ebola-Fälle, 18 Menschen sind gestorben. Ein neuer Verdachtsfall war am Freitag aus der nordwestlich gelegenen Stadt Bikoro gemeldet worden.

Die WHO hofft innerhalb weniger Tage auf eine Genehmigung der kongolesischen Regierung, einen von der Firma Merck entwickelten Impfstoff verwenden zu können. Dieser gilt als hocheffektiv, ist bislang aber nicht zugelassen. Der Impfstoff kann für Menschen verwendet werden, die Kontakt mit Ebola-Opfern hatten, um die Ausbreitung zu verhindern.

Die Infrastruktur ist katastrophal

Das Mittel muss allerdings bei minus 60 bis minus 80 Grad Celsius aufbewahrt werden, was die Anwendung in abgelegenen Gegenden erschwert. Die Ausbruchsregion liegt laut Salama 15 Stunden mit dem Motorrad von der nächstgelegenen Stadt entfernt und die Infrastruktur sei katastrophal. "Es gibt sehr wenige befestigte Straßen, sehr wenig Elektrizität, wenig Wasser oder sanitäre Anlagen." Die WHO wolle am Wochenende 20 bis 40 Experten mit dem Hubschrauber entsenden.

"Es gibt bereits Krankheitsfälle in drei Orten, die mindestens 60 Kilometer voneinander entfernt sind", sagt Salama. Außerdem seien drei Pfleger erkrankt, einer von ihnen sei bereits verstorben. Wenn sich Ärzte oder Pflegekräfte mit Ebola anstecken, ist die Gefahr groß, dass sie durch ihren engen Kontakt zu vielen Menschen viele weitere infizieren.

Nachbarstaaten in Alarmbereitschaft

Eine unmittelbare Bedrohung besteht laut WHO für die Stadt Mbandaka und ihre rund eine Million Einwohner. Aber auch die Nachbarstaaten des Kongo wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Im Kongo kommt es immer wieder zu kleineren Ebola-Ausbrüchen. Im vergangenen Jahr starben vier Menschen daran. Das Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Bei einem Ausbruch in den Jahren 2014 bis 2016 waren in Westafrika in Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 11.300 Menschen an Ebola gestorben.

Ebola kann von infizierten Tieren auf Menschen übertragen werden und dann auch von Mensch zu Mensch. Erkrankte bekommen hohes Fieber. Sie erbrechen sich und haben extremen Durchfall, so dass sie gefährlich viel Flüssigkeit verlieren. Auch lebensbedrohliche innere Blutungen können auftreten.

wbr/dpa/rtr



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.