Kontaktlinsen Bloß nicht die Augen verdrehen

Sich ins Auge fassen, ohne dass die Lider zuschnellen: Das Einsetzen von Kontaktlinsen ist anfangs ein Krampf. Optikerin Margitta Treeter erklärt, wie man den Reflex überlistet und warum manche mit feuerroten Augen zu ihr kommen.

Kontaktlinse: Die Linse muss passen, sonst schadet sie dem Auge
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Kontaktlinse: Die Linse muss passen, sonst schadet sie dem Auge

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    Margitta Treeter ist Augenoptikerin in Chemnitz. Sie ist seit 1979 in ihrem Beruf tätig.
SPIEGEL ONLINE: Frau Treeter, ich schaffe es einfach nicht, mir Kontaktlinsen einzusetzen. Erleben Sie es häufig, dass Leute einen sehr starken Lidschlussreflex haben?

Treeter: Das ist ein normaler Schutzmechanismus. Aber man kann ihn überlisten. Sie sollten das jedoch nicht allein zu Hause üben, sondern zum Optiker gehen, der Sie anleitet.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Treeter: Allein kann einiges schiefgehen. Zu mir kamen schon morgens Leute mit feuerroten, schmerzenden Augen ins Geschäft, die alles im Alleingang gemacht hatten. Die haben die Tageslinse irgendwie reinbekommen, abends noch schnell vor der Disco. Dann haben sie sie aber nicht mehr herausgekriegt.

SPIEGEL ONLINE: Das ist auch meine große Angst.

Treeter: Es gibt da mehrere Techniken. Ein guter Optiker würde sie einem auch zeigen, weil nicht für jeden alles geeignet ist.

SPIEGEL ONLINE: Manche haben Angst, dass die Linsen hinters Auge rutschen könnten. Ist das möglich?

Treeter: Nein. Sie können höchstens mal unters Lid rutschen, wenn Sie das Auge reiben. Aber dann kriegen Sie sie immer noch raus.

SPIEGEL ONLINE: Welche Risiken gibt es?

Treeter: Bei der Hygiene sind viele nachlässig. Händewaschen ist sehr wichtig, und Sie müssen die Reinigungsflüssigkeit regelmäßig wechseln. Aber vor allem möchte ich davor warnen, auf eigene Faust Linsen zu kaufen.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Treeter: Man merkt oft nicht, wenn eine Linse nicht optimal fürs Auge ist. Es kann Ihnen passieren, dass Sie monate- oder jahrelang Linsen tragen, die zu eng auf der Hornhaut aufliegen, sodass diese nicht genügend Sauerstoff bekommt.

SPIEGEL ONLINE: Was passiert dann?

Treeter: Dann sprossen Blutgefäße in die Hornhaut ein, um sie mit Sauerstoff zu versorgen. Dadurch wird die eigentlich durchsichtige Hornhaut in diesen Bereichen trübe, und im schlimmsten Fall kann es dann schnell vorbei sein mit dem Kontaktlinsentragen, denn diese Gefäße bilden sich nicht zurück. Diesen Vorgang bezeichnet man im Fachjargon als Vaskularisation. Es gibt noch eine Reihe anderer Veränderungen, die entstehen können.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt also, dass man - anders als beim Brillenkauf im Netz - wirklich gesundheitliche Nachteile riskiert?

Treeter: Ja. Es kann auch passieren, dass sich Ihr Körper verändert und Sie plötzlich andere Linsen benötigen. In der Schwangerschaft verändert sich der Tränenfilm des Auges. Daher sollte man alle sechs Monate zur Kontrolle zu gehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie vor, wenn ein Kunde zu Ihnen kommt und Linsen will?

Treeter: Ich frage erst einmal nach seinen Wünschen. Will er sie nur für den Sport, oder möchte er sie täglich tragen? Aber der Kundenwunsch muss erfüllbar sein, und deshalb muss ich erst feststellen, welche Kontaktlinsen sich für ihn eignen. Dazu mache ich Messungen und beurteile seinen Tränenfilm. Dann gebe ich ihm Probelinsen, mit denen er üben kann.

SPIEGEL ONLINE: Wie üben Sie mit ihm?

Treeter: Ich mache dem Kunden zuerst an mir selbst vor, wie ich den Reflex überliste. Mit den Fingern der einen Hand ziehe ich von der Stirn nach unten gehend die Wimpern des Oberlides an den Knochen über dem Auge. Mit einem Finger der anderen Hand ziehe ich das Unterlid herunter. Ob die Linse auf dem Zeigefinger oder dem Mittelfinger liegt, ist jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur, die Augen beim Einsetzen nicht zu verdrehen. Das ist nicht so leicht, weil man kurz vor dem Kontakt oft Angst bekommt.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt auf YouTube einige Anleitungsvideos, wo Leute unter anderem empfehlen, die Linse seitlich einzusetzen, weil das leichter sein soll.

Treeter: Dann kann es passieren, dass Sie die Linse beim ersten Lidschlag wieder herausdrücken. Wenn Sie damit klarkommen, okay. Aber es hat sich bewährt, sie frontal einzusetzen. Die Angst vergeht, wenn Sie merken, dass die Linse auf dem Auge nicht wehtut. Eine psychologische Hilfe kann auch sein, sich vorzustellen, Sie beobachten ein "fremdes" Auge. Dann verkrampfen manche sich nicht so sehr.

SPIEGEL ONLINE: Man übt aber im Hinterzimmer, oder?

Treeter: Natürlich übt man in Ruhe in einem Raum, der alle Voraussetzungen bietet. Schon nach 10 bis 20 Minuten schaffen es die meisten.

SPIEGEL ONLINE: Manche also auch nicht?

Treeter: Es kommt vor, dass jemand mit Linsen einfach nicht klarkommt. Das liegt meist aber nicht an seinem Unvermögen, sondern hat anatomische Gründe - beispielsweise eine zu enge Augenöffnung. Auch sehr stark weitsichtigen Leuten fällt es schwer, die kleinen Linsen einzusetzen.

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
nettes Gespräch 11.12.2014
1.
naja Menschen die sich nicht gerne im Auge rumschneiden bzw. -lasern lassen, weil sie generell keine Operationen wollen. Und Menschen wie ich, die zu kurzsichtig sind als dass OPs das ausgleichen könnten.
cor 11.12.2014
2.
Alle, die Ihre Augen nicht einfach so einer Operation mit diversen Risiken aussetzen wollen und ausserdem alle, bei denen es nicht möglich ist, eine Fehlsichtigkeit durch eine Operation auszugleichen. Also die meisten. Nicht immer von sich auf andere schliessen.
schmiedt 11.12.2014
3. Faszinierend, AKrebs, wie Sie es schaffen,
von n = 1 (1 steht natürlich für ich, ich, ICH!) auf n = ALLE, "und zwar gefälligst so wie ich es sage und nicht anders, zack zack!" messerscharf zu schliessen vermögen und dabei dennoch völlig falsch liegen können. Weiter so!
Rolly 11.12.2014
4. Operation
Bei Stärken um die 10 Dioptrin und Zylinder bringt einem die OP nichts. Zumindest kann keiner garantieren, dass es danach ohne Brille geht. Und Kontaktlinsen tragen dürfte dann vorbei sein...
feedback-er 11.12.2014
5.
Auch eine Hornhaut-Verkrümmung kann ein häufiger Grund für die Inoperabilität des Auges sein!
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