Hormon Cortison: Der Entzündungsunterdrücker

Es ist ein lebenswichtiges Hormon, das Entzündungen hemmen kann: Cortison. Den Handballer Holger Glandorf hat eine Cortisonspritze fast den Fuß gekostet. Derartige bakterielle Infektionen der Einstichstelle sind selten - mit dem Cortison direkt haben sie nichts zu tun.

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Corbis

Spritze: In seltenen Fällen können beim Einstich Bakterien in die Wunde gelangen

Holger Glandorfs Spiel ist ein schmerzhaftes. Als bester Linkshänder im deutschen Handball sucht er den Kontakt zu seinen Gegenspielern, sein Körper gleicht einer Festung. Im Frühjahr 2012 allerdings klagte Glandorf wochenlang über Schmerzen im Fuß. Um ihm zu helfen und fit für ein Länderspiel zu machen, spritzte der Arzt der deutschen Nationalmannschaft dem Handballer schließlich Cortison - eine fatale Entscheidung.

Für kurze Zeit schwanden die Schmerzen. Dann allerdings erfasste hohes Fieber den Körper des Handballers, die Einstichstelle hatte sich entzündet. Grund war ein multiresistenter Staphylococcus-Aureus-Keim (MRSA). Vier Operationen musste Glandorf danach überstehen, das Ende seiner Karriere drohte. Jetzt hat der Handballer den Arzt der Nationalmannschaft auf Schadensersatz verklagt. Wurde er korrekt über die Risiken der Behandlung informiert? Die Infektion war keine Nebenwirkungen des Cortisons an sich. Stattdessen müssen die gefährlichen Keime beim Spritzen in die Wunde gelangt sein.

Was ist Cortison?

Cortison ist ein lebenswichtiges Hormon, das der Körper in der Nebennierenrinde bildet und bei Stress ausschüttet. Die aktive Form des Cortisons, das Cortisol, sorgt dafür, dass der Körper in Stressituationen möglichst viel Energie bereitstellt und verstärkt unter anderen den Abbau von Eiweiß und Fetten. Dadurch erhöht es den Blutzuckerspiegel.

Daneben hemmt Cortisol die Aktivität der weißen Blutkörperchen, die zum Immunsystem gehören. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, Krankheitserreger zu bekämpfen; sie lösen aber auch Entzündungen aus. Da Cortison diese Wirkung unterdrückt, ist es ein äußerst wichtiges Mittel in der Medizin.

Entzündungen sind Reaktionen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Auslöser können Allergene oder Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze sein. Aber auch mechanische Reize wie Druck oder Reibung können zu Entzündungen führen.

Wann kommt Cortison zum Einsatz?

Durch seinen entzündungshemmenden Effekt hilft Cortison sehr effektiv bei der Behandlung verschiedener entzündlicher Krankheiten wie Rheuma und Neurodermitis. Orthopäden injizieren es häufig auch in entzündete Gelenke, Sehnen und Bänder oder in Schleimbeutel, wie es bei Holger Glandorf der Fall war. Daneben ist es auch ein wichtiges Mittel bei allergischen Schocks.

Hinter dem Namen Cortison verbergen sich verschiedene, chemisch veränderte Glukokortikoide - eine Hormongruppe, zu der auch Cortison gehört. Je nach Krankheitsbild kann es in Tablettenform eingenommen, als Creme oder Spray verwendet oder gespritzt werden.

Zu welchen Nebenwirkungen kann es kommen?

Die Stärke und Art der Nebenwirkungen hängt von der Art des Cortisons, von der Anwendungsform, von der Dosierung und der Dauer der Anwendung ab. Bei Tabletten etwa gelangen die Hormone in den ganzen Körper, bei Cremes hingegen nur an die Stelle, an der sie wirken sollen. Auch Spritzen bringen die Hormone an den Ort der Entzündung und reduzieren dadurch die Nebenwirkungen.

Wer Cortison nur vereinzelt und lokal nutzt, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Bei einzelnen Cortisoninjektionen kann es hin und wieder passieren, dass sich die Schmerzen verstärken, dass Frauen Zwischenblutungen bei der Menstruation bekommen, oder dass sich für kurze Zeit das Gesicht errötet und es zu Hitzewallungen kommt. Diabetiker müssen damit rechnen, dass ihr Blutzuckerspiegel kurzzeitig ansteigt.

Außerdem kann sich bei Injektionen - wie beim Handballer Holger Glandorf - sehr selten die Einstichstelle bakteriell infizieren. Dies hängt allerdings nicht direkt mit dem Cortison zusammen, sondern mit dem Spritzen selbst. Denn beim Einstich können Bakterien in die Wunde gelangen, wenn die Nadel oder das Cortison verschmutzt waren. Möglich ist ebenso, dass beim Spritzen Bakterien aus der Haut in die Wunde verschleppt werden.

Welche Nebenwirkungen kann es bei einer langfristigen Einnahme geben?

Bei einer langfristigen und hochdosierten Anwendung drohen starke Nebenwirkungen. Aus diesem Grund sind Medikamente mit Cortison verschreibungspflichtig. Typische Nebenwirkungen einer langfristigen Anwendung sind unter anderem Übergewicht, eine höhere Anfälligkeit für Infekte, ein hoher Blutdruck, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe oder Osteoporose.

Daneben kann die langfristige Einnahme von Tabletten, etwa bei Allergien, auch zu einem eigenen Krankheitsbild führen, das durch hohe Cortisonwerte im Blut ausgelöst wird: dem sogenannten Cushing-Syndrom. Dabei vermehrt sich das Fettgewebe am Rumpf, im Nacken und im Gesicht, während die Muskulatur und Arme sowie Beine durch schwindende Muskeln ausdünnen. Hinzu kommen viele weitere Probleme wie Wassereinlagerungen, Hautprobleme und ein erhöhter Blutdruck.

irb

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1.
InesH 11.02.2013
Zitat von sysopEs ist ein lebenswichtiges Hormon, das Entzündungen hemmen kann: Kortison. Den Handballer Holger Glandorf hat eine Kortisonspritze fast den Fuß gekostet. Derartige bakterielle Infektionen der Einstichstelle sind selten - mit dem Kortison direkt haben sie nichts zu tun. Kortison: Wirkt gegen Entzündungen, birgt aber auch Nebenwirkungen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kortison-wirkt-gegen-entzuendungen-birgt-aber-auch-nebenwirkungen-a-882648.html)
Schön. Das eine hat mit dem anderen zwar nichts zu tun - aber nett, daß darüber gesprochen wurde. Wenn jetzt tausende Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen lassen, wenn die Blutspendebereitschaft zurückgeht, wenn diagnostische Blutentnahmen verweigert werden, weil ja überall der MRSA auf den Kanülen draufsitzen könnte - dann ist das diesem absolut hirnverbrannten Teil in einem an und für sich guten Artikel zu verdanken. InesH
2.
tothepoint 11.02.2013
Zitat von sysop... dass Frauen Zwischenblutungen bei der Menstruation bekommen...
Wie soll ich mir das vorstellen bitte? Zwischenblutungen- ok. Menstruation auch. Aber Zwischenblutungen bei der Menstruation - also Blutungen waehrend der Blutungen...?
3.
erika_mustermann 11.02.2013
Zitat von InesHWenn jetzt tausende Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen lassen, wenn die Blutspendebereitschaft zurückgeht, wenn diagnostische Blutentnahmen verweigert werden, weil ja überall der MRSA auf den Kanülen draufsitzen könnte - dann ist das diesem absolut hirnverbrannten Teil in einem an und für sich guten Artikel zu verdanken.
Hätte das denn wirklich mit jeder beliebigen Injektion passieren können? Cortison unterdrückt die Immunreaktion - hat es dann nicht auch die natürliche Abwehrreaktion gegen MRSA unterdrückt und dadurch das Problem erst akut gemacht? Dem Artikel leider nicht zu entnehmen. Sonst müsste man sich ja nicht nur bei Injektionen, sondern bei jeder blutigen Hautabschürfung Sorgen machen, dass einem bald etwas amputiert werden muss!
4. so ein Quatsch
mariakäfer 12.02.2013
Was soll die Einleitung dieses Artikels? Der restliche Artikels ist gut und informativ, aber lasst doch die blöde Geschichte weg, das braucht niemand
5. optional
renee gelduin 12.02.2013
Cortison kann ausserdem umliegendes Gewebe (und Sehnen) schädigen. Das hat schon den ein oder anderen Sportler die Achillessehne gekostet.
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