Krampfadern Venen erhalten statt zerstören

Krampfadern sind nicht nur aus ästhetischer Sicht lästig, sie können auch ernsthafte Krankheiten verursachen. Bisher wurden die ausgeleierten Venen bei der Behandlung häufig zerstört. Das muss nicht immer sein, zeigen neue Therapiemethoden.

Krampfader-Operation: Bei vielen Behandlungen werden ausgeleierte Venen zerstört
Deutsche Venen-Liga

Krampfader-Operation: Bei vielen Behandlungen werden ausgeleierte Venen zerstört


Die Rockanprobe wird zum Frusterlebnis: Krampfadern verunstalten selbst die schönsten Beine. Die typischen Behandlungsmethoden allerdings machen alles andere als Lust auf eine Therapie. Die ausgeleierten Venen werden gezogen, erhitzt, verödet. Dabei gibt es mittlerweile auch Verfahren, bei denen die Ärzte die Venen erhalten.

Krampfadern (Varizen) klingen harmlos, können aber neben lästigen schweren Beinen auch ernste Krankheiten verursachen. Eine mögliche Folge sind Venenentzündungen, die das tiefe Venensystem schädigen. Im fortgeschrittenen Stadium können Krampfadern auch offene Unterschenkelgeschwüre hervorrufen, die sich infizieren können. Gegen die Varizen gibt es seit Jahrzehnten bewährte Mittel, die allerdings allesamt die Venen zerstören. Gefäßchirurgen oder Dermatologen können die Krampfadern in einer Operation entfernen oder sie durch Hitze veröden.

Bei Frühstadien können Ärzte jedoch auch eine Methode anwenden, bei der die Venen bewahrt werden: Die sogenannte extraluminale Valvuloplastie oder das Banding. Achim Mumme vom Venenzentrum der Ruhr-Universität Bochum praktiziert die Valvuloplastie inzwischen seit Jahren. Kurz gesagt engt er dabei die ausgeleierten Stammvenen dort ein, wo sie tief im Inneren des Beines in die große Oberschenkelvene münden. Das soll verhindern, dass Blut immer wieder in der Tiefe der Beine versackt - genau das passiert bei Krampfadern.

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Krampfadern: So kann man vorbeugen
Übersteigt der Venendurchmesser sieben Millimeter, berühren sich die Segel der Venenklappen nicht mehr. Die Klappen, die in regelmäßigen Abständen an der Innenseite der Blutgefäße sitzen, sorgen eigentlich dafür, dass das Blut in den Beinen entgegen der Schwerkraft nur nach oben fließt und nicht zurück in die Tiefe. "Eine Kunststoffhaut wird bei der Valvuloplastie wie ein innerer Kompressionsstrumpf an kritischen Stellen um die Vene gelegt. Dann schließen die beiden obersten Venenklappen im Mündungsbereich wieder komplett", erklärt Mumme das Verfahren.

Der Langzeiterfolg ist noch nicht eindeutig geklärt

Eine Valvuloplastie kommt laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Frage, solange der Durchmesser der Vene in der Leistengegend nicht größer als 12 Millimeter ist. Außerdem dürfen die Patienten nicht an einer Venenentzündung oder Thrombose leiden. Ein gewisses Risiko entsteht durch den Fremdkörper, die Kunststoffhaut. "In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Infektion kommen", sagt Mumme. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose oder mit regionaler Betäubung.

Verlässliche Langzeitdaten aus randomisierten Studien gibt es zum Banding noch nicht. Eine Reihe von Untersuchungen haben jedoch den Nutzen der Valvuloplastie ergründet. In einer nicht-randomisierten Vergleichsstudie aus dem Jahr 2007 etwa schnitt die erhaltende Methode nicht schlechter ab als das Stripping, bei dem die Krampfadern operativ entfernt werden. Die mit Stripping behandelten Krampfaderleiden waren bei der Untersuchung jedoch teilweise fortgeschrittener. Mumme berichtet seinerseits von eigenen Erfahrungen über eine Zeit von bis zu zehn Jahren. Er ist davon überzeugt, dass die Valvuloplastie dem Veröden oder Entfernen der Venen nicht nachstünde. Die Stammvenen erholten sich auch dort, wo gar kein Kunststoff um das Blutgefäß gelegt werde, berichtet er.

Der Bonner Phlebologe Eberhard Rabe schränkt die positiven Ergebnisse Mummes dagegen deutlich ein: "Es gibt keine randomisierten Studien zur Valvuloplastie, so dass nicht wirklich Aussagen zur Wirksamkeit im Vergleich zu den anderen Methoden möglich sind." Mumme entgegnet dem Vorwurf, ein Vergleich mit nicht venenerhaltenden Verfahren ergebe keinen Sinn, da sonst Äpfel mit Birnen verglichen würden.

"Die Valvuloplastie bietet eine andere Behandlungsqualität als die zerstörenden Verfahren. Die Bewahrung des Organs Vene ist für Patienten mit späterem Bedarf für Bypassoperationen ein echter Zugewinn", argumentiert er. Eine randomisierte Vergleichsstudie mache für diese Patienten nur dann Sinn, wenn die Erhaltung der Vene unwichtig wäre. Venenexperte Rabe würde die Valvuloplastie dennoch nur in seltenen Fällen oder als Teil eines umfassenden und individuellen Maßnahmenpaketes einsetzen.

Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten

Neben zu wenigen Belegen sieht Rabe auch grundlegende Probleme bei der Valvuloplastie: Die Methodik basiert auf der Annahme, dass die erweiterte Stammvene in der Leistengegend Krampfadern auslöst. Über hundert Jahre lang galt diese Lehrmeinung, laut der ein Schaden weit oben am Bein sich mit der Zeit nach unten fortpflanzen kann. "Diese Lehrmeinung wird aber seit etwa zehn Jahren immer mehr in Frage gestellt. Heute stehen die Seitenäste der Venen im Mittelpunkt. In den letzten Jahren haben einige Arbeiten gezeigt, dass sich die Krampfadern selten von der Leiste aus, sondern eher in unteren Beinbereichen und dort in den Seitenästen entwickeln", sagt Rabe. Das Problem wandere also vielmehr von unten nach oben.

Allerdings ist auch diese Sicht unter Experten nach wie vor umstritten. Anhänger der Seitenast-Theorie entfernen oder kappen häufig nur diese - und verringern so den Blutrückfluss in die Stammvenen um etwa 80 Prozent. Allerdings fehlen auch für den Nutzen dieser Methoden, ASVAL (Selective Ablation of the Varicose Veins under Local Anaesthesia) und CHIVA (Cure Hemodynamique de l'Insuffisance Veneuse en Ambulatoire) genannt, noch eindeutige Belege und Langzeitdaten.

Alle drei Krampfadertherapien - Valvuloplastie, ASVAL und CHIVA - müssen also erst noch endgültig beweisen, dass sie anderen Verfahren überlegen sind. Mumme setzt die Valvuloplastie, deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen, inzwischen jedoch bei etwa 20 Prozent der Krampfaderoperationen ein. CHIVA-Operationen werden mitunter zum Beispiel kombiniert mit anderen Verfahren durchgeführt. ASVAL hingegen wird unter diesem Namen in Deutschland noch nicht eingesetzt, aber laut Rabe mitunter als Seitenastentfernung deklariert.

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
leichtlaufen 12.09.2012
1. Sanfte Krampfaderentfernung nach Dr. Linser mit Kochsalz
Es gibt ein weiteres Verfahren, das seit fast 100 Jahren angewandt wird, in der Nachkriegszeit jedoch in Vergessenheit geriet. Es geht auf Dr. Linser aus Tübingen zurück. Dr. Bruker (Vollwertkost) wandte es in seiner Klinik an. Ich habe die Behandlung im Mai durchführen lassen und die Ergebnisse sind überwältigend. So einfach und gleichzeitig so effektiv. Keine OP, keine Kompressionssocken, kein Blut, keine seltsamen Chemikalien und kein Plastik im Körper. Kein Wunder das sie in Vergessenheit geraten ist; es lässt sich vermutlich zu wenig Geld damit verdienen. Die Koryphäen auf dem Gebiet in Deutschland sind Dr. Sundaro Köster aus Witzenhausen und Dr. Berndt Rieger aus Bamberg. http://www.sanfte-krampfaderentfernung.de ; http://berndt-rieger.de/Schwerpunkte/krampfadern/default.html Ich bin sehr dankbar das ich diese schonende Behandlung finden durfte...
stefanaugsburg 12.09.2012
2. @leichtlaufen - Schleichwerbung ?
Grundsätzlich ist es begrüßenswert, wenn neue Methoden vorgestellt werden, bei Ihnen scheint es aber, wie auch z.B. in Ihrem zweiten Artikel übers Laufen zu entnehmen ist, darum zu gehen, für gewisse geschäftliche Aktivitäten Werbung zu machen. Dafür ist das SPON-Forum aber nicht gedacht, aber das wissen Sie sicher, oder ?
w b a 12.09.2012
3. ?
Zitat von leichtlaufenEs gibt ein weiteres Verfahren, das seit fast 100 Jahren angewandt wird, in der Nachkriegszeit jedoch in Vergessenheit geriet. Es geht auf Dr. Linser aus Tübingen zurück. Dr. Bruker (Vollwertkost) wandte es in seiner Klinik an. Ich habe die Behandlung im Mai durchführen lassen und die Ergebnisse sind überwältigend. So einfach und gleichzeitig so effektiv. Keine OP, keine Kompressionssocken, kein Blut, keine seltsamen Chemikalien und kein Plastik im Körper. Kein Wunder das sie in Vergessenheit geraten ist; es lässt sich vermutlich zu wenig Geld damit verdienen. Die Koryphäen auf dem Gebiet in Deutschland sind Dr. Sundaro Köster aus Witzenhausen und Dr. Berndt Rieger aus Bamberg. http://www.sanfte-krampfaderentfernung.de ; http://berndt-rieger.de/Schwerpunkte/krampfadern/default.html Ich bin sehr dankbar das ich diese schonende Behandlung finden durfte...
Nette Reklame. Hochprozentige Kochsalzlösung gegen Krampfadern? AUA
MrStoneStupid 12.09.2012
4. Alternative Maßnahmen
Rechtzeitig abspecken, auf Drogen verzichten, gesund ernähren, regelmäßig spazieren gehen und ggf. Kompressionsstrümpfe tragen. Billiger, weniger Risiko und im Notfall operieren kann man immer noch. Die Vorteile von gesundem Leben sollten gezielt beworben werden. (imho)
washington.mayfair 12.09.2012
5.
Zitat von w b aNette Reklame. Hochprozentige Kochsalzlösung gegen Krampfadern? AUA
Nein! Meine Nachbarn habe es auch gemacht. Beide über 70 Jahre, starke Krampfadern, alles weg mit dieser Salzlösung. Kann man gerne selbst googeln.
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