Infografik zur Krankenhaus-Statistik Der Trend geht zum Kurzaufenthalt

Die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland sinkt, die Zahl der Patienten aber steigt. Wie geht das zusammen? Die Infografik der Woche zeigt die Entwicklung seit 1991.


SPIEGEL ONLINE

Weniger Kliniken behandeln mehr Patienten in kürzerer Zeit - dieser Trend setzt sich in Deutschland fort, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt: Im Vergleich zu 1991 dauert der durchschnittliche Klinikaufenthalt nur noch halb so lange, gleichzeitig werden ein Drittel mehr Patienten behandelt.

Die Zahl der Krankenhäuser nimmt seit Jahren ab. Waren es 1991 noch rund 2400, zählt das Statistische Bundesamt aktuell nur noch 1979 Kliniken in Deutschland. Im Durchschnitt wurden also pro Jahr etwa 20 Häuser geschlossen. Mit der Zahl der Krankenhäuser reduzierte sich auch die der Krankenbetten. 1991 wurden noch mehr als 665.000 verzeichnet, vergangenes Jahr nur noch rund 500.000 - ein leichtes Minus zum Vorjahr.

Dieser Rückgang steht im Gegensatz zur Entwicklung der Patientenzahlen. 1991 versorgten die Krankenhäuser noch etwa 14,5 Millionen Patienten vollstationär, 2014 waren es mehr als 19 Millionen. Nach einem kurzen Rückgang steigen die Fallzahlen seit 2006 stetig - zuletzt um 350.000 Personen in nur einem Jahr.

Weniger Betten und Kliniken, aber mehr Patienten - das geht nur bei einer deutlich verringerten Verweildauer. Verbrachten Patienten 1991 noch im Schnitt zwei Wochen in deutschen Krankenhäusern, waren es 2014 nur noch 7,4 Tage.

Wie lange der Klinikaufenthalt dauert, unterscheidet sich je nach Fachabteilung deutlich. So verlassen Patienten der Augenheilkunde nach durchschnittlich drei Tagen das Krankenhaus wieder, ähnlich rasch in der Kinderchirurgie. In der Psychotherapeutischen Medizin hingegen dauert eine stationäre Behandlung im Durchschnitt 42 Tage.

So kommt Deutschland mit weniger Krankenbetten aus, bei einer zuletzt stabilen Bettenauslastung von bundesweit 77 Prozent. In den Bundesländern zeigen sich aber große Unterschiede: Während die Klinikbetten im Saarland im Durchschnitt zu 87 Prozent belegt waren, betrug die Auslastung in Rheinland-Pfalz lediglich 73 Prozent.

Hinter der schnelleren Behandlung steht auch die zunehmende Privatisierung der Kliniken. Waren 1991 noch 15 Prozent der Krankenhäuser in privater Trägerschaft, hat sich dieser Anteil mittlerweile mehr als verdoppelt. Der Anteil öffentlicher Kliniken ist dagegen von 46 auf 30 Prozent deutlich gesunken.

Dieser Trend dürfte weiter anhalten. In einer aktuellen Studie hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) die wirtschaftliche Lage der Kliniken untersucht. Jedem sechsten Krankenhaus in Deutschland droht demnach die Insolvenz, insbesondere öffentlichen Häusern.

Für die Patienten muss das keine Verschlechterung bedeuten. Im Gegenteil: Momentan seien die Krankenhausstrukturen noch in vielen Regionen ungünstig, heißt es im RWI-Report. Es gebe "zu viele kleine Einheiten, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung". Gerade die würde aber die Qualität der Versorgung verbessern.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf unserer Themenseite.

Andreas Grieß (Statista)/che

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nic 17.09.2015
1. Für die Patienten muss das keine Verschlechterung bedeuten.
Natürlich geht der Trend Kurzaufenthalt. Aber bei Patienten eher unfreiwillig: OP beendet und man steht praktisch auf der Straße. Geht um Rendite.
Rotter 17.09.2015
2. Interessant wäre gewesen,...
zu vergleichen, in welchen Krankenhäusern (freigemeinnützig, privat, öffentlich) welche Verweildauern zu verzeichnen sind; welche Fälle von den privaten gern genommen werden und welche nicht; welche Spezialkliniken insbesondere privat geführt werden. Die hier genannten Zahlen zeigen nur, dass manch einer mit dem Kopf unter'm Arm schon entlassen wird, der Hausarzt kann den ja wieder aufsetzen.
Harry Callahan 17.09.2015
3. Was in dem Beitrag fehlt...
.... ist ein Hinweis darauf, dass diese Entwicklung durch eine unvergleichbare Arbeitsverdichtung ermöglicht wurde. Hier ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Celestine 17.09.2015
4.
Habe gerade in Report Mainz v. 15.9.15 einen Bericht über die traurigen Fälle von Patienten, welche nach einer Operation nach Hause entlassen wurden, die sich die Hände nicht bewegen konnten oder/und sich kaum oder gar nicht bewegen konnten. Die Krankenkassen hatten sich geweigert, die Pflegekosten zu übernehmen. So wird's gemacht, auf Kosten der Patienten, die ohne Pflege völlig hilflos sind.
Heinzi Heinz 17.09.2015
5. Mangelnde Qualität!
"Weniger Betten und Kliniken, aber mehr Patienten - das geht nur bei einer deutlich verringerten Verweildauer." Meine Erfahrung ist, dass ich als Patient auf den Flur gelegt werde in der Notaufnahme, weil keine Betten frei sind und sie mich leider nicht drinbehalten können, weil keine Zimmer frei sind. Ich soll dann halt jeden Tag zur ambulanten Untersuchung antanzen ... Die Zahlen sind erschreckend: "Waren 1991 noch 15 Prozent der Krankenhäuser in privater Trägerschaft, hat sich dieser Anteil mittlerweile mehr als verdoppelt. Der Anteil öffentlicher Kliniken ist dagegen von 46 auf 30 Prozent deutlich gesunken." Nicht mehr der Gesundheitszustand des Patienten steht im Vordergrund, nur noch sein Marktwert und die Controller sorgen dafür, dass die Auslastung der Betten optimal ist. Aber mit Gesundheitsvorsorge hat das wenig zu tun! Einwegbesteckt wird aufbereitet und weiter lustig multiresistente Keime verteilt. Die Hygiene in deutschen Krankenhäusern ist so schlecht wie schon lange nicht mehr! Immer mehr Patienten sterben an Dingen, die sie einfangen und nichts damit zu tun haben, weswegen sie ins Krankenhaus gekommen sind. Warum klappt es in anderen Ländern wie Dänemark und Niederlande und bei uns nicht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.