Krankenkassenreport Jeder Dritte schläft schlecht

Schlafstörungen verursachen Stress, Depressionen, Übergewicht und Bluthochdruck. Vor allem flexible Arbeitszeiten erhöhen das Risiko, zeigt die TK-Schlafstudie 2017. Ein paar einfache Maßnahmen können helfen.

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Schichtdienst, Straßenlärm oder das Smartphone im Dauerbetrieb: Etwa jeder Dritte in Deutschland schläft schlecht. Zudem kommt etwa ein Viertel der Erwachsenen (24 Prozent) nicht auf die von Experten empfohlenen mindestens sechs Stunden Schlaf, wie die am Mittwoch in Berlin veröffentlichte Schlafstudie der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Immerhin zwei von drei Erwachsenen können demnach aber gut oder sogar sehr gut schlafen.

Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil der schlechten Schläfer unter den Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder Schichtdiensten. Von diesen sogenannten Flexbeschäftigten klagen sogar 40 Prozent über schlechte Schlafqualität, die Hälfte schläft höchstens fünf Stunden.

Wer allerdings nicht ausreichend schläft, wird krank. Das Risiko für Herz-Kreislauf- und Magenbeschwerden, für Depressionen und Übergewicht ist höher, wenn der regelmäßige und tiefe Schlaf zu kurz kommt. Auch das Unfallrisiko und die Fehlerquote im Job steigen.

Erschöpft, gereizt, niedergeschlagen

Unter den "Schlechtschläfern" leiden der Studie zufolge 54 Prozent unter Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Bei denjenigen, die gut schlafen, sind es nur 35 Prozent.

Wer schlecht schläft, fühlt sich außerdem:

  • mehr als doppelt so häufig erschöpft (44 zu 21 Prozent),
  • gereizt (33 zu neun Prozent) und
  • niedergeschlagen (21 zu sechs Prozent).

Aus den Zahlen lässt sich den Herausgebern zufolge allerdings nicht ablesen, ob die Menschen krank werden, weil sie schlecht schlafen oder ob sie aufgrund gesundheitlicher Beschwerden keine Ruhe finden.

Schäfchen zählen im Osten

Der Jobstress steht demnach bei den Beschäftigten als Störfaktor für Schlaf an erster Stelle. "Vier von zehn sehen hier die Hauptursache für Schlafprobleme", erklärte TK-Chef Jens Baas. Weitere Gründe seien vor allem private Probleme (28 Prozent) und gesundheitliche Beschwerden (22 Prozent).

Auch regional gibt es Unterschiede: Am schlechtesten schlafen die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein (21 Prozent), am besten die Baden-Württemberger, wo nur fünf Prozent Einschlafprobleme angeben.

Bei sieben Prozent der Erwachsenen liegt zudem das Smartphone auf dem Nachttisch oder unter dem Kopfkissen. Besonders hoch ist der Anteil bei den unter 30-Jährigen: Hier stört das Handy bei jedem Fünften den Schlaf.

Wie die Studie weiter zeigt, ist Deutschland eher ein Land der Frühaufsteher: Raus aus den Federn geht es für drei von zehn Befragten schon vor sechs Uhr. Ein weiteres Drittel lässt den Wecker zwischen sechs und sieben Uhr klingeln - spätestens um sieben sind also bereits knapp 60 Prozent der Erwachsenen auf den Beinen. Umgekehrt liegt an einem normalen Arbeitstag um 23 Uhr fast jeder zweite Erwachsene im Bett.


Die wichtigsten Schlafregeln, zusammengetragen von der Universität Freiburg

  • Nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke trinken
  • Alkohol weitgehend vermeiden
  • Keine Appetitzügler einnehmen
  • Regelmäßig körperlich aktiv sein
  • Vor dem Zubettgehen geistige und körperliche Anstrengung verringern
  • Ein persönliches Einschlafritual einführen
  • Im Schlafzimmer für eine angenehme Atmosphäre sorgen
  • Nachts nicht auf die Uhr schauen.

hei/AFP



insgesamt 13 Beiträge
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zweiter 15.11.2017
1. Das ist jetzt wohl ein Witz!
Schlecht schlafen wegen flexibler Arbeit. Diejenigen, die ich kenne und die schlecht schlafen beschweren sich über den Lärm von Kneipen, Feiernden, Autos, Flughäfen, Kindergeschrei oder trampeligen, rücksichtslosen Nachbarn. Wenn Kommunen natürlich "fürsorglicherweise" die Müllabfuhr um 5:30 erledigen lassen und der Laubbläser um 6:30 im Park neben Lärm zu machen, auch noch für Feinstaub und gegen Insekten arbeitet, denn ist das sicherlich auch für jemanden der nach der Spätschicht ausschlafen möchte kontraproduktiv. Die Frage ist allerdings, liegt was hier Ursache und was Wirkung ist.
hadwerker 15.11.2017
2. Stimmt
Ich wüsste gern, wie sich richtig ausgeschlafen anfühlt. Und das seit meiner Kindheit.
wo_st 15.11.2017
3. was soll der Beitrag?
Ich hatte schon Zeiten ohne Schlaf, mit einer oder zwei Stunden Schlaf und habe der TK keine Medikamentenrechnung oder Arztbesuche verrechnet. Ich trauere den Zeiten nach, in denen ich nicht oder nur wenig geschlafen habe.
marty_gi 15.11.2017
4. angenehme Atmo...
Wie mein Vorredner schon schreibt, ist es mit der angenehmen Atmosphaere schon lange vor dem Wecker vorbei, wenn die Stadtreinigung lange vor 6 Uhr mit Laubblaeser, Kehrmaschine und Muellabfuhr mindestens drei von fuenf Wochentagen fuer lautstarken "Spass" sorgt. Und am Wochenende dann die Nachbarn um sieben loslegen..... Hat man dann noch zwei Verbindungshaeuser von Studentenverbindungen in der direkten Nachbarschaft brauch man auch definitiv nicht vor 24 Uhr ins Bett gehen (Ruhestoerungshinweise an die Polizei sind da leider auch sinnlos, da scheint es entsprechende Verflechtungen zu geben). Am Wochenende brettert dann nachts der Nachtbus durch die Strasse, gerne mit etwas mehr als den erlaubten 50 km/h. Schoenes Haus, schoene Wohnung, eigentlich schoene Gegend - aber fuer guten Schlaf wuerde wohl nur noch Umziehen helfen. Wobei das Glaeschen Alkohol eher schlaffoerdernd ist als schlafmindernd.....
jerkrussel 15.11.2017
5. Wenn ich mal nen Tag frei habe ..
... und tagsüber in meiner Wohnung bin, dann frage ich mich oft, wie ich mit Nachtarbeit und der Notwendigkeit zum Schlafen am Tag zurechtkommen würde! Ich hätte keine Chance auf ausreichend Ruhe!
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