Blutkrebs Akute Leukämie - was ist das?

Eine akute Leukämie entwickelt sich innerhalb weniger Wochen. Anders als Guido Westerwelle haben relativ viele Betroffene bei einer rechtzeitigen Behandlung gute Überlebenschancen. Die Therapie verläuft in drei Schritten.

Blutbahn (Illustration): Bei einer Leukämie ist die Produktion der weißen Blutkörperchen gestört
Corbis

Blutbahn (Illustration): Bei einer Leukämie ist die Produktion der weißen Blutkörperchen gestört


Guido Westerwelle ist tot. Der frühere Außenminister und FDP-Vorsitzende zählte zu den rund 12.000 Erwachsenen, die jährlich in Deutschland die Diagnose Leukämie erhalten. Bei der Krankheit ist die Reifung jener Zellen im Knochenmark gestört, aus denen das Blut gebildet wird. Deshalb wird sie häufig auch als Blutkrebs bezeichnet. Kurz gefasst entstehen bei einer Leukämie zu viele unreife weiße Blutkörperchen, die nicht funktionsfähig sind.

Es gibt verschiedene Formen von akuten Leukämien: die akute lymphatische Leukämie (ALL) oder die akute myeloische Leukämie (AML) - sie werden danach unterschieden, welche Art der Blutvorläuferzellen im Knochenmark betroffen sind.

Bei Guido Westerwelle handelte es sich um eine AML, die Krankheit entwickelte sich innerhalb weniger Wochen. Bei den Betroffenen können sich innerhalb weniger Tage große Mengen der gestörten weißen Blutkörperchen in Knochenmark und Blut ansammeln und die Bildung gesunder Blutzellen stark beeinträchtigen. Die Folge sind meist schwere Krankheitssymptome wie ein geschwächtes Immunsystem oder eine gestörte Blutgerinnung und Sauerstoffversorgung.

Westerwelles Blutkrebserkrankung war im Juni 2014 bekannt geworden, er hatte sich danach weitgehend zurückgezogen und einer Chemotherapie unterzogen. Zudem erhielt er eine Knochenmarktransplantation (Informationen, um sich als möglicher Spender registrieren zu lassen, gibt es hier). Das Ziel war laut offizieller Mitteilung eine "vollständige gesundheitliche Genesung". Doch seit Ende November vergangenen Jahres lag Westerwelle wieder in der Kölner Universitätsklinik. Er musste andere Medikamenten nehmen, um die Abstoßungsprobleme des Körpers nach der Knochenmarktransplantation unter Kontrolle zu bekommen. Tragischerweise war die Behandlung nicht dauerhaft erfolgreich.

Erste Anzeichen: Nasenbluten, Fieber, Müdigkeit

Zu den Anzeichen für eine akute Leukämie zählen unter anderem Nasenbluten, eine höhere Anfälligkeit für Infektionen mit Fieber, geschwollene Lymphknoten, Appetitverlust oder Müdigkeit. Die kranken Blutzellen können zudem Organe besiedeln und weiteren Schaden anrichten. Deshalb müssen Betroffene so rasch wie möglich behandelt werden.

Geschieht das nicht, sind die Patienten akut gefährdet und können in kurzer Zeit sterben. Betroffene, die rechtzeitig behandelt werden - zunächst mit Hilfe einer Chemotherapie - haben hingegen relativ gute Chancen, wieder zu Kräften und in den Alltag zurückzukommen. Die Behandlung ist jedoch langwierig und kann Langzeitfolgen haben. Manche Chemotherapie-Mittel bringen etwa das Risiko mit sich, Nerven zu schädigen. Dadurch kann es unter anderem zu Problemen mit dem Tastsinn kommen.

In einer ersten Phase erhalten die Patienten eine Kombination verschiedener Chemotherapie-Medikamente als Infusion. Laut dem deutschen Krebsinformationsdienst sollen die Mittel die Krebszellen so schnell wie möglich zurückdrängen und die Symptome rasch lindern. Während und nach dieser Zeit untersuchen die Mediziner regelmäßig Proben aus Blut und Knochenmark auf gestörte weiße Blutkörperchen und stimmen die weitere Behandlung darauf ab.

Monatelange Therapie

Auch wenn sich die Blutbildung nach der ersten Behandlungsphase normalisiert hat, folgt in der Regel ein zweiter Zyklus mit einer Chemotherapie. Ziel ist es, Krebszellen zu zerstören, die die erste Behandlungsphase überlebt haben. Der zweite Teil der Behandlung dauert in der Regel abhängig von Erkrankungsform und individuellem Gesundheitszustand des Patienten zwischen vier und sechs Monate.

Anschließend folgt oft als drittes die Erhaltungstherapie, die sich über mindestens ein Jahr hinzieht. Sie dient dazu, einem Rückfall vorzubeugen und wird von den Ärzten individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Wie genau die Therapie abläuft, kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Weitere Informationen finden Sie beim Krebsinformationsdienst, dieser diente auch als Quelle für diesen Artikel.

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cib/irb



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