Verblüffende Therapie Krebs mit Sperma heilen - was ist da dran?

Verschiedene Medien berichten von einer Methode, die Krebs mithilfe von Spermien heilen soll. Was steckt dahinter? Ein kurzer Überblick.

Rindersperma (Archivbild)
DPA

Rindersperma (Archivbild)


Krebs mithilfe von Samenzellen zu besiegen - das klingt ebenso verblüffend wie hoffnungsvoll. Mehrere Medien berichten über eine Studie, die das Prinzip bei Gebärmutterhalskrebs testet. Was ist an der Methode dran?

Worüber wurde berichtet?

Auf den ersten Blick klingt es wie ein Durchbruch. "Therapie mit Sperma soll bald Krebs heilen", titelt etwa heute.at. Es sei eine kreative Lösung gegen Gebärmutterhalskrebs, bei der die Krebsmedikamente per Sperma direkt in die Gebärmutter bugsiert würden.

"Das Ergebnis der neuen Methode spricht für sich: 87 Prozent der Krebszellen konnten die Spermien innerhalb von drei Tagen vernichten", schreibt die Huffington Post.

Was ist dran?

Die Nachrichten basieren auf einer kürzlich im Fachblatt "ACS Nano" veröffentlichten Studie "Sperm-Hybrid Micromotor for Targeted Drug Delivery". Forscher vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden und der TU Dresden haben die Arbeit publiziert.

Sie berichten darüber, dass sie Spermien mit einem Chemotherapeutikum beladen, mit Mikromotoren versehen und auf Tumorzellen losgelassen hatten.

Dass die Autoren und Autorinnen Materialforscher und Spezialisten für Nanotechnologie sind, deutet schon auf den großen Haken an der Geschichte: Die Forschung ist noch weit von der medizinischen Anwendung entfernt. Patientinnen, die heute an Gebärmutterhalskrebs erkrankt sind, wird diese Methode ganz sicher nicht helfen.

Möglicherweise wird sich das auch nie ändern - denn ob das System in der Praxis funktioniert, ist noch unklar. Selbst wenn dies glücken sollte, ist die Anwendung noch viele Jahre entfernt.

Das zugrunde liegende Prinzip ist durchaus faszinierend: Spermien als Medikamenten-Transporter in der Gebärmutter einzusetzen, löst einige Probleme. Denn die kleinen Zellen sind zum einen von Natur aus beweglich und sind dafür gebaut, möglichst lang im weiblichen Genitaltrakt zu überleben. Zum anderen ist es das erklärte Ziel der kleinen Samenzellen mit einer anderen Zelle - eigentlich der Eizelle - zu verschmelzen. So können sie tatsächlich auf elegante Weise Medikamente direkt in einer Zelle abliefern. Das könnte etwa eine Chemotherapie effektiver und nebenwirkungsärmer machen.

Damit die Spermien Krebszellen ansteuern, haben die Forscher sie mit Mikromotoren gekoppelt. In Tests funktioniert das System - aber eben bisher nur mit Rinderspermien und Zellkulturen.

Fazit

Ein medizinischer Durchbruch ist die Arbeit, so beeindruckend sie auch ist, leider nicht. Beim Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs ist die größte Neuigkeit, dass die Impfung gegen HP-Viren laut aktueller Studien effektiv vor Krebs-Vorstufen schützt.

wbr



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