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Ernährung, Sport, Vorsorge: So lässt sich das Krebs-Risiko senken

Joggen, Fahrradfahren, Spazierengehen: Bei Darmkrebs und Brustkrebs gilt als sicher, dass Bewegung das Risiko senkt Zur Großansicht
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Joggen, Fahrradfahren, Spazierengehen: Bei Darmkrebs und Brustkrebs gilt als sicher, dass Bewegung das Risiko senkt

Vor Krebs fürchten sich die Deutschen wie vor keiner anderen Krankheit. Mit dem richtigen Lebensstil lässt sich das Erkrankungsrisiko deutlich verringern - leider aber ohne Garantie.

Rocklegende David Bowie, Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister oder "Harry-Potter"-Star Alan Rickman: Sie alle sind kürzlich an Krebs gestorben. Auch in Deutschland sind bösartige Tumore die zweithäufigste Todesursache, nur an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben noch mehr Menschen. Die Erkrankungszahlen liegen noch deutlich höher. Im Laufe des Lebens erhalten jeder zweite Mann und fast jede zweite Frau die gefürchtete Diagnose, rund 500.000 sind es jährlich.

Häufig entscheiden die Gene über das Erkrankungsrisiko, ein Stück weit ist jede Krebserkrankung also Familienschicksal. Daneben lässt sich das Risiko vieler Krebsarten jedoch auch durch den Lebensstil beeinflussen, wie Experten anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar betonen.

Nach Ansicht vieler Forscher wären bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen nicht rauchen, auf Alkohol verzichten, auf ihre Ernährung achten, Sport treiben und schlank bleiben würden. "Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen", sagt Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Die einzelnen Faktoren im Überblick:

Rauchen: Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs ist der Anteil dem Experten zufolge noch viel höher. Hinzu komme, dass Lungenkrebs sehr oft tödlich ende. "Rauchen ist Ursache und sicherlich auch Killer Nummer eins, wenn es um die Krebssterblichkeit geht."

Auch der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns, warnt vor den Folgen des Tabakkonsums: Es gebe relativ wenige Möglichkeiten, Krebs wirkungsvoll vorzubeugen - und nicht zu rauchen sei eine davon.


Übergewicht: Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen nur wenige Menschen, obwohl er laut Kaaks seit Jahren belegt ist. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle auf ein zu hohes Körpergewicht zurückgeführt werden.

"Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung Übergewicht vermutlich eine Rolle spielt, wird immer länger", sagt der DKFZ-Experte. Dabei gelte nicht nur Fettleibigkeit als Risikofaktor - auch sonst schlanke Menschen mit viel Bauchfett hätten ein erhöhtes Risiko.

Bruns hingegen schätzt den Zusammenhang vorsichtiger ein. Das Gewicht könne ein Risikofaktor für Krebs sein, doch niemand könne sagen, um wie viel das Risiko ab einem bestimmten Gewicht steige, sagt er.


Wurst: Am besten nur ab und zu, dann aber bewusst genießen Zur Großansicht
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Wurst: Am besten nur ab und zu, dann aber bewusst genießen

Ernährung: Eine ungünstige Ernährung spielt Kaaks zufolge bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Es gibt aber auch Lebensmittel, die etwas vor Krebs schützen. Gut belegt und stark ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte im Oktober 2015 eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch - etwa Würstchen oder Schinken - esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Zudem stufte die WHO rotes Fleisch generell als wahrscheinlich krebserregend ein. Prompt gaben Ernährungsexperten zu bedenken, dass Fleisch auch Eisen und wichtige Vitamine liefert.

"Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an", sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.


Bewegung: Körperliche Aktivität senkt nachweislich das Risiko für Darm- und Brustkrebs. Es kann sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt. Das müssen Wissenschaftler jedoch noch untersuchen.


Alkohol: Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind laut Kaaks auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt er. Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. "Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht", sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.


Hautkrebs: Dass Sonnenschirm und Sonnencreme schützen können, ist mittlerweile weit bekannt - und wird dennoch oft missachtet Zur Großansicht
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Hautkrebs: Dass Sonnenschirm und Sonnencreme schützen können, ist mittlerweile weit bekannt - und wird dennoch oft missachtet

UV-Strahlung: Sonnenbrände gehören zu den Hauptrisikofaktoren für schwarzen Hautkrebs. 90 Prozent aller Melanome gingen vermutlich darauf zurück, warnt Kaaks. "Daher ist es extrem wichtig, Sonnenbrände zu vermeiden." Kinder und Menschen mit heller Haut und roten Haaren brauchten besonderen Schutz. "Aber man muss nicht so weit gehen, dass man bei Sonnenschein im Keller sitzt und nur abends rausgeht." Schließlich sei Sonnenlicht wichtig für die Versorgung mit Vitamin D, das für Gesundheit und Psyche bedeutsam sei.


Infektionen: Bei manchen Krebsarten spielen Viren und Bakterien eine gravierende Rolle. HPV-Infektionen etwa seien für alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich, sagt Kaaks. Vor einer Infektion mit den gefährlichsten Virus-Typen kann eine Impfung schützen. Diese sollte am besten vor dem ersten Sex erfolgen. Kraywinkel geht davon aus, dass in Deutschland bei fünf bis zehn Prozent der Krebserkrankungen chronische Infektionen eine Rolle spielen. Zu den bekanntesten Erregern zählen das Hepatitis-B- und -C-Virus - sowie das Bakterium Helicobacter pylori.


Früherkennung: Gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen seien neben dem Verzicht aufs Rauchen die wichtigste Maßnahme zur Krebsvorbeugung, sagt Bruns. Bei einer Darmspiegelung etwa ließen sich schon Krebsvorstufen erkennen und entfernen. Dadurch könne Darmkrebs gar nicht erst entstehen. Ähnliche Effekte gebe es etwa beim Hautkrebs-Screening und beim Pap-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Und selbst wenn Krebs bereits entstanden sei, könne er durch solche Untersuchungen oft frühzeitig entdeckt werden.

Von Sandra Cartolano, dpa/irb

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