Einigung: Deutsche Krebshilfe stemmt bundesweites Register

Die bundesweite Erfassung von Tumorerkrankungen soll den Kampf gegen Krebs vorantreiben. Bisher hinkte Deutschland hinterher. Jetzt haben sich die Länder geeinigt: Die größte Finanzspritze für den Aufbau der Krebsregister kommt von der Deutschen Krebshilfe - mehr als sieben Millionen Euro.

Frau bei der Mammografie: Die Krebshilfe nennt die Register lange überfällig Zur Großansicht
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Frau bei der Mammografie: Die Krebshilfe nennt die Register lange überfällig

Berlin - Jeder Krebspatient in Deutschland soll künftig erfasst werden - nicht nur seine Diagnose, sondern auch die Therapie wird in Datenbanken gespeichert, falls die Pläne der Bundesregierung für das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz umgesetzt werden.

Mit Hilfe der umfassenden Register sollen Früherkennung und Behandlung von Tumorkrankheiten verbessert werden. Noch ist das Gesetz allerdings nicht durch das Parlament. Doch eine entscheidende Frage ist jetzt geklärt: Die Anschubfinanzierung für die Krebsregister steht.

Die spendenfinanzierte Deutsche Krebshilfe wird 90 Prozent der Kosten für den Aufbau der Datenbanken übernehmen - das sind geschätzte 7,2 Millionen Euro, die restlichen circa 800.000 Euro tragen die Bundesländer. Diese Einigung haben Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Hans-Peter Krämer, am Donnerstag in Berlin verkündet.

In drei Jahren flächendeckend klinische Krebsregister

Den Investitionsbedarf für den Aufbau der Krebsregister schätzen die Bundesländer auf etwa acht Millionen Euro. Bahr sagte, er sei der Deutschen Krebshilfe für ihr finanzielles Engagement dankbar: "In drei Jahren können wir flächendeckend klinische Krebsregister haben, die können dann mit ihrer Arbeit beginnen."

Hans-Peter Krämer von der Deutschen Krebshilfe verwies darauf, dass die Gründerin des Vereins, Mildred Scheel, den Ausbau klinischer und flächendeckender Krebsregister bereits 1982 gefordert habe. "Deutschland hinkt hinterher", sagte Krämer. Derzeit arbeite das für die Datenaufbereitung zuständige Robert Koch-Institut (RKI) vor allem mit Informationen des Saarlandes, wo es eine den geplanten Registern ähnliche Datensammlung schon gibt. "Das Gesetz kann die Versorgung von Krebspatienten entscheidend verbessern. Es ist ein Schritt, der wirklich überfällig war."

Die Zahl der neuen Register ist noch unklar

Wie viele Register aufgebaut würden, sei noch unklar, sagte der Vertreter der Länderminister, Saarlands Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU). Die Lage in den Ländern ist unterschiedlich: Während es in Ostdeutschland zum Teil schon gute Datensammlungen gibt, klaffen vor allem in den westdeutschen Bundesländern große Lücken.

Derzeit berät das Parlament über den Gesetzentwurf, der neben den Krebsregistern auch eine Ausweitung der Screening-Programme für Darm- und Gebärmutterhalskrebs vorsieht. Passiert der Entwurf das Parlament, könnte das Gesetz noch im ersten Halbjahr 2013 in Kraft treten.

Die neuen Krebsregister werden nach dem Gesetzentwurf von den Bundesländern in allen Krankenhäusern eingerichtet, die Standards dafür bundesweit einheitlich vorgegeben. Nach der Anschubfinanzierung durch die Krebshilfe sind nach Planung der Bundesregierung die gesetzlichen Krankenversicherungen in der Pflicht. Die Register sollen alle wichtigen Daten zum Verlauf einer Erkrankung erfassen - von der Diagnose über jeden einzelnen Behandlungsschritt bis zu Heilung oder Tod. Dadurch sollen die Qualität der Versorgung verbessert und Vergleiche zwischen Kliniken möglich werden.

Viele Krebsmediziner begrüßen die Pläne für die bundesweiten Register. Kritik an der langfristigen Finanzierung kam allerdings bereits bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs im Sommer von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV), die sich dagegen wehren, die Kosten zu übernehmen, obwohl es sich bei den Registern aus ihrer Sicht um versicherungsfremde Leistungen handele. Dieser Kritikpunkt ist aus Sicht des GKV-Spitzenverbands nach wie vor nicht ausgeräumt, sagte eine Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE: Nicht nur die gesetzlichen Krankenversicherungen und ihre Versicherten profitierten von den Krebsregistern, insofern sei nicht einzusehen, dass nur die gesetzlichen Kassen für die Kosten der Datenbanken aufkommen sollten.

Was das neue Krebsregister bringt: Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

dba/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das Krebsregister hatten wir in der viel gescholtenen Soffjetzone
Sachsenimker 13.12.2012
schon lange. Kann mal jemand nachsehen ab wann. Dann erübrigt sich die obige Lobhuldelei.
2. Krebsregister der DDR
Sachsenimker 13.12.2012
seit 1952!!! Und 2012 erfindet die BRD das Krebsregister. Nach glatt 50 Jahren. Aber die Ost-Polikliniken mussten auch 1990 weg. Jetzt werden wieder welche gebastelt. Wo sind wir hingekommen???? Absurdistan
3. seit 1952???
heinel66 15.12.2012
Zitat von Sachsenimkerseit 1952!!! Und 2012 erfindet die BRD das Krebsregister. Nach glatt 50 Jahren. Aber die Ost-Polikliniken mussten auch 1990 weg. Jetzt werden wieder welche gebastelt. Wo sind wir hingekommen???? Absurdistan
Seit 1952 gab es schon KLINISCHE Krebsregister in der DDR ? Na, da können wir aus`m Westen natürlich nicht mithalten außer das es seit 1926 ein EPIDEMIOLOGISCHES Krebsregister in der "BRD" gibt. Nämlich das in Hamburg. Ist wohl auch das erste das es Weltweit gab, wenn ich nicht irre. Ansonsten... schaut doch mal unter GEKID e.V... da gibt es einen netten Krebsatlas für Deutschland und auch sonst noch ein paar nette Informationen zum Thema. Das es aber immer noch Leute gibt, die unterscheiden müssen zwischen Ost und West Errungenschaften, dass ist irgendwie auch Absurd nach so vielen Jahren Wiedervereingung. Tztztz ! Schönen Gruß aus dem hohen Norden.
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Früherkennung: Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse



Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse:

Wichtige Fachbegriffe erklärt
Vorsorge: Primärprävention
Was der Volksmund Vorsorge-Untersuchungen nennt, sind eigentlich Untersuchungen zur Früherkennung. Mediziner sprechen dann von Vorsorge, wenn eine Krankheit verhindert werden soll.

Ein Beispiel für die Vorsorgeuntersuchung ist der Gesundheits-Checkup für Frauen und Männer ab 35 Jahren. Dabei bestimmen Ärzte Risikofaktoren insbesondere für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie einen zu hohen Blutdruck. Fällt ein Patient beim Checkup als übergewichtig und unsportlich auf, während sein Blutdruck normal ist, kann er einem möglichen Bluthochdruck vorbeugen: Der Arzt empfiehlt dann Bewegung und eine gesündere Ernährung. Dieses Vorgehen heißt Primärprävention.

In die gleiche Vorsorgegruppe gehören Impfungen, die vor einer Infektionskrankheit schützen. Zur Primärprävention gehören auch Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Durch einen richtig eingestellten Bürostuhl etwa lassen sich arbeitsbedingte Krankheiten wie Rückenschmerzen verhindern.
Früherkennung: Sekundärprävention
Als Sekundärprävention bezeichnen Ärzte die Früherkennungs-Untersuchungen. Das bedeutet, die Krankheit ist zwar bereits ausgebrochen, Symptome machen sich aber noch nicht bemerkbar. Der Patient hat noch keine Beschwerden und fühlt sich gesund. Bei vielen Krankheiten steigen die Heilungschancen, wenn sie möglichst früh erkannt werden.

Neugeborene etwa testet man auf die Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie. Fällt der Test positiv aus, lassen sich Hirnschäden vermeiden, indem man von Geburt an eine eiweißarme Diät einhält. Für Brustkrebs gibt es das Mammografie-Screening, das allerdings nicht unumstritten ist.

Früherkennung lohnt sich nicht, wenn bei einer Krankheit für Lebensqualität und Überleben der Patienten egal ist, ob man die Krankheit früh oder spät diagnostiziert. Außerdem müssen die Tests ausreichend sicher feststellen, ob eine Person tatsächlich krank ist oder nicht.
Rehabilitation: Tertiärprävention
Leidet der Patient bereits unter Symptomen seiner Krankheit, verhindert die sogenannte Tertiärprävention noch Schlimmeres.

Die Rehabilitation nach einem Herzinfarkt schützt vor einem erneuten Herzinfarkt. Bricht wegen einer Osteoporose der Schenkelhals, benötigen viele Patienten ein künstliches Hüftgelenk. Die Rehabilitation nach der OP verhindert, dass der Patient bettlägrig bleibt.