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Krebsregister: Was das neue Gesetz zur Früherkennung bringt

Hautarzt bei der Krebsfrüherkennung: Register sollen helfen, die Therapien zu verbessern Zur Großansicht
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Hautarzt bei der Krebsfrüherkennung: Register sollen helfen, die Therapien zu verbessern

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz die Qualität der Krebsbehandlung verbessern. Neue Krebsregister und mehr Früherkennung wären die Folgen. Was bedeuten die Pläne für die Versicherten?

Welche Veränderungen sind für die Bürger am konkretesten spürbar?

Wie bereits bei Brustkrebs sollen ab 2016 bestimmte Altersgruppen regelmäßig zur Früherkennung von Gebärmutterhals- und Darmkrebs eingeladen werden. Altersgrenzen und Einladungsrhythmus sind noch offen, sie sollen von der Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen anhand medizinischer Kenntnisse festgelegt werden. Menschen ab 50 kommen bei Darmkrebs infrage, bei Gebärmutterhalskrebs Frauen zwischen 20 und 65.

Gibt es skeptische Kritik an den Früherkennungsprogrammen?

Ja, denn Früherkennung kann auch zu unnötigen Diagnosen und Therapien führen. Findet der Arzt bei einem Stuhltest Hinweise auf Blut, folgt in der Regel eine Darmspiegelung, die wiederum zu Komplikationen führen kann. Doch die Senkung der Krankheits- und Todesraten sind ein schlagendes Gegenargument - jährlich könnten laut Regierung bis zu 65.000 Darmkrebsneuerkrankungen vermieden werden. Seit längerem sind außerdem das Mammografie-Screening und die PSA-Bestimmung zur Prostatakrebs-Früherkennung unter Ärzten umstritten.

Was ändert sich in den Kliniken?

In jedem Bundesland soll es ab 2018 Krebsregister geben - mit einheitlichen Standards. Heute gibt es solche Datensammlungen vor allem schon in den ostdeutschen Ländern, aber auch in Bayern. Die Daten möglichst aller Krebspatienten sollen erfasst werden - von der Diagnose über die Therapieschritte bis zu Nachsorge und Rückfällen.

Welchen Nutzen haben die Krebsregister?

Die beste Behandlung soll durch einen Vergleich ermittelt und zur Richtschnur für alle werden. Außerdem soll geprüft werden können, ob in den einzelnen Kliniken immer gemäß bestehender Leitlinien behandelt wird. Die klinischen Krebsregister, die nun flächendeckend erstellt werden sollen, geben ihre Daten an übergreifende bevölkerungsbezogene Register weiter, die Erkenntnisse über das Auftreten von Krebs nach Alter, Geschlecht und Wohnort liefern. Sämtliche Daten könnten dann die Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen der Therapien liefern.

Gibt es Beispiele für den Nutzen solcher Datensammlungen?

Ja. So hat man etwa erkannt, dass nicht bei jeder Brustkrebsoperation alle Lymphknoten im Achselbereich entfernt werden müssen. Auch die Therapien von Kindern mit Krebs konnten mittels eines bereits existierenden Registers verbessert werden. Gelernt haben die Ärzte auch, dass bei Darmkrebs eine Chemotherapie die Erfolgsaussichten einer Operation verbessert.

Warum dürfte es noch einige Jahre dauern, bis die Register überall installiert sind?

Zunächst muss der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) Standards festlegen. Konkret geht es vor allem darum, welche Daten erhoben werden. Wie die Register genau eingerichtet werden, ist nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zudem Ländersache. Den Betrieb der Datensammlungen zahlen die Kassen.

In welchem Turnus werden die Daten ausgewertet?

Erkenntnisse sollen daraus laufend gewonnen werden können. Einmal pro Jahr müssen alle Daten für jedes Bundesland systematisch ausgewertet werden. Der GKV-Spitzenverband soll alle fünf Jahre einen Bericht über den bundesweiten Stand veröffentlichen.

Gibt es Kritik?

Das Gesetz zielt nicht auf Prävention, etwa auf Programme für eine gesündere Lebensweise. Die AOK vermisst einen stärker bundesweiten Ansatz, der Patienten und Ärzten ermöglicht, rasch die beste Therapie und die beste Klinik zu ermitteln. Die SPD hält eine Veröffentlichung der anonymen Daten für geboten, so dass man etwa erkennen kann, ob es in der Nähe bestimmter Fabriken gehäuft zu Krebs kommt. Die Deutsche Krebsgesellschaft spricht hingegen von einem Durchbruch.

Was wird noch geregelt?

Eine Strafregel für Früherkennungsverweigerer soll wieder gestrichen werden. Sie besagt, dass Chroniker etwa für Arzneimittel im Fall einer Krebserkrankung unter Umständen mehr zuzahlen müssen, wenn sie bestehende Früherkennungsuntersuchungen nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben.

dba/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Falscher Ansatz
seraph2012 22.08.2012
Wie wäre es denn mal zur Abwechslung wenn man mal den wirklichen Ursachen der stark steigenden Krebserkrankungen nachgehen würde.Zum Beispiel-jahrzehntelange Verstrahlung und manipulierte Lebensmittel.Stattdessen werden jetzt wieder Daten gesammelt die man später gewinnbringend an Pharmafirmen verkauft und um Menschen mit einer Erkrankung besser kontrolieren zu können,natürlich immer zu deren Nachteil ( bei Jobsuche usw.)
2. unqualifizierter unsinn
diospam 22.08.2012
Zitat von seraph2012Wie wäre es denn mal zur Abwechslung wenn man mal den wirklichen Ursachen der stark steigenden Krebserkrankungen nachgehen würde.Zum Beispiel-jahrzehntelange Verstrahlung und manipulierte Lebensmittel.Stattdessen werden jetzt wieder Daten gesammelt die man später gewinnbringend an Pharmafirmen verkauft und um Menschen mit einer Erkrankung besser kontrolieren zu können,natürlich immer zu deren Nachteil ( bei Jobsuche usw.)
Unqualifizierter Quatsch. Die Diagnostik ist besser geworden und besonders, Menschen leben länger und leben qualitativ besser. Sprich, sie verrecken nicht mehr frühzeitig wegen Mangelernährung und weil sie sich kaputt arbeiten. Noch nie in der Menschheitsgeschichte lebten so viele Menschen so gesund wie heute. Und die industrielle Nahrungsmittelproduktion ist ein enorm wichtiger Eckpfeiler dieser Gesundheit. Der andere ist der moderne Arbeitsschutz und einfach nur Bildung. Und das einführen eines zentralen Krebsregisters ist absolut essentiell um überhaupt mal anzufangen Qualität in die Krebsbehandlung einzuführen. Die Deutsche Medizin befindet sich immernoch im finstersten Mittelalter was die Überwachung und Verbesserung der Qualität angeht.
3. Hier werden Äpfel mit Birnen verwechselt
areyoushure? 02.03.2013
Register sind keine Studien! Dass nicht immer Lymphknoten bei einer Brusterkrankung entnommen werden müssen wurde durch eine Studie über Jahre hinweg erforscht. Nicht durch den alleinigen Eintrag einer Krebserkrankung in ein Datengrab. Gleiches gilt für alle anderen Tumorarten. Interessant sind schon regionale Auffälligkeiten etc.
4.
Denis_069 19.07.2013
Zitat von diospamUnqualifizierter Quatsch. Die Diagnostik ist besser geworden und besonders, Menschen leben länger und leben qualitativ besser. Sprich, sie verrecken nicht mehr frühzeitig wegen Mangelernährung und weil sie sich kaputt arbeiten. Noch nie in der Menschheitsgeschichte lebten so viele Menschen so gesund wie heute. Und die industrielle Nahrungsmittelproduktion ist ein enorm wichtiger Eckpfeiler dieser Gesundheit. Der andere ist der moderne Arbeitsschutz und einfach nur Bildung. Und das einführen eines zentralen Krebsregisters ist absolut essentiell um überhaupt mal anzufangen Qualität in die Krebsbehandlung einzuführen. Die Deutsche Medizin befindet sich immernoch im finstersten Mittelalter was die Überwachung und Verbesserung der Qualität angeht.
Warum Krebs entsteht hat eigentlich schon jemand aus dem 17 Jahrundert (Franciscus Sylvius) erkannt. Aber dank der Pharma und der Reformer wird diese Krankheit auf einem so hohen Potest gebracht, dass man einfach denken muss das es noch sehr teuer für uns "alle" wird..
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GESUNDHEITSVORSORGE
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Wichtige Fachbegriffe erklärt
Vorsorge: Primärprävention
Was der Volksmund Vorsorge-Untersuchungen nennt, sind eigentlich Untersuchungen zur Früherkennung. Mediziner sprechen dann von Vorsorge, wenn eine Krankheit verhindert werden soll.

Ein Beispiel für die Vorsorgeuntersuchung ist der Gesundheits-Checkup für Frauen und Männer ab 35 Jahren. Dabei bestimmen Ärzte Risikofaktoren insbesondere für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie einen zu hohen Blutdruck. Fällt ein Patient beim Checkup als übergewichtig und unsportlich auf, während sein Blutdruck normal ist, kann er einem möglichen Bluthochdruck vorbeugen: Der Arzt empfiehlt dann Bewegung und eine gesündere Ernährung. Dieses Vorgehen heißt Primärprävention.

In die gleiche Vorsorgegruppe gehören Impfungen, die vor einer Infektionskrankheit schützen. Zur Primärprävention gehören auch Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Durch einen richtig eingestellten Bürostuhl etwa lassen sich arbeitsbedingte Krankheiten wie Rückenschmerzen verhindern.
Früherkennung: Sekundärprävention
Als Sekundärprävention bezeichnen Ärzte die Früherkennungs-Untersuchungen. Das bedeutet, die Krankheit ist zwar bereits ausgebrochen, Symptome machen sich aber noch nicht bemerkbar. Der Patient hat noch keine Beschwerden und fühlt sich gesund. Bei vielen Krankheiten steigen die Heilungschancen, wenn sie möglichst früh erkannt werden.

Neugeborene etwa testet man auf die Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie. Fällt der Test positiv aus, lassen sich Hirnschäden vermeiden, indem man von Geburt an eine eiweißarme Diät einhält. Für Brustkrebs gibt es das Mammografie-Screening, das allerdings nicht unumstritten ist.

Früherkennung lohnt sich nicht, wenn bei einer Krankheit für Lebensqualität und Überleben der Patienten egal ist, ob man die Krankheit früh oder spät diagnostiziert. Außerdem müssen die Tests ausreichend sicher feststellen, ob eine Person tatsächlich krank ist oder nicht.
Rehabilitation: Tertiärprävention
Leidet der Patient bereits unter Symptomen seiner Krankheit, verhindert die sogenannte Tertiärprävention noch Schlimmeres.

Die Rehabilitation nach einem Herzinfarkt schützt vor einem erneuten Herzinfarkt. Bricht wegen einer Osteoporose der Schenkelhals, benötigen viele Patienten ein künstliches Hüftgelenk. Die Rehabilitation nach der OP verhindert, dass der Patient bettlägrig bleibt.

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