Kreuzbandriss: Was man über OP Therapie wissen sollte

Leichtathletin mit Kniebandage: Kreuzbandrisse entstehen oft bei Trainingsdefiziten oder ermüdeter Muskulatur Zur Großansicht
Corbis

Leichtathletin mit Kniebandage: Kreuzbandrisse entstehen oft bei Trainingsdefiziten oder ermüdeter Muskulatur

Jährlich etwa 90.000 mal reißt in Deutschland das vordere Kreuzband im Kniegelenk. Meistens passiert es durch einen Sportunfall. Ohne eine Operation lässt sich die Stabilität des Knies nicht wiederherstellen. Doch wie läuft die OP ab? Und welche Methoden gibt es noch?

Wie die Operation beim Kreuzbandriss abläuft

Ziel der OP ist es, das Kreuzband so anatomisch wie möglich wieder zu rekonstruieren. Mit Hilfe einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) setzt der Arzt eine Ersatzsehne aus der Kniebeuge oder ein Teil der Kniescheibensehne ein und spannt sie.

Neuerdings gibt es auch die double bundle Technik (Doppel Band Technik). Hierbei werden zwei kleine Beugesehnen von der Oberschenkelrückseite entnommen. Diese Sehnen waren früher für den Vierfüßlergang des Menschen notwendig. Heute sind sie überflüssig und können deshalb problemlos für die Rekonstruktion der beiden Bündel des Kreuzbandes verwendet werden.

Moderne Verfahren

Ein Ansatz aus den USA - "Healing Response" genannt - verzichtet auf den Ersatz des Kreuzbandes und ermöglicht angeblich eine schnellere Genesung. Die Methode eignet sich vor allem bei jungen Patienten. "Wenn bei einem Teilriss mindestens 20 Prozent der Fasern des vorderen Kreuzbandes durchgängig erhalten und der wichtige ernährende Schleimhautschlauch ebenfalls zu großen Teilen vorhanden ist, kann man die Methode grundsätzlich vornehmen", sagt der Orthopäde und Sportmediziner Erhan Basad von der Atos-Klinik in Heidelberg. Allerdings sei das nur möglich, wenn die Behandlung direkt nach der Verletzung oder innerhalb der ersten beiden Wochen vorgenommen werde.

Basad zufolge, der eine Studie zu diesem Verfahren durchgeführt hat, beträgt die Erfolgsrate etwa 87 Prozent. "Bei 13 Prozent der Patienten heilt das Kreuzband nicht von alleine wieder, und es muss doch noch eine Ersatzsehne eingesetzt werden." Die erfolgreich behandelten der Patienten seien bereits nach etwa drei bis sechs Monaten wieder fit.

Beim "Healing Response" wird arthroskopisch das Knochenmark im Ausrissbereich des schlecht durchbluteten Kreuzbandes mehrfach eröffnet, so dass Blut und damit auch Stammzellen aus dem Schleimhautschlauch und Markraum freigesetzt werden. Diese sollen quasi die Heilung des Gewebes ankurbeln. Zwischen Knochen und Kreuzband bildet sich vermehrt Narbengewebe, durch welches das Kreuzband wieder am Knochen anhaftet.

Der Vorteil bei einem Erhalt des Kreuzbandes liegt in der Schonung wichtiger Nervenfasern, die wichtig sind, um die Stellung des Kniegelenkes wahrzunehmen. Für die "Einheilung" muss das Knie mit Hilfe einer Schiene (Orthese) für drei Wochen überwiegend in Streckstellung nachbehandelt werden. Das Verfahren wird hierzulande bisher nur von wenigen Orthopäden/Sportmedizinern eingesetzt.

Gerlinde Felix

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