Modedroge in London Gefährlicher Lachgas-Kick

Billig, überall zu haben und ein Kick ohne Risiko: Dieses Image hat Lachgas in der Londoner Partyszene. Jeden Morgen sind Straßen und Parks mit leeren Kartuschen übersät. Der Trend ist jedoch nicht so harmlos, wie er scheint.

Lachgas-Kartuschen und Luftballons: Überbleibsel in einem Park im Londoner Stadtteil Shoreditch
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Lachgas-Kartuschen und Luftballons: Überbleibsel in einem Park im Londoner Stadtteil Shoreditch


Grinsend halten sich die zwei jungen Männer pralle, pinkfarbene Luftballons vor den Mund. Sie atmen tief ein und aus, schauen sich an und lassen sich laut lachend auf den Boden fallen. Da liegen sie kurz, kichern noch ein wenig, stehen schließlich auf und setzen sich zu ihren Freunden im Victoria-Park in London, als sei nichts gewesen.

Als es dunkel wird und die Liegewiesen sich leeren, bleiben auf dem weitläufigen Parkgelände zahllose kleine Gaspatronen zurück, aus denen Lachgas in die Ballons gefüllt wurde. Dazwischen liegen bunte, schlaffe Ballons. Etwa drei Pfund, also rund 3,80 Euro, kostet der kurze Lach-Kick. Distickstoffmonoxid, so der chemische Name, ist legal - etwa als Narkosemittel und in Patronen für Sahne-Aufspritzer. Als vermeintlicher Freizeitspaß ist das Gas inzwischen nicht nur im Osten Londons zum Problem geworden.

Keine Zahlen aus Deutschland

470.000 Menschen zwischen 16 und 59 Jahren haben nach Angaben des britischen Innenministeriums im vergangenen Jahr Lachgas inhaliert, im Vorjahr waren es noch rund 100.000 weniger. Streng genommen ist der Verkauf an Minderjährige und zu Genusszwecken untersagt, aber Polizisten geben zu: In dieser Grauzone können sie kaum handeln, höchstens hier und da Kartuschen konfiszieren.

Über die Verbreitung in Deutschland hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung keine Zahlen, auch im Drogen- und Suchtbericht spielt Lachgas keine Rolle. Aus Polizeikreisen heißt es, als besonderer Trend sei es nicht aufgefallen in letzter Zeit. Das Bundeskriminalamt hat ebenfalls keine Zahlen, da Lachgas-Verkauf und -Konsum nach dem Betäubungsmittelgesetz nicht strafbar sind. Laut einer 2011/2012 durchgeführten Studie haben acht Prozent der Schüler in Deutschland schon einmal Schnüffelstoffe ausprobert - dazu zählt neben Lachgas zum Beispiel Klebstoff.

Anders in Großbritannien, wo derzeit kein Straßenfest, kein Festival und kein ganz normaler Abend in der Ost-Londoner Szene ohne Lachgas denkbar ist. "Es schmeckt nach gar nichts", erzählt Andrew, 25, der gerade sein Mathe-Studium beendet hat. Bedenken, dass das Gas seiner Gesundheit schaden könnte, hat Andrew nicht. "Es dauert etwa 30 Sekunden, und dann ist man wieder ziemlich normal, vielleicht ist man ein bisschen gut drauf."

Todesfälle durch Sauerstoffmangel

So unkritisch sehen Politik und Wissenschaft das Mode-Rauschmittel nicht. "Es sind schon Menschen an Sauerstoffmangel gestorben, wenn sie mit riskanten Methoden versucht haben, besonders viel Lachgas über einen längeren Zeitraum einzuatmen", heißt es beim unabhängigen Drogen-Informationsportal "drugscience". Es gebe keine Alarmzeichen, bis die Konsumenten plötzlich bewusstlos würden, Hirnschäden könnten die Folge sein. Wer über längere Zeit viel Lachgas inhaliere, riskiere außerdem einen Mangel an Vitamin B12 und damit Schäden des Gehirns und des Nervensystems.

Mitte August präsentierte das britische Innenministerium eine Kampagne gegen "legal highs", den Rausch durch legale Stoffe wie Lachgas. "Einige dieser Substanzen sind erwiesenermaßen gefährlicher als illegale Drogen", sagte Norman Baker, der Staatssekretär für Verbrechensprävention. Derzeit werden Substanzen überprüft, bald soll ein Bericht vorliegen. Vorerst kehren die Straßenfeger weiterhin Morgen für Morgen Hunderte, wenn nicht Tausende Metallkartuschen auf Londons Straßen zusammen.

Teresa Dapp, dpa



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