Köln Patient stirbt an Lassa-Fieber

Es ist erst der sechste Fall in Deutschland: In Köln ist ein Patient am tropischen Lassa-Fieber gestorben.

Lassa-Virus-Partikel unter dem Elektronenmikroskop
DPA/Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Lassa-Virus-Partikel unter dem Elektronenmikroskop


Nach Angaben des Krankenhauses war der Patient mit der Diagnose Malaria direkt aus Afrika nach Köln überwiesen worden. Wenige Stunden später sei er gestorben, sagte Sprecher Timo Mügge. Am Mittwochnachmittag habe das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin - nach dem Tod des Patienten - die Verdachtsdiagnose Lassa-Fieber gestellt. "Daraufhin haben wir umgehend die zuständigen Behörden informiert, mit denen wir derzeit in enger Abstimmung stehen", sagte Mügge.

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 46 Jahre alten US-Bürger, der in Togo als Krankenpfleger gearbeitet hatte.

Am nächsten Morgen starb er. Die Mediziner gingen zunächst von einer Blutvergiftung aus, festgestellt wurde Multi-Organ-Versagen. Weitere Untersuchungen hätten schließlich "die überraschende Diagnose einer Lassa-Virus-Infektion" bestätigt, sagte Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln. Überraschend auch deshalb, weil Togo bisher nicht als Infektionsgebiet gegolten habe.

Das Lassa-Fieber zählt wie Ebola- und Marburg-Fieber zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebern. Die Lassa-Viren können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen auslösen, später sind Hautblutungen, Durchfall und Erbrechen möglich. Die Infektion kann tödlich verlaufen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) müssen Erkrankte strikt isoliert werden.

Lassa tritt in mehreren Ländern Westafrikas auf. In Deutschland kommt die Krankheit nur äußerst selten vor, wenn sie durch Reisende aus Afrika eingeschleppt wird. Das RKI zählte - mit Stand Oktober 2011 - für Deutschland nur fünf Krankheitsfälle auf. Im Jahr 2000 starb in Würzburg eine 23 Jahre alte Studentin, nachdem sie sich bei einer Reise nach Ghana und an die Elfenbeinküste mit Lassa infiziert hatte. Die Klinikabfälle wurden danach unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen in einer Sondermüllanlage verbrannt. Ebenfalls im Jahr 2000 starb ein Nigerianer in Wiesbaden an Lassa-Fieber.

Ein an Lassa-Fieber erkrankter Patient in Frankfurt am Main konnte 2006 nach fast drei Monaten die Klinik wieder verlassen. Der Mann hatte vorher als Chirurg in seiner westafrikanischen Heimat gearbeitet. 1974 und 1985 waren in Afrika tätige deutsche Ärzte erkrankt und wurden in Deutschland behandelt, beide erholten sich vom Lassa-Fieber.

Benannt ist die Krankheit nach einer Stadt im Nordosten Nigerias. 1969 wurde sie dort beschrieben und das Virus erstmals isoliert. Übertragen werden die Erreger von infizierten Nagetieren, die diese vor allem über den Urin ausscheiden. Menschen stecken sich oft über verunreinigte Lebensmittel an. Aber auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, etwa über Blut, Speichel, Erbrochenes, Urin oder ausgehustete Bluttropfen. In Nigeria hat ein Ausbruch des Lassa-Fiebers seit dem vergangenen August mehr als hundert Menschen das Leben gekostet.

wbr/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.