Legal Highs Onlineshops verkaufen Drogen an Jugendliche

Sie sind getarnt als Kräutermischungen oder Badesalz: Über das Internet lassen sich leicht psychoaktive Drogen bestellen. Nach dem Alter fragt dabei keiner, zeigt ein Test von Jugendschützern.

Mit Drogen versetzte Kräutermischung, beschlagnahmt von der Kriminalpolizei
DPA

Mit Drogen versetzte Kräutermischung, beschlagnahmt von der Kriminalpolizei


Die Pulver heißen "Beach Party" oder "Crazy Monkey": Jugendschützer warnen vor einer zunehmenden Gefahr durch psychoaktive Drogen, die über das Internet verkauft werden. Getarnt als Kräutermischungen, Lufterfrischer oder Badesalze seien die gefährlichen Substanzen auch für Minderjährige frei erhältlich und über soziale Netzwerke leicht zu finden, berichtet das Portal Jugendschutz.net.

Die Jugendschützer überprüften zwischen Oktober 2015 und Mai dieses Jahres insgesamt 86 deutschsprachige Webangebote, darunter 76 Onlineshops, die sogenannte Legal Highs anbieten. Laut den Recherchen bewerben die Shops ihre Produkte oft auch massiv bei sozialen Medien wie Facebook oder Twitter. Obwohl die Shops in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen betonten, nicht an unter 18-Jährige zu verkaufen, wurde das in keinem der 62 überprüften sichergestellt.

Oft schreiben die Händler demnach, die Mischungen seien nur Raumdüfte und nicht zum Essen oder Rauchen geeignet - ein Vorgehen, das vom Portal als reine Verschleierung eingestuft wird. Viele Anbieter preisen ihre Kräutermischungen demnach ausdrücklich als "legal" an. Dabei bleibt oft unklar, wie sich die Substanzen zusammensetzen.

Deutschland: 39 Todesfälle durch Legal Highs

"Fast jede Woche kommt eine neue Substanz mit leichten molekularen Änderungen auf den Markt", heißt es aus dem Büro der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU). Die Wirkungen seien ähnlich wie die von Cannabis oder Amphetaminen, allerdings oft viel stärker und nicht einschätzbar.

Mögliche Nebenwirkungen reichen von Übelkeit, Herzrasen, Panikattacken und Erbrechen bis hin zu Psychosen, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit und Tod. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Todesfälle durch Legal Highs nach Angaben des Bundeskriminalamts auf 39. Im Vorjahr waren es 25 Todesfälle. Die Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

"Häufig sind diese Onlineshops sehr jugendaffin gestaltet und erwecken den Eindruck, dass das Leben durch Rauschmittel bereichert wird", kritisiert auch Andreas Fischer, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Die KJM hat demnach erste Aufsichtsverfahren gegen deutsche Betreiber von Webshops eingeleitet, die psychoaktive Drogen anpreisen.

Bundesregierung plant Verbot

Bei den Legal Highs werden eigentlich verbotene Stoffe in ihrer chemischen Struktur so verändert, dass sie nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Ein Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett am 4. Mai beschlossen hat, soll Abhilfe schaffen.

Das geplante Verbot sei ein wichtiger Schritt, so die Jugendschützer. Wann das Gesetz in Kraft trete, sei aber ebenso offen wie die Frage, ob es alle rechtlichen Schlupflöcher stopfen könne. Viele Betreiber von Onlineshops wollten ihre "Umgehungsstrategien" fortsetzen. Hinzu komme die Gefahr durch ausländische Anbieter.

Theoretisch sollen mit dem neuen Gesetz Handel, Einfuhr, Verbreitung und Herstellung von neuen psychoaktiven Stoffen verboten und unter Strafe gestellt werden. Um eine Verbreitung in immer neuen Varianten zu verhindern, bezieht sich das Verbot auf ganze Stoffgruppen.

irb/AFP/dpa

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mistamista 20.06.2016
1. Und wieder ein schwachsinniges
Verbot. Statt Aufklärungskampagnen folgt ein wirkungsloses Verbot. Trotzdem werden diese Stoffe auch weiterhin zu kaufen sein, ob legal oder illegal. User werden kriminalisiert und Frau Mortler hat wie immer nichts zu sagen. Mit Verboten schafft man neue Probleme ohne die vorhandenen zu lösen.
lex1976 20.06.2016
2.
In meinem Bekanntenkreis gibt es Konsumenten. Reines Glück dass bislang es keinen Toten gab, auch im Straßenverkehr...
a.totok 20.06.2016
3.
darf ich in meinem leben eigentlich nicht über meine rauschzustand selbst entscheiden? ich habe doch sonst auch genügend rechte und pflichten
Tumtumo 20.06.2016
4. lächerlich
Hauptsache Marijuana nicht legalisieren, wahnsinnig. Ich meine Marijuana wurde in den Siebziger zum Schutz der Jugend für illegal erklärt! Heute bedient sich die Jugend via Internet an Gift, weil die mafiösen Politiker das Kraut verbieten.... je länger der Verbot anhält desto fragwürdiger wird es, wer vom Verbot profitiert. Gibt massig an Verschwörungstheorien, ich glaub aber das einige Politiker es selbst verticken und die Konkurrenz via Polizei (Steuerkosten) ausschalten. Paplo Escobar ist ein Witz im Vergleich zu Merkel & Co
mces2011 20.06.2016
5.
Wenn diese Substanzen nur leicht in ihrer Struktur verändert sind und somit gefährlicher, wieso greift man dann nicht auf die schon verbotenen und teils Erforschten Stoffgruppen zurück? Die verbote bringen nur noch mehr Probleme als Lösungen. Ich bin der Meinung dass man alles legalisieren sollte und ab einem gewissen Alter konsumieren darf und zudem in einem Fachgeschäft kaufen kann. Man muss das Zeugs ja nicht nehmen wenn man es nicht will. Jeder Mensch sollte frei handeln können solange er niemanden schadet. Ich setze mich auch gerne in einen Sportwagen und fahre schnell. Ob ich dabei sterben könnte oder nicht entschheide letztendlich ich und nicht das Fahrzeug. Genauso ist es auch bei Drogen. Der Konsument entscheidet wie stark der Rausch sein soll, ob er dabei letztendlich sterben könnte entscheidet er und nicht die Substanz.
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