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Krankheitswelle: Legionellen im Abwasser der Warsteiner Brauerei nachgewiesen

Kläranlage in Warstein: Quelle für Legionellen-Ausbruch noch nicht identifiziert Zur Großansicht
DPA

Kläranlage in Warstein: Quelle für Legionellen-Ausbruch noch nicht identifiziert

Der Ursprung für den Legionellen-Ausbruch in Warstein ist immer noch nicht eindeutig gefunden. Nun ist das Abwassersystem der Warsteiner Brauerei in den Fokus des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen geraten. Das Bier der Brauerei ist nicht betroffen.

Warstein - Der Legionellen-Ausbruch in Warstein ist einer der größten in der Geschichte Deutschlands. Nun wurde auch bei zwei Messungen im Abwassersystem der Warsteiner Brauerei eine starke Belastung von Legionellen-Bakterien festgestellt, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen. Bei einer weiteren Messung sei der Abwasserzulauf aus der Brauerei zur Kläranlage Warstein belastet gewesen. Das Umweltministerium prüft deshalb, ob die Brauerei-Kläranlage über die Luft kontaminiert wurde oder sogar die eigentliche Quelle für die Legionellenbelastung ist.

Das Bier der Brauerei sei nicht betroffen. Laut des Ministeriumssprechers werde es fast in einem Reinraum hergestellt und während der Produktion auf knapp 100 Grad erhitzt. Die Legionellen-Bakterien sterben bei über 60 Grad ab.

Der Brauerei sei nun die Abdeckung der Klärbecken sowie eine Desinfektion mit UV-Bestrahlung im Ablauf angeordnet worden. Außerdem müssen die Kühlaggregate ab sofort andauernd desinfiziert werden. Am Dienstag seien weitere amtliche Proben genommen worden, deren Ergebnisse frühestens am Freitag erwartet werden.

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Die Ergebnisse der ersten Messungen bei der Warsteiner Brauerei seien den Behörden am Dienstag bekannt gemacht worden, so das Ministerium. Sie seien der Anlass für eine Dienstbesprechung im Ministerium gewesen, an der neben zahlreichen Behörden auch Professor Martin Exner vom Hygiene-Institut der Uniklinik Bonn, das Umweltbundesamt sowie Vertreter der Brauerei teilnahmen. Nach Angaben eines Brauerei-Sprechers wurde hingegen die Brauerei am Dienstagabend durch den Kreis Soest über die hohe Belastung im Abwasser informiert.

Die Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG teilte mit, dass die Erreger am Ausgangsbereich eines Abwasser-Vorbehandlungsbeckens gefunden wurden. Es seien Schutzmaßnahmen eingeleitet worden. Man wolle alles Mögliche unternehmen, um Risiken für die Gesundheit der Mitarbeiter und der Bürger Warsteins auszuschließen. Unter anderem soll der Besucherbetrieb eingestellt bleiben, solange die Reisewarnung für Warstein besteht. "Unsere Produkte sind sicher", sagte eine Brauereisprecherin.

In Warstein sind in den vergangenen Wochen 165 Menschen mit einer Legionellen-Infektion behandelt worden. 26 Patienten liegen noch im Krankenhaus, zwei von ihnen auf der Intensivstation. Zwei Männer waren an einer durch die Bakterien ausgelösten Erkrankung gestorben. In einem weiteren Todesfall besteht der Verdacht, dass eine Legionellose die Ursache ist.

Die Kläranlage Warstein des Ruhrverbandes gilt als Ursprung für die Belastung des Flusses Wester. Über den Fluss waren die Erreger vermutlich in die Kühlanlage einer Firma und von dort in die Umgebungsluft gelangt. Eine Reisewarnung des Kreises Soest für Warstein gilt mindestens noch bis Donnerstag.

Die Legionellen-Bakterien vermehren sich erst ab etwa 20 Grad Celsius, optimal sind Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad. Bei über 60 Grad Celsius werden die Erreger abgetötet. Besonders durch die Verbreitung in Aerosolen, zum Beispiel in Whirlpools, Duschen, Kühltürmen oder Klimaanlagen, steigt das Infektionsrisiko. Von Mensch zu Mensch werden die Bakterien hingegen nicht übertragen.

max/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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1. 100° Celsius
günter1934 11.09.2013
Schon interessant, was man aus soeinem Artikel erfährt! Das Bier der Brauerei sei nicht betroffen. Laut des Ministeriumssprechers werde es fast in einem Reinraum hergestellt und während der Produktion auf knapp 100 Grad erhitzt. Ich dachte, sowas macht man nur bei haltbarer Milch, die ja dann auch entsprechend schmeckt. Normalerweise kann ich mir kaum vorstellen, dass Bier nach der Gärung auf 100° erhitzt wird. Experten, - wir warten auf eine Erklärung! :-)
2. Das Bier der Brauerei ist nicht betroffen.
mielforte 12.09.2013
Der Markt wird durch solche Meldungen dennoch beeinflusst. Die Warsteiner Brauerei als überregionaler Anbieter sollte Schadenersatz für den dadurch erlittenen Gewinneinbruch fordern.
3.
wp40548 12.09.2013
So so, das Bier ist also nicht betroffen? In jungen Jahren haben wir öfters an Brauereibesichtigungen in der Waldparkbrauerei teilgenommen. Naürlich wurde auch die Abfüllanlage besichtigt und dort wurde mitnichten das Bier mit 100 Grad in die Flaschen verfüllt. Auch nicht mit 60 Grad, was auch nur zu logisch ist. Beim Abkühlen würde das unweigerlich die Kronkorken nach innen einbeulen. Und ob die dann noch dicht wären wage ich zu bezweifeln. Trotzdem drücke ich der Brauerei und der Stadt, dass sie aus dieser Nummer unbeschadet wieder herauskommen.
4. Gebraut wird bei 65-75 Grad...
Andreas Forster 12.09.2013
... aber vielleicht wird das Wasser vor dem Brauen "abgekocht" um Keime zu vernichten.
5. Darf denn ein Getränk, das auf 100° erhitzt wurde
kampfbuckler 12.09.2013
überhaupt noch als Bier bezeichnet werden?
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