Legionellen in Warstein Krisenstab verlängert Reisewarnung

Die Legionellen-Krise ist noch nicht ausgestanden: Reisende sollten Warstein nach Möglichkeit meiden. Das empfehlen die lokalen Behörden. Noch muss die Warsteiner Brauerei sicherstellen, dass sie keine Erreger über das Abwassersystem in die Kläranlage leitet.

DPA

Warstein/Soest - 165 Menschen, die behandelt werden mussten, zwei Tote: Das ist die bisherige Bilanz des Legionellen-Ausbruchs in Warstein. Zwar gab es in den vergangenen Tagen keine neue Erkrankungsfälle, doch nachdem die gefährlichen Erreger auch in der berühmten Warsteiner Brauerei festgestellt worden waren, haben die Behörden den Kampf gegen die Seuche noch einmal verschärft.

Unklar ist bisher, wie die Bakterien in das Abwasser der Großbrauerei gekommen sind. Fest steht nur, dass das Bier nicht betroffen ist. Sowohl Ministerium als auch Brauerei versichern, dass das Bier frei von Legionellen sei. Dennoch hat sich der Krisenstab des Kreises Soest dafür entschieden, die Reisewarnung für Warstein weiter aufrecht zu erhalten.

Geprüft wird jetzt vor allem, wo die Legionellen-Welle in der sauerländischen Stadt Warstein ihren eigentlichen Ausgang genommen hat. "Die Warsteiner Brauerei ist für uns derzeit nicht die ursächliche Quelle", sagte Frank Seidlitz, Sprecher des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums, am Donnerstag.

Das Bier werde während der Produktion auf fast 100 Grad erhitzt. Die Bakterien sterben bei über 60 Grad ab. Dennoch gelten für die Brauerei jetzt bestimmte Auflagen. Das Düsseldorfer Ministerium erwarte, dass die Vorkehrungen in den kommenden Tagen umgesetzt werden, sagte Seidlitz. Dazu gehören etwa eine Desinfektion mit UV-Bestrahlung sowie die Abdeckung der Klärbecken.

"Unsere Produkte sind sicher"

"Unsere Produkte sind sicher", hatte eine Brauereisprecherin betont, nachdem der Legionellen-Befall am Mittwochabend bekanntgeworden war. Der Fund an einem Abwasserbecken der Brauerei ist ein Dämpfer für die Warsteiner, denn zuvor sah alles nach einer bevorstehenden Entwarnung aus.

Vermutlich waren die Legionellen über die Vorkläranlage der Brauerei und eine weitere Kläranlage über den Fluss Wester in die Kühlanlage einer Firma gelangt - und von dort aus im Wasserdampf in die Umgebungsluft. Jene zwei Betroffene, die nachgewiesenermaßen an der Legionellen-Infektion gestorben waren, hatten die Bakterien eingeatmet.

Trotzdem ist die Brauerei nach den bisherigen Erkenntnissen nicht der eigentliche Ausgangspunkt. Einige Schutzmaßnahmen sind bereits getroffen - so wurde etwa die Firma, über deren Kühlung die Erreger in die Außenluft gelangten, stillgelegt. Eine Kläranlage hat darüber hinaus neue Reinigungs- und Schutzmaßnahmen getroffen.

Reisewarnung bis Montag

Da aber noch nicht sämtliche Vorkehrungen abgeschlossen sind, soll die Reisewarnung für Warstein bis kommenden Montag gelten. Unter anderem muss ein Klärbecken des Ruhrverbandes noch komplett abgedeckt werden. Außerdem müsse die Brauerei noch sicherstellen, dass kein mit Legionellen belastetes Wasser aus der Brauerei-Vorklärung mehr zur kommunalen Kläranlage fließt. Dort waren zuletzt besonders hohe Legionellen-Werte gemessen worden. Am Montag will der Krisenstab erneut beraten.

Das Umweltministerium glaubt, dass die Erreger möglicherweise über die Luft, über Vogelkot oder Vorproduktionen in die Brauerei gelangt sein könnten. Lebensmittelkontrolleure haben bereits Proben von eingehenden Materialien gezogen. Sollten die Erreger über die Außenluft gekommen sein, dürfte sich das Problem wegen der inzwischen kühlen Witterung verringern, da Legionellen wärmere Umgebung zur raschen Vermehrung brauchen.

Legionellen kommen weltweit im Boden und in oberflächlichen Gewässern vor. Nach Informationen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist es auch normal, dass Legionellen in geringer Anzahl im Grundwasser und dadurch im Trinkwasser vorkommen, wenn auch in sehr geringer Konzentration.

Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung, die bei bis zu einem Viertel der Patienten tödlich verläuft. Häufiger ist das sogenannte Pontiac-Fieber, ein grippeähnlicher Verlauf der Infektion mit Legionellen. Gegen die meisten dieser Bakterien helfen Antibiotika, eine Impfung gibt es nicht.

cib/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pinsel66 12.09.2013
1.
Die einzige ERklärung die mir dazu einfällt sind warme Prozeßabwässer. Legionellen sterben zwar oberhalb der 60°C aber in warmen Wasser bis 50°C gedeihen sie prächtig. Da Abwasser in Kläranlagen üblicherweise unter der Wohlfühlgrenze von Legionellen liegt gibt es das Problem in der Regel dort nicht. Daher kann eigentlich nur eine Einleitung von zu warmen Wasser (das bis dahin wahrscheinlich selber unbelastet war) zu dem Ausbruch geführt haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.