Medikamente und Impfstoffe Der nächste Lieferengpass kommt bestimmt

Eine Charge ist unbrauchbar, die Nachfrage plötzlich gestiegen, nur ein Hersteller produziert das Mittel: Immer wieder kommt es bei Medikamenten zu Lieferengpässen. Laut Bundesregierung sind diese auch in Zukunft nicht auszuschließen.

Impfung (Archivbild): "Lieferengpässe sind in der Regel zeitlich begrenzt"
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Impfung (Archivbild): "Lieferengpässe sind in der Regel zeitlich begrenzt"


Berlin - Anfang des Jahres wurden mehrere Impfstoffe knapp: Einige Chargen genügten nicht den Qualitätskriterien, um sie freizugeben, hatte Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) mitgeteilt. Deshalb waren die Vierfach-Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie ein Einzelimpfstoff gegen Windpocken plötzlich Mangelware. Bei einem weiteren von GSK produzierten Impfstoff gab es Anfang 2014 ebenfalls Lieferengpässe.

So etwas lasse sich auch in Zukunft nicht ausschließen, teilt nun das Bundesgesundheitsministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag mit.

"Lieferengpässe oder Lieferunfähigkeiten bei einzelnen Impfstoffen können immer wieder auftreten und sind in der Regel zeitlich begrenzt", heißt es in der Stellungnahme. Krankheitsausbrüche aufgrund nicht erfolgter Impfung seien bisher nicht aufgetreten.

Die Gründe der Hersteller

Seit 2012 kam es bei einigen Arzneimitteln zu Lieferengpässen, nicht nur bei Impfstoffen. Betroffen waren unter anderem Krebsmedikamente Antibiotika, und Schilddrüsenhormone.

Als Grund für die Lieferprobleme hatte die Pharmaindustrie neben Qualitätsmängeln bei der Herstellung auch eine unerwartet hohe Nachfrage, eingeschränkte Produktionskapazitäten sowie einen zunehmenden Kostendruck im Arzneimittelbereich genannt.

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) bemängelte anlässlich der jüngsten Lieferengpässe Monopolisierung und fehlenden Preiswettbewerb bei der Impfstoff-Herstellung. Das gefährde die Impfprävention.

Als Reaktion auf Lieferengpässe hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im vergangenen Jahr eine Datenbank eingerichtet, über die Unternehmen Lieferengpässe melden sollen. Diese Meldungen sind allerdings freiwillig.

In vielen Fällen stehen laut Gesundheitsministerium alternative Arzneimittel für die Behandlung zur Verfügung. Lieferengpässe führten damit nicht zwangsläufig zu Versorgungsengpässen.

Die Linkspartei warf der Regierung Untätigkeit vor. Das freiwillige Melderegister für die Hersteller sei unzureichend, kritisierte Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte in der Linken-Bundestagsfraktion.

wbr/AFP



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insgesamt 10 Beiträge
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Spiegelleserin57 13.03.2014
1. Engpass??
man produziert halt just in time, dann kann es zu Engpässen kommen, niemand möchte auf Ware sitzen bleiben die nicht angefragt wird!
fritzfrie 13.03.2014
2. Dem investigativen Journalismus....
müsste es doch in den Fingern jucken, die tatsächlichen Gründe für diese Lieferengpässe aufzudecken. Ich kann Ihnen eines garantieren: ein hochinteressantes Thema, bei dem sie über Wohnzimmer-Pharmafirmen, Produktionsstätten für Wirkstoffe in Bangladesh vieles entdecken würden, was sie niemals für möglich gehalten hätten.
CancunMM 13.03.2014
3.
Zitat von fritzfriemüsste es doch in den Fingern jucken, die tatsächlichen Gründe für diese Lieferengpässe aufzudecken. Ich kann Ihnen eines garantieren: ein hochinteressantes Thema, bei dem sie über Wohnzimmer-Pharmafirmen, Produktionsstätten für Wirkstoffe in Bangladesh vieles entdecken würden, was sie niemals für möglich gehalten hätten.
Also gegen Produktionsstätten in Bangladesh ist ja erst einmal nichts einzuwenden.
tw1974 13.03.2014
4. Erklärung?
Zitat von fritzfriemüsste es doch in den Fingern jucken, die tatsächlichen Gründe für diese Lieferengpässe aufzudecken. Ich kann Ihnen eines garantieren: ein hochinteressantes Thema, bei dem sie über Wohnzimmer-Pharmafirmen, Produktionsstätten für Wirkstoffe in Bangladesh vieles entdecken würden, was sie niemals für möglich gehalten hätten.
Wenn Sie diese kennen, warum teilen Sie Ihr überlegenes Wissen dann nicht, sondern beschränken sich auf Andeutungen? Was ist denn eine "Wohnzimmer-Pharmafirma"? Eine Firma ist meines Wissens die Unterschrift (eines Kaufmannes). Meinen Sie "Wohnzimmer-Pharmaunternehmen"? Was soll das sein? Ein Pharmaunternehmen, das vom Wohnzimmer aus betrieben wird? Warum soll das ein Grund für den Lieferengpass sein? Haben die Sofaflusen die Charge verseucht, als Opa Hoppenstedt den Deckel des Produktionsbehälters nicht geschlossen hat, als er sich aufs Sofa setzte? Warum sollen Produktionsstätten in Bangladesh für den Lieferengpass verantwortlich sein? Je mehr Produktionsstätten es gibt, desto sicherer wird tendenziell doch die Versorgung, oder? Warum sollte man das nicht für möglich halten? Das pharmazeutische Grundstoffe oder sogar Wirkstoffe inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Asien (z.B. Bangladesh) hergestellt werden, halte ich für sehr wahrscheinlich. Da ist erstmal doch auch nichts gegen einzuwenden, oder? Wenn es um die "Wohnzimmer-Pharmafirmen" geht: Das es Unternehmen gibt, deren Geschäftsadresse eine Privatwohnung ist, ist recht häufig.
ghanima23 13.03.2014
5.
Zitat von tw1974Wenn Sie diese kennen, warum teilen Sie Ihr überlegenes Wissen dann nicht, sondern beschränken sich auf Andeutungen? Was ist denn eine "Wohnzimmer-Pharmafirma"? Eine Firma ist meines Wissens die Unterschrift (eines Kaufmannes). Meinen Sie "Wohnzimmer-Pharmaunternehmen"? Was soll das sein? Ein Pharmaunternehmen, das vom Wohnzimmer aus betrieben wird? Warum soll das ein Grund für den Lieferengpass sein? Haben die Sofaflusen die Charge verseucht, als Opa Hoppenstedt den Deckel des Produktionsbehälters nicht geschlossen hat, als er sich aufs Sofa setzte? Warum sollen Produktionsstätten in Bangladesh für den Lieferengpass verantwortlich sein? Je mehr Produktionsstätten es gibt, desto sicherer wird tendenziell doch die Versorgung, oder? Warum sollte man das nicht für möglich halten? Das pharmazeutische Grundstoffe oder sogar Wirkstoffe inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Asien (z.B. Bangladesh) hergestellt werden, halte ich für sehr wahrscheinlich. Da ist erstmal doch auch nichts gegen einzuwenden, oder? Wenn es um die "Wohnzimmer-Pharmafirmen" geht: Das es Unternehmen gibt, deren Geschäftsadresse eine Privatwohnung ist, ist recht häufig.
Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Stünde die vollständige Produktionskette in D, wäre das meiste unbezahlbar. Keine Ahnung wie viel aus Bangladesh kommt, viel kommt aber aus Indien. Die haben grosse Firmen die Wirkstoffe und auch Generika produzieren und sich regelmässig mit den westlichen Firmen ums Patentrecht für die Medikamente streiten. Auf der anderen Seite kommen die meisten gefälschten Medikamente auch aus Indien. Ein afrikanisches Land (Nigeria?) hat die Einfuhr von Medikamenten aus Indien komplett verboten nach dem es dort Todesfälle gab. Wie dem auch sei, ohne den Zukauf von Wirkstoffen und und Vorgängerstufen für Wirkstoffe, würden die meisten nur noch staunen, was Sie für ihre Medikamente zahlen müssten. Ein Giftgasprogramm für einen 3.Welt Staat ist im Vergleich zur Herstellung vieler Medikamente ein reines Kinderspiel. :) Wie ein anderer Forist bemerkte, das Problem der Pharmafirmen ist, das Sie just in time produzieren, und das besonders bei Impfstoffen. Das zweite Problem sind die regulatorischen Anforderungen bevor Sieeine Wirkstoffcharge überhaupt in den Handel bringen können. Da kriegen Sie keine API's die aus Opas Hobbyküche stammen, weiterverarbeitet. Da müssen sie schlicht damit rechnen, das es bei einer sprunghaften Nachfrage nach Impfstoffen, vor allen wenn dann noch einzelne Chargen zurückgewiesen werden, schnell zu Engpässen kommt.
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