Ansteckung über Flöhe Los Angeles kämpft gegen Fleckfieberausbruch unter Obdachlosen

Zehntausende Menschen leben in L.A. auf der Straße. Die Hygienebedingungen sind so schlecht, dass sich Krankheiten ausbreiten, die man sonst nur aus Entwicklungsländern kennt.

AP

Von Magdalena Hamm


64 Fälle von Fleckfieber wurden der Gesundheitsbehörde des Los Angeles County in diesem Jahr bisher gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 67 Fälle. Beide Zahlen sind ungewöhnlich hoch, doppelt so hoch wie die durchschnittliche Zahl der registrierten Krankheitsfälle in den vorherigen Jahren, teilte die Behörde mit. Bei der Mehrheit der Erkrankten handelt es sich um Obdachlose.

Im Stadtgebiet von L.A. leben nach offizieller Statistik mehr als 30.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Viele von ihnen kampieren in Zelten unter Brücken oder entlang von Schnellstraßen und Bahnlinien. Sie haben kaum Zugang zu Toiletten und Waschräumen.

Nach Hepatitisausbruch folgt nun Fleckfieber

Im vergangenen Jahr hatte Los Angeles schon mit einer anderen Krankheitswelle unter Obdachlosen zu kämpfen. Damals breitete sich Hepatitis A in Kalifornien aus, Hunderte Menschen im Bundesstaat steckten sich an, 21 starben.

Bei der jetzt grassierenden Fleckfieberinfektion handelt es sich glücklicherweise um eine milde Form, die nur in seltenen Fällen tödlich endet und auch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die Ansteckung erfolgt über Flöhe, die zum Beispiel im Fell von Ratten, Opossums und Straßenkatzen zu finden sind.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen etwa ein bis zwei Wochen. Zu den Symptomen gehören plötzlich auftretendes Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, seltener auch Erbrechen und Hautausschlag. In schweren Fällen kann es zu Schädigungen der Nieren, der Atemwege, des Herzens oder des Nervensystems kommen.

Sowohl Hepatitis A als auch Fleckfieber gelten die in westlichen Industrienationen als weitgehend ausgerottet. Beide Krankheiten sind mit mangelnder Hygiene und extremer Armut assoziiert und treten vor allem in Entwicklungsländern auf.

Wie Los Angeles gegen die Krankheit vorgeht

"Wenn ich durch mein Distrikt fahre, fühle ich mich an manchen Orten an Lebensbedingungen in einem Dritte-Welt-Land erinnert", klagt Kathryn Barger, Verwaltungsrätin des Los Angeles County, in einer Ratssitzung am vergangenen Dienstag.

Barger hatte sich schon zu Beginn des Jahres dafür eingesetzt, die hygienischen Bedingungen für Obdachlose in Los Angeles und dem angrenzenden Umland zu verbessern. Angesichts der gestiegenen Ansteckungsrate mit Fleckfieber, zeigt sie sich ernüchtert. "Wir stellen mobile Duschen zur Verfügung, sie benutzen sie aber einfach nicht, sondern leben weiter unter diesen schmutzigen Umständen."

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Die Situation sei besorgniserregend, nicht nur für die Wohnungslosen selbst, sondern auch für die Anwohner der betroffenen Ortsteile, so die Verwaltungsrätin. In der Ratssitzung wurde deshalb ein Aktionsplan gegen Fleckfieber beschlossen: Die Stadt lässt Insektenschutzmittel an Obdachlose verteilen, sowie Flohhalsbänder für ihre Haustiere. Außerdem sollen 300.000 US-Dollar dafür aufgewendet werden, um deren Zeltstädte und die Umgebung zu säubern.

Die Menschen von der Straße holen

Dass so viele Menschen in Los Angeles auf der Straße leben, liegt vor allem an den horrenden Mieten, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Die Regionalverwaltung reagierte erst vor Kurzem darauf und legte ein millionenschweres Finanzierungspaket auf, mit dem unter anderem temporäre Unterkünfte für Obdachlose gebaut werden sollen. Die Umsetzung der Bauprojekte kommt aber nur schleppend voran, bisher wurde erst eins von zehn geplanten Heimen fertiggestellt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes haben wir von einem Typhus-Ausbruch geschrieben. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Fleckfieber, das auf Englisch mit "typhus" übersetzt wird. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.



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