Pharma-Skandal in Brandenburg Beschlagnahmte Medikamente bestehen Qualitätstest

Ein Brandenburger Unternehmen soll sensible Krebsmedikamente in Griechenland geklaut und in Deutschland verkauft haben. Jetzt wurden Ergebnisse zur Qualität der beschlagnahmten Mittel öffentlich.

Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH
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Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH


Im Brandenburger Arzneimittelskandal haben die Laboruntersuchungen keine Hinweise auf Mängel bei beschlagnahmten Medikamenten ergeben. "Bei keiner der untersuchten Proben wurde die Qualität der Medikamente beanstandet", teilte das Gesundheitsministerium des Landes mit. Das heißt unter anderem, die Mittel enthielten die festgeschriebenen Mengen an Wirkstoff.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Patientinnen und Patienten dem Risiko einer gesundheitlichen Schädigung ausgesetzt waren, ist damit sehr gering", erklärte die neue Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke). Trotzdem könne es nicht völlig ausgeschlossen werden. Karawanskij war erst am Vormittag ernannt und vereidigt worden. Ihre Vorgängerin, Ministerin Diana Golze (Linke), war im Zuge des Skandals zurückgetreten.

Hehlerei und der Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz

Dem Brandenburger Unternehmen Lunapharm werden gewerbsmäßige Hehlerei und der Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Das Unternehmen soll in großem Stil hochpreisige Krebsmedikamente vertrieben haben, die aus teils dubiosen Quellen stammten. Unter anderem seien die Präparate zuvor in Krankenhäusern in Griechenland gestohlen worden, so der Verdacht der Ermittler.

Allein in Brandenburg erhielten elf Patienten die betroffenen Chargen, in anderen Bundesländern könnten es Hunderte weitere sein. Noch ist auch unklar, ob die bereits eingenommenen Medikamente ebenfalls wirksam waren. Das ARD-Politikmagazin "Kontraste" hatte die Ermittlungen gegen Lunapharm im Juli öffentlich gemacht.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft unter anderem die Geschäftsführerin der Brandenburger Firma sowie ein Deutschägypter, der in Athen eine Apotheke betrieb und derzeit in griechischer Haft sitzt. Wie "Kontraste" unter Berufung auf griechische Ermittlungsakten berichtet, habe die Apotheke in Athen allein in den Jahren 2013 bis 2016 Medikamente für mehr als 20 Millionen Euro an Lunapharm geliefert.

irb/dpa



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