Handel mit gestohlenen Medikamenten Ermittler rücken zu Razzien im Fall Lunapharm aus

Der Skandal um das brandenburgische Pharmaunternehmen Lunapharm weitet sich aus: In Deutschland und der Schweiz gab es mehrere Razzien, es geht um den Vorwurf der gewerbsmäßigen Hehlerei.

Firmensitz von Lunapharm im brandenburgischen Blankenfelde-Mahlow
DPA

Firmensitz von Lunapharm im brandenburgischen Blankenfelde-Mahlow


Die Brandenburger Pharmafirma Lunapharm steht im Verdacht, jahrelang mit gestohlenen und möglicherweise unwirksamen Krebsmedikamenten gehandelt zu haben. Jetzt weitet sich der Skandal aus: Nach Informationen des SPIEGEL und des ARD-Politikmagazins "Kontraste" gab es in dem Fall nun mehrere Durchsuchungsaktionen in Deutschland und der Schweiz.

Demnach ließ die Staatsanwaltschaft Potsdam am Mittwoch insgesamt elf Wohn- und Geschäftsräume aus dem Umfeld von Lunapharm in Hessen durchsuchen. Zuvor hatte die Behörde Ermittlungsverfahren gegen fünf neue Beschuldigte eingeleitet, womit sich der Kreis der Verdächtigen im Fallkomplex "Lunapharm" auf insgesamt sieben Personen erhöht.

In Griechenland gestohlen, in Deutschland verkauft

Wie ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte, geht es um den Vorwurf der gewerbsmäßigen Hehlerei und des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. In großem Stil, so der Verdacht der Ermittler, soll Lunapharm hochpreisige und empfindliche Krebsmedikamente vertrieben haben, die aus teils dubiosen Quellen stammten. Unter anderem seien die Präparate zuvor in Krankenhäusern in Griechenland gestohlen worden.

Im Zentrum der Ermittlungen standen laut Staatsanwaltschaft bislang die Geschäftsführerin der Brandenburger Firma sowie ein Deutschägypter, der in Athen eine Apotheke betrieb und derzeit in griechischer Haft sitzt. Bei den fünf neuen Beschuldigten im Alter von 29 bis 67 Jahren handelt es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um Personen aus dem Geschäftsumfeld von Lunapharm. Bei den am Mittwoch durchgeführten Durchsuchungen in Bad Homburg, Frankfurt am Main, Dreieich, Offenbach, Schlangenbad und Wiesbaden seien zahlreiche Datenträger und Unterlagen sichergestellt worden.

Nach Informationen des ARD-Politikmagazins "Kontraste", das die Ermittlungen gegen Lunapharm im Juli öffentlich gemacht hatte, kam es am Donnerstag zudem zu einer Durchsuchung bei einemPharmahändler im Schweizer Kanton Zug. Am Morgen seien dort Ermittler der staatlichen Schweizer Arzneimittelaufsichtsbehörde "Swissmedic" vorgefahren und hätten ebenfalls Unterlagen gesichtet.

Brandenburgs Gesundheitsministerin unter Druck

Nach "Kontraste"-Informationen unterhielt das Schweizer Unternehmen ebenfalls Kontakte zu jener griechischen Apotheke, die die verdächtigen Krebsmedikamente - teils über Umwege - an Lunapharm geliefert haben soll. Wie "Kontraste" unter Berufung auf griechische Ermittlungsakten berichtet, seien von der Apotheke in Athen allein in den Jahren 2013 bis 2016 Medikamente für mehr als 20 Millionen Euro an Lunapharm geliefert worden. Die Geschäftsführerin von Lunapharm war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zunächst nicht erreichbar.

Der Fall schlägt in Brandenburg auch politisch hohe Wellen: Die Potsdamer Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) geriet wegen des Pharmaskandals unter erheblichen Druck. Am kommenden Dienstag gibt es eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags zu der Affäre.

srö



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