Madagaskar Zahl der Pesttoten steigt auf über 100

Auf Madagaskar haben sich mehr als 1100 Menschen mit der Pest infiziert, täglich steigen die Zahlen. Unbehandelt kann die Krankheit innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen.

Ein Mann hilft in Antananarivo beim Anlegen eines Mundschutzes
DPA

Ein Mann hilft in Antananarivo beim Anlegen eines Mundschutzes


Die Zahl der Toten durch den jüngsten Pestausbruch auf Madagaskar ist auf 107 gestiegen. Mehr als 1100 Menschen haben sich mit der Krankheit infiziert, knapp 700 davon konnten bislang geheilt werden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Großteil der Erkrankten leide an der hochgefährlichen Lungenpest.

Unbehandelt führt diese oft innerhalb von 24 Stunden zum Tod. Da sie wie eine Grippe durch Tröpfchen übertragen wird, kann sie sich sehr schnell ausbreiten. Die Epidemie in dem Inselstaat vor der Südostküste Afrikas hatte Anfang September begonnen.

Pestfälle sind auf Madagaskar nicht ungewöhnlich, seit 1980 gibt es fast jedes Jahr einen Ausbruch. In der Regel handelt es sich jedoch um kleinere Ausbrüche der weniger gefährlichen Beulenpest. Durch die vielen Lungenpest-Erkrankten ist die aktuelle Situation deutlich gefährlicher. Hinzu kommt, dass auch Städte betroffen sind, darunter die Hauptstadt Antananarivo.

Sichere Beerdigungen wie bei der Ebola-Epidemie

Auf Madagaskar herrsche zunehmend Panik, Kranke würden stigmatisiert, warnte das Internationale Rote Kreuz (IFRC). Dadurch bestehe die Gefahr, dass Infizierte und ihre Angehörigen untertauchten und es nicht möglich sei, sie zu versorgen und das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Städtische Angestellte desinfizieren in Antananarivo ein Klassenzimmer der Grundschule.
DPA

Städtische Angestellte desinfizieren in Antananarivo ein Klassenzimmer der Grundschule.

Das Internationale Rote Kreuz unterstützt die Behörden auf Madagaskar unter anderem mit sicheren Beerdigungen, wie sie auch während der Ebola-Epidemie in Westafrika angewendet wurden. Bei den Zeremonien wird sichergestellt, dass niemand den Toten berührt oder anders mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommt, um eine Übertragung der Krankheit zu verhindern.

Zunächst Fieber, dann schwellen die Lymphknoten an

"Den Menschen ist die Gefahr aber auch bewusst", sagt Mamy Randria, Direktor der Infektiologie in einem öffentlichen Krankenhaus in Antananarivo. "Sie wissen, dass sie bei Fieber und anderen Symptomen einen Arzt aufsuchen müssen." Aktuell werden zunehmend Krankenwagen bereitgestellt, um sicherzugehen, dass Infizierte nicht in überfüllten Bussen oder Taxis ins Krankenhaus fahren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zudem rund 1,5 Millionen Dosen Antibiotika zur Behandlung und Prophylaxe nach Madagaskar geschickt. Diese reichen für die Behandlung von 5000 Patienten und könnten weitere 100.000 Menschen schützen.

Verursacher der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis. Der Erreger wird meist durch infizierte Flöhe von Ratten übertragen. Eine Infektion führt zunächst zu Symptomen wie bei einer schweren Grippe, dann schwellen Lymphknoten zu dicken Beulen an. Bei früher Diagnose sind die Heilungschancen durch Antibiotika sehr hoch.

irb/dpa/Reuters



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