Hamburg/Berlin - In den diagnostischen Laboren der Gesundheitsbehörden sind an diesem Wochenende Überstunden angesagt: Seit dem massenhaften Auftreten von Magen-Darm-Infekten in Ostdeutschland analysieren Mitarbeiter Essensproben, Speisepläne der Schulkantinen und Lieferwege der Lebensmittel um auf zwei Fragen eine Antwort zu finden: Welcher Erreger ist für den Ausbruch der Epidemie verantwortlich? Und über welche Wege hat er sich ausgebreitet?
Inzwischen leiden fast 7000 Kinder und Jugendliche aus Berlin, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg unter Brechdurchfall. Und jetzt mehren sich die Hinweise darauf, dass das hochansteckende Norovirus die Ursache sein könnte: In mehr als 20 Fällen wurde es zumindest bereits nachgewiesen. Wie das Dresdner Sozialministerium und das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz in Thüringen am Samstag mitteilten, sind in Sachsen 16 Fälle bekannt geworden, in Thüringen bisher sieben.
Die Thüringer Behörden gehen aber davon aus, dass es noch andere Ursachen für die gehäuften Erkrankungen geben muss. Das Robert Koch-Institut (RKI) wollte dazu keine Einschätzung geben. "Wir müssen nicht jedes Laborergebnis kommentieren", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher in Berlin.
Auch Pädagogen bereits betroffen
Auch einige Pädagogen sind in den fünf Bundesländern von der Erkrankungswelle betroffen. Die Einrichtungen wurden alle von demselben Caterer beliefert. In den meisten Fällen verlief die Krankheit ohne größere Komplikationen. Nur wenige Patienten mussten stationär behandelt werden. Eine Infektion mit dem Norovirus führt zu Durchfall und Erbrechen. Oft kommen Schmerzen, Übelkeit oder Fieber dazu.
Der gesicherte Nachweis, dass es sich wirklich um Noroviren handelt, steht allerdings noch aus. Das betonte auch der Sprecher des Bundesverbraucherministeriums, Holger Eichele. Am Samstag wollte sich die Task Force im Berliner Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) treffen. Die Prüfung der Waren- und Lieferwege möglicherweise betroffener Lebensmittel werde auch über das Wochenende mit Hochdruck fortgesetzt. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde eingeschaltet. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, Ziel müsse es sein, die Ursache der Erkrankungen schnellstmöglich zu finden und den Eintrag in die Lebensmittelkette zu stoppen.
Da Noroviren hochansteckend sind, sollten Eltern und Angehörige der erkrankten Kinder sowie Mitarbeiter betroffenen Schuleinrichtungen in jedem Fall die üblichen Hygienemaßnahmen strikt einhalten: Insbesondere zählt dazu Händewaschen nach jedem Toilettenbesuch. Zudem werden für den Umgang mit Patienten Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe empfohlen. Alle Oberflächen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte, sollten regelmäßig desinfiziert werden. Auch eine separate Toilette für den Erkrankten ist angebracht.
cib/dpa
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