Makuladegeneration Neuer Wirkstoff soll Sehverlust bremsen

Drohende Erblindung: Bislang können Ärzte eine Form der altersabhängigen Makuladegeneration nicht heilen. Nun gibt es Hoffnung, dass ein Antikörper das Zellsterben im Auge zumindest bremsen könnte.

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Der Sehverlust schreitet meist langsam aber unaufhaltsam fort: Wer eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) hat, sieht mit der Zeit immer verschwommener und ist dadurch zunehmend im Alltag eingeschränkt. Eine ursächliche Therapie gibt es - bis auf teils erfolgreiche Versuche mit embryonalen Stammzellen - bislang nicht.

Jetzt testen Mediziner allerdings ein Mittel, das möglicherweise in Zukunft als Arznei eingesetzt werden könnte. In einer internationalen Studie setzte ein Forscherteam den Antikörper Lampalizumab gegen die Spätform der trockenen AMD ein - die sogenannte geografische Atrophie.

Demnach bessern monatliche Injektionen des Mittels in den Augapfel die Sehkraft zwar nicht, sie bremsen aber das Fortschreiten der Krankheit bei vielen Patienten deutlich. Das berichtet das Team um Erich Strauss vom Hersteller Genentech im Fachblatt "Science Translational Medicine". An der Studie ist auch die Uniklinik in Bonn beteiligt.

Ablagerungen in der Netzhaut

In Deutschland ist die altersbedingte Makuladegeneration die häufigste Erblindungsursache bei Menschen über 50 Jahren. Unter ihnen ist sie für etwa ein Drittel der Neuerblindungen verantwortlich, insgesamt sind hierzulande Schätzungen zu Folge zwei Millionen Menschen betroffen.

Durch die Augenerkrankung verlieren Zellen der Netzhaut im Punkt des schärfsten Sehens (die etwa zehn Quadratmillimeter große Makula) ihre Funktion. In der Frühphase häufen sich unter der Netzhaut Stoffwechselprodukte, die die Zellen nicht mehr abbauen können, diese Ablagerungen wölben die Makula auf. Die Umgebung erscheint dadurch zunehmend verschwommen. Sobald nur noch zwei Prozent des Sehvermögens vorhanden sind, gelten Betroffene als blind, auch wenn sie etwa Schatten noch wahrnehmen können.

Gegen die deutlich seltenere, feuchte Spätform der AMD gibt es seit etwa einem Jahrzehnt eine Therapie, die das Sehvermögen bessern kann.

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In der aktuellen Studie testete das Team den Antikörper an etwa 120 Patienten ab 60 Jahren, die entweder den Wirkstoff oder Scheininjektionen erhielten. Es handelte sich dabei um eine sogenannte Phase-2-Studie, in der vor allem die Sicherheit eines Wirkstoffs und das Therapiekonzept - also monatliche Injektionen - getestet werden sollten.

Erste Resultate zeichneten sich nach sechs Monaten ab. Im Lauf der 18-monatigen Studie hemmte das Mittel das Fortschreiten der Schäden im Vergleich zur Scheinbehandlung um 20 Prozent: In der Kontrollgruppe breitete sich die geografische Atrophie um 2,8 Quadratmillimeter aus, in der behandelten Gruppe um 2,2 Quadratmillimeter.

Mehr Effekte bei Frauen

Die genauere Analyse der Daten zeigte, dass vor allem Menschen mit bestimmten Erbanlagen von der Therapie profitierten. Bei Patienten mit diesen Varianten - etwa 57 Prozent der Teilnehmer - sank das Fortschreiten um fast die Hälfte (44 Prozent). Den übrigen Teilnehmern half der Wirkstoff kaum. Bei Frauen fiel der Effekt deutlich stärker aus als bei Männern. Insgesamt erwies sich das Mittel als gut verträglich - die häufigsten Nebenwirkungen hingen mit den Injektionen ins Auge zusammen.

"Das ist die erste saubere, größere Phase-2-Studie zur trockenen Spätform der AMD", sagt Horst Helbig vom Uniklinikum Regensburg. Vor einem Urteil müsse man aber die Resultate größerer Studien abwarten. Derzeit laufen zwei Zulassungsstudien, deren erste Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte erwartet werden.

Die vorgelegten Resultate hält der Experte vom Vorstand der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft aus zwei Gründen für wichtig: Sie eröffnen die Möglichkeit, den Prozess der geografischen Atrophie aufzuhalten und man könne - sofern sich die Ergebnisse bestätigen - möglicherweise anhand des Erbguts ermitteln, welche Patienten von der Therapie am meisten profitieren.

hei/dpa

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