Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mandelsteine: Kleine Klumpen, schlechter Atem

Von

  Mundgeruch bekämpfen: Mandelsteine können die Ursache für schlechten Atem sein   Zur Großansicht
Corbis

Mundgeruch bekämpfen: Mandelsteine können die Ursache für schlechten Atem sein

Jeder hat sie, bei manchen verursachen sie starken Mundgeruch: Mandelsteine. Verschiedene Methoden helfen, die sonst harmlosen Klümpchen loszuwerden.

Wer als Kind schon einmal eines der weißen Gebilde aus seinem Speichel gefischt und zwischen den Fingern zerquetscht hat, weiß, warum Mandelsteine Mundgeruch erzeugen können: Sie stinken.

Jeder Mensch beherbergt die kleinen Klumpen, auch Detritus oder Tonsillensteine genannt, in den Einsenkungen seiner Gaumenmandeln. Eigentlich sind die Gebilde harmlos. Zum Problem allerdings werden sie, wenn sie an die Oberfläche der Mandeln gelangen und ihren unangenehmen Geruch auf den Atem übertragen.

Die Gaumenmandeln dienen der ersten Abwehr des Immunsystems im Magen-Darm-Trakt. "Damit in der Nahrung enthaltene Antigene dem Immunsystem möglichst zügig präsentiert werden können, haben sie eine große gefaltete Oberfläche", sagt Klaus Stelter vom HNO-Zentrum Mangfall-Inn, Rosenheim. Diese Furchen werden im Hinblick auf den Mundgeruch zum Problem.

Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Mandelsteine bestehen nur zu etwa einem Prozent aus Essensresten, zu 99 Prozent handelt es sich um weiße abgeschilferte Epithelzellen und weiße Blutkörperchen. Normalerweise befördert ein Selbstreinigungsmechanismus die abgeschilferten Zellen aus der Tiefe der Mandeln an die Oberfläche und sorgt dafür, dass sie heruntergeschluckt werden.

Dieser Transportmechanismus kann jedoch gestört sein. Hinzu kommt, dass in den Mandeln rund 200 verschiedene Bakterienstämme leben. Sie zersetzen die abgeschilferten Zellen in den Furchen, die stinkenden Steinchen entstehen.

Größe der Mandeln hat einen Einfluss

Manche Menschen haben mehr Mandelsteine als andere, bei manchen sind sie größer. Bislang ist noch unklar, was die Entstehung der Klümpchen begünstigt. "Eine Rolle spielt aber sicher, dass Menschen unterschiedlich große Mandeln haben oder bei manchen Betroffenen der Selbstreinigungsmechanismus der Mandeln zum Beispiel nach einem schweren Infekt gestört ist", sagt Stelter.

Auch wer in der Vergangenheit häufig Mandelentzündungen hatte, neigt eher zu Mandelsteinen. Dann verengen Narben die Ausgänge der faltigen Vertiefungen, und die abgeschliffenen Zellen gelangen schlechter an die Oberfläche. "Wer Mandelsteine hat, hat aber nicht zwangsläufig häufiger Mandelentzündungen", sagt der HNO-Mediziner.

Was lässt sich gegen Mandelsteine und den mit ihnen verbundenen Mundgeruch tun? Manche schaffen es, die Steine mit der Zunge aus den Mandeln zu entfernen. Es kann auch helfen, mit den Fingern, Wattestäbchen oder einem Holzspatel gegen die Unterseite der Gaumenmandeln zu drücken oder die Furchen mit einer Munddusche zu reinigen. Dann sollte der Wasserdruck mäßig eingestellt werden.

Desinfizierende Mundspülungen gegen den Geruch

"Stört vor allem der Geruch, ist es ratsam, desinfizierende Mundspülungen zu verwenden", sagt Stelter. "Beim Zähneputzen kann man ruhig auch mal die Mandeln etwas bürsten. Außerdem sollte die Zungenoberfläche gereinigt werden." Der morgendliche weiße Zungenbelag sei Ausdruck der Epithelregeneration der Zunge und könne ebenfalls einen heftigen Mundgeruch verursachen.

Stören die Mandelsteine beim Schlucken, kann der Betroffene sie auch beim HNO-Arzt ausdrücken oder absaugen lassen. Bei der sogenannten Roeder-Methode setzt der Arzt ein Schröpfglas auf die Gaumenmandel und zieht die Mandelsteine durch den entstehenden Unterdruck heraus. "Allerdings entstehen diese Mandelsteine immer wieder neu", sagt Stelter. Um sie dauerhaft loszuwerden, hilft nur eine Operation.

Immer mehr Menschen wählen dafür eine intrakapsuläre Tonsillektomie. "Dabei wird nicht die ganze Mandel entfernt, sondern das Mandelgewebe um etwa 90 Prozent verringert. Die Krypten fallen also zum Großteil weg, Mandelsteine werden kaum mehr produziert", sagt Stelter. Durch den verbleibenden Rest entstehen laut Stelter weniger Nachblutungen und weniger Schmerzen als bei einer kompletten Mandelentfernung. "Leider kommt diese sanfte Methode aber nur bei entzündungsfreien Mandeln infrage."

Mandelsteine oder Mandelentzündung?
Mitunter kommt es vor, dass Betroffene und auch Ärzte fälschlicherweise Mandelsteine als Eiterstippen einer akuten Mandelentzündung interpretieren. "Bei einer akuten Entzündung sind die Mandeln zusätzlich gerötet und geschwollen", sagt Klaus Stelter vom HNO-Zentrum Mangfall-Inn. "Der Patient hat außerdem Fieber und überhaupt geht es ihm ziemlich schlecht."

Auch dürfe nur eine bakterielle Mandelentzündung mit einem Antibiotikum behandelt werden. "Leider gibt es immer noch den Fehlglauben, dass ein Antibiotikum bei Mandelsteinen helfen könne, weil Bakterien beteiligt sind. Ein Antibiotikum bringt da aber nichts".
Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Interessant
siamkatz 10.07.2015
Ich frage mich schon seit mindestens 25 Jahren woher diese wissen Talgklümpchen herkommen. In der Tat habe ich sie als Kind und gelegentlich heute im Speichel gefunden und mit den Fingern zerquetscht. Sie stinken abartig und ich stellte fest, dass daher wohl ein gelegentlich auftretender Mundgeruch herrührt. Hin und wieder spüre ich sie auch und versuche sie heraus zu würgen. Oft ohne Erfolg. Kein Zahnarzt scheint von den Dingern zu wissen. Dachte immer, es liegt ein defekt im Hals vor, wo sich Essensreste sammeln und faulen. Jetzt weiß ich Bescheid. Danke für den Artikel.
2. Tonsillensteine!
schelfkante 10.07.2015
Ihr habt mich gerettet! Als Kind glaubte, ich Krebs oder tropische Krankheiten oder schlimmeres zu haben, wenn so ein Ding mal mitkam - und ganz bin ich diese Sorge über die Jahrzehnte nicht losgeworden - nun ist wieder ein Mysterium aufgeklärt! Danke. Wieso hat man nur nie gefragt???
3.
spon-facebook-550817439 10.07.2015
Ein heißer Tipp für alle Geplagten: Sollten auch Sie unter Mandelsteinen leiden, dann werden Sie sicher auch das ein oder andere der Ratschläge dieses Artikels versucht und eventuell festgestellt haben, dass sie nicht wirklich helfen. Dem ein oder anderen mögen sie hilfreich sein, bei mir haben sie nicht gefruchtet. Dann habe ich irgendwo mal gehört, dass der Verzicht auf Milchprodukte die Bildung von Mandelsteinen stark hemmt, et voilá, es funktioniert. Ich verzichte auf Milch, weichen Käse und andere weiche Milchprodukte wie Jogurt und die Steine sind verschwunden. Harter Käse, Brie und Harzer Käse gehen nach wie vor. Das ist nur in der Anfangsphase entbehrungsreich, da ich all diese Sachen mag, und ab und zu "sündige" ich auch...aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Mir ist es das wert. Vielleicht hilft der Tipp ja einigen.
4. Interessant
abby_thur 10.07.2015
Ich hatte die Dinger auch als Kind, mittlerweile aber nicht mehr. Irgendwann sind sie einfach nicht mehr aufgetaucht.
5. Vielleicht sollte man mal zusehen, daß die Bakterienflora
Erwan 10.07.2015
im Hals sich ändert, was aber eher nur bei Kindern schnell geht, bei Erwachsenen weniger oder es braucht viel länger. Leider weiß darüber kaum ein Arzt Bescheid, was da zu tun ist. Mandelentzündungen kann man ja seit über 60 Jahren auch so behandeln, indem man die Krankheitserreger verdrängt durch Bakterien, die zu dem Symbionten zählen. Stichwort: Kolonisationsresistenz. Mukosaimmunsystem usw. Wer mehr wissen wissen, kann ja mal googeln. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Symbiont.html Mit den heute meist verordneten Antibiotika schädigt man die Bakterienfloren des Körpers, also auch die Halsflora und am Ende, wenn es ganz schlimm wird, kommen dann die Resistenzen, gegen die es oftmals trotz Ersatzantiobiotikagaben keine Hilfe mehr gibt, wenn das Immunsystem eines Menschen ganz stark geschädigt ist. Die Medizin sollte sich endlich mal besinnen und nur dann antibiotisch behandeln, wenn es gar nicht anders geht und nicht bei jedem kleinen Infekt den Leuten Antibiotika en masse reinhauen, was oft genug auch zu Rezidiven führt. Allerdings verlangt das von einem Arzt etwas mehr als nur Schwarz-Weiss-Denken.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: